15.06.2006

BAG

Keine Unterstützung für ein rauchfreies Arosa

Arosa Tourismus-Direktor Hans-Kaspar Schwarzenbach hat eine Vision: Arosa soll der erste rauchfreie Ort der Schweiz werden. Bereits bis zur kommenden Wintersaison will er erreichen, dass sämtliche Hotels und Restaurants in Arosa frei vom blauen Dunst sind. Doch nun droht das ehrgeizige Vorhaben zu scheitern: Das Bundesamt für Gesundheit lehnte ein Gesuch um Unterstützung ab. Schwarzenbach wollte für die Raucher unter freiem Himmel Wärmelampen installieren, die von der Tabakindustrie gesponsert werden.
BAG: Keine Unterstützung für ein rauchfreies Arosa

"Weniger Rauch. Mehr Leben". Mit diesem Slogan spricht das Bundesamt für Gesundheit in diesen Tagen all jenen sein "Bravo" aus, die sich dafür eingesetzt haben, dass in der Schweiz weniger geraucht wird: Sportvereinen, Schulen, Restaurants und Unternehmen. Die Kampagne soll dafür sorgen, dass im Sport, in Schulen, im öffentlichen Verkehr, in Restaurants und am Arbeitsplatz rauchfreie Räume eingeführt werden.

Einen Beitrag im Kampf gegen den blauen Dunst leisten will auch Arosa Tourismus. Der Wintersportort soll der erste rauchfreie Ort in der Schweiz werden, so die Vision von Tourismusdirektor Hans-Kaspar Schwarzenbach. Sein ehrgeiziger Plan sieht vor, bis zum Start der nächsten Wintersaison ein allgemeines, flächendeckendes Rauchverbot in allen Hotels und Restaurants einzuführen. Für Schwarzenbach steht freilich nicht allein die Raucherprävention im Vordergrund der Massnahme: Er erhofft sich, dass ein Rauchverbot der Destination Arosa mehr Gäste und gute Publicity beschert. "Wird in Arosas Gastrobetrieben nicht mehr geraucht, wird dies viele unserer Gäste freuen", sagt Schwarzenbach. Er glaubt, dass das Beispiel Arosa Schule machen könnte: Gelinge das Projekt, würden weitere Tourismusorte nachziehen.

Doch nun droht Schwarzenbachs Plan zu scheitern. Dies nicht weil in Arosa die Opposition gegen das Rauchverbot zu gross ist, sondern weil das Bundesamt für Gesundheit BAG dem Projekt seine finanzielle Hilfe versagt. Die Behörden lehnten ein Gesuch um einen Unterstützungsbeitrag von 10'000 Franken aus dem Tabakpräventionsfonds ab, weil Schwarzenbach -- um den Rauchern die Freude an den Ferien nicht zu vergällen -- unter freiem Himmel Wärmelampen installieren wollte. Die Raucher sollten weiterhin in einem angenehmen Klima weiterpaffen können, statt im Winter bei klirrenden Kälte zähneklappernd an ihren Glimmstengeln ziehen zu müssen.

Dieser Aspekt des Projekts hielt das BAG davon ab, das Projekt zu unterstützen: "Die Massnahme leistet keinen Beitrag zur Reduktion des Tabakkonsums", begründet die Behörde ihren ablehnenden Entscheid in einem Schreiben, das "persoenlich.com" vorliegt. Dazu kommt: Schwarzenbach wollte auch die Tabakindustrie für seine Vision eines rauchfreien Arosas einbeziehen. Die Wärmelampen sollten von Philipp Morris gesponsert werden. Die Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie veranlasste jedoch die Behörden, das Gesuch von Arosa Tourismus erst recht abzulehnen.

Hans-Kaspar Schwarzenbach versteht den Entscheid des BAG nicht, wie er gegenüber "persoenlich.com" sagt: "Um von Seiten des Staates eine Unterstützung zu erhalten, müssen wir Raucher offensichtlich wie Aussätzige behandeln." Im Gegensatz zum BAG hatte Schwarzenbach nach eigenen Angaben trotz anfänglicher Skepsis sowohl den Hotel-Verein Arosa als auch Gastro Arosa von seiner Vision überzeugen können. Beim BAG, das sich auf die Fahnen schreibt, den Tabakkonsum in der Schweiz stärker zurückzudrängen, stiess er mit seiner Idee jedoch auf Granit. Kommt Schwarzenbachs Vorhaben in Arosa vors Volk, hat Arosa Tourismus schlechte Karten. Denn: "Es wird schwierig, die Aroser vom Vorhaben zu überzeugen, wenn wir alleine dastehen", sagt Schwarzenbach. Seine Vision, Arosa als ersten rauchfreien Ort in der Schweiz einzuführen, könnte aufgrund des Entscheids des BAG buchstäblich in Rauch aufgehen.


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