15.08.2011

Goldbach Group

Klaus Kappeler im Interview

"Wir wollen leistungsgerechte Margen erwirtschaften."

Das Küsnachter Vermarktungsunternehmen ist auf Erfolgskurs. 38 Prozent Umsatzwachstum präsentierte Goldbach-CEO Klaus Kappeler am Freitag an der Halbjahresbilanz-Präsentation. Welches ist der Hauptgrund für dieses Wachstum und warum erlaubt es sich Goldbach zunehmend gewisse Aufträge abzuweisen? Persoenlich.com Klaus Kappeler zum Interview getroffen:

Herr Kappeler, Goldbach Group hat im ersten Halbjahr 2011 den Umsatz um 38 Prozent gesteigert (persoenlich.com berichtete). Vor allem das Fernsehgeschäft legte stark zu – nicht der Onlinebereich, wie man aufgrund des veränderten Nutzerverhaltens erwarten könnte. Warum ist das so?

Hier sind drei Gründe wesentlich. Erstens, hat TV im europäischen Vergleich einen grossen Nachholbedarf. Ein TV-Marktanteil von 30 bis 50 Prozent ist üblich. Zweitens trugen die 2010 gewonnenen Mandate bei den drei grossen Fernsehstationen 3+, Sat1, Kabel eins Früchte - sie sind nun noch erfolgreicher in der Vermarktung. Drittens – und dies freut mich am meisten - ist der gesamte TV-Werbungsmarkt in den letzten sechs Monaten unglaublich stark gewachsen: Wir reden hier von einer zweistelligen Prozentzahl. Fernsehen ist also im Trend. Mit mehr Inventar wären wir in der Primetime noch stärker gewachsen. Wir müssen Lösungen finden, damit wir unseren Kunden befriedigende Angebote für den Herbst und im nächsten Jahr anbieten können.

Goldbach lehnt im Onlinebereich gewisse Kundenaufträge ab, da sie zu wenig lukrativ sind. Welche sind das?

Goldbach ist interessiert daran, leistungsgerechte Margen zu erwirtschaften. Bei sehr tiefen Margen – dies betrifft vor allem die Sites resp. Grossverlage mit hohen Direktbuchungsrabatten - empfehlen wir unseren Kunden auch direkt zu buchen, da für uns zu wenig Profit resultiert. Dadurch ist teilweise unser Umsatz rückläufig, dafür steigt die Marge.

Bei diesen tief-margigen Aufträgen handelt es sich insbesondere um jene der Verlage.

Ja, das sind Tamedia oder Ringier, zum Beispiel. Diese beiden Verlage haben vor zwei Jahren einen Direktbuchungsrabatt eingeführt. Seither lehnen wir konsequent tief-margige Aufträge ab.

Inwiefern spüren Sie den Einfluss des starken Frankens bei Ihren Kunden? Gehen Marketingbudgets bereits zurück?

Bis jetzt haben wir noch keinen Rückgang gespürt. Ich denke aber, dass sich einige unserer Kunden dem Druck der Händler nicht widersetzen können und die Produkte der Währungssituation entsprechend günstiger anbieten müssen. Dabei kann ich mir gut vorstellen, dass es bei Preisreduktionen zu Kürzungen der Marketingausgaben kommen wird.

Sie hoffen, dass dies dann vor allem die Printwerbung betrifft.

Es wird alle Medien treffen. Da der Trend aber Richtung elektronische Medien geht, werden die Sparmassnahmen eher die klassischen Medien treffen.

Mit dem Ausbau der Sparte Goldbach Interactive bieten Sie immer mehr umfassende Vermarktungslösungen an, indenen auch Konzeption und Kreation inbegriffen sind. Damit drängt Goldbach in das Geschäftsfeld der Werbe- und Kommunikationsagenturen.

Wir sind mit der Übernahme von Orange8 seit 2008 im digitalen Marketing unterwegs. Damals gab es nur eine Handvoll Agenturen, die digitale Dienstleistungen anbieten konnten. Die starke Kundennachfrage veranlasste uns, die Wertschöpungskette zu erweitern und selber auch Kreation und Konzeption anzubieten. Deshalb übernahmen wir Orange8. Dies war ein guter und wichtiger Schritt: Orange8 konnte den Umsatz innert kurzer Zeit vervierfachen.

Ist Goldbach Interactive günstiger als die klassischen Werbe- und Kommunikationsagenturen?

Wir sind börsennotiert, interessiert an profitablem Geschäft und können und wollen daher keine Discountpreise anbieten. Den Wettbewerb über den Preis zu führen wäre geradezu absurd. Wir führen den Wettbewerb über Qualität und Knowhow.

Spüren Sie Vorbehalte seitens der Werbeagenturen?

Nein, bisher nicht. Goldbach Interactive möchte im Gegenteil BSW-Mitglied werden. Goldbach Interactive ist eine Top-Agentur im digitalen Bereich und könnte innerhalb des BSW’s bestimmt einen Beitrag zur weiteren Professionalisierung des Digital-Marketings leisten.

Goldbach Group hat mit dem Verkauf eines Verlags in Rumänien den Printbereich fast vollständig abgestossen, der letzte Verkauf ist in der Abschlussphase. Wann schliessen Sie das Printgeschäftsfeld definitiv?

Ja, die beiden Verlage werden im zweiten Semester dekonsolidiert werden. Dann sind wir clean, wir werden keine Druckereien und auch keine Zeitungen mehr besitzen.

Aus diesem Verkauf resultiert ein beträchtlicher Verlust. War der Kauf dieser Verlage in Rumänien von 2008 eine Fehlinvestition?

Nein, wir haben bereits beim Kauf der Arbomedia in der Übernahmemedienmitteilung mitgeteilt, dass wir uns vom Print trennen wollen. Natürlich wurde es durch die Krise 2009 sehr schwierig, den Printbereich abzustossen. Niemand war an Print interessiert, schon gar nicht in Rumänien. Damals wollten wir diese Verlage nicht einfach abschreiben. Ich glaube der Zeitpunkt Mitte diesen Jahres war der richtige für einen Verkauf, auch wenn wir nochmals rund 800‘000 Franken abschreiben mussten. Jetzt sind wir draussen, das wollen wir auch so behalten.

Sie haben weitere wichtige Mandate erhalten. Worum handelt es sich dabei?

Ein Mandat umfasst ein Lokalfernsehnetz in Rumänien. Wir haben 24 Lokalsender zu einem Netzwerk zusammengeführt und bieten nun sämtliche Lokal-TV’s als ein TV- Angebot resp. als Paket an. Es ist unser erstes TV-Angebot n Osteuropa, ausserhalb der Schweiz und Österreich. Wir versprechen uns davon sehr viel, denn in Rumänien ist der Marktanteil von TV-Werbung bei über 50 Prozent.

Erklärtes Ziel ist es, noch profitabler zu werden. Wie wollen Sie das tun?

Durch die Strukturierung der Dienstleistungen in den einzelnen Ländern. Das heisst, die Tools, die Angebote und die Infrastruktur in Osteuropa müssen einheitlich werden. Dies ist der wichtigste Punkt für mehr Profitabilität. Dann ist aber auch weiteres Wachstum wichtig, dies hat Skaleneffekte. Ebenso wie der Ausbau von Goldbach International – mit einem Verkaufsbüro in London.

Interview: Edith Hollenstein


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