13.08.2010

Sunrise

Konzernchef bläst zur Attacke auf Konkurrenz

Mehr Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr.

Trotz des Auf und Abs um die schliesslich geplatzte Fusion mit Orange hat sich Sunrise auf Wachstumskurs gehalten. Während der Umsatz im ersten Halbjahr leicht zulegte, kletterte der Gewinn markant. Der neue Konzernchef Oliver Steil bläst zur Attacke auf Swisscom und Orange. Zwischen Januar und Ende Juni 2010 stieg der Umsatz um 2,2 Prozent auf 995 Millionen Franken, wie die Tochter des dänischen Telekomkonzerns TDC am Freitag vor den Medien in Zürich bekannt gab. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) kletterte um 15,4 Prozent auf 277 Millionen Franken.

Grund für den Anstieg seien zum grössten Teil bessere Margen, etwa durch die entbündelten Festnetzangebote, und zum kleineren Teil Einsparungen, sagte Finanzchef Christian Hütwohl. Zudem sei ein Sondergewinn von 10 Millionen Franken aus dem Verkauf von Sachanlagen wie beispielsweise Mobilfunkantennen an den Telekomanbieter In&Phone angefallen. Die Verbesserung beim Betriebsgewinn schlage eins zu eins auf den Reingewinn durch, sagte Hütwohl. Dieser schoss - auch dank tieferen Abschreibungen - um über die Hälfte auf 116 Millionen Franken hoch.

Das Wachstum stamme vor allem vom Mobilfunk, der die Kundenzahl um 4,5 Prozent auf 1,91 Millionen gesteigert habe, sagte Hütwohl. Der Mobilfunkumsatz legte um 3 Prozent auf 578 Millionen zu. Auch im Festnetz konnte Sunrise trotz Kundenverlusten den Umsatz dank dem Grosshandelsgeschäft um 2,2 Prozent auf 328 Millionen Franken verbessern. Im Internet sank der Umsatz indes um 3,3 Prozent auf 89 Millionen Franken. Angesichts des monatelangen Hin- und Hers um die Fusion mit Orange, seien die Zahlen sehr erfreulich, sagte Sunrise-Chef Steil, der Mitte Juni Christoph Brand ablöste. Die Mitarbeiter, die zunächst auf einen Zusammenschluss mit der Konkurrentin eingestellt gewesen seien, hätten wieder neu ausgerichtet werden müssen.

Da brauche man eine gewisse Zeit, um wieder voll in Schwung zu kommen. Nach dieser Übergangsphase gehe es jetzt wieder los, sagte Steil: "Wir wollen den alten Kampfgeist wieder an die Leute zurückgeben: Wir kämpfen gegen Swisscom und Orange."

Im Markt wolle Sunrise sehr viel über attraktive Preise, Dienstleistungen und neue Produkte bewegen. Hier soll das neue iPhone helfen, das Sunrise erstmals anbietet. So hätten zwei Wochen nach dem Verkaufsstart bereits 12'000 Kunden bei Sunrise das neue Kulthandy von Apple bezogen. "Wir hätten wahrscheinlich das Fünf- bis Sechsfache verkaufen können", sagte Steil im Hinblick auf die Lieferengpässe bei Apple. Die bisherigen drei Lieferungen seien jeweils innert weniger Stunden ausverkauft gewesen. "Die Verfügbarkeit ist ein Drama. Jeder will das Gerät haben."

Um junge Kunden zu gewinnen, hat Sunrise ein Angebot zusammen mit dem Musikfernsehpionier "MTV" aufgelegt. Im November soll ein weiteres Angebot mit der Gratiszeitung "20 Minuten" auf den Markt kommen. Engpässen auf dem Netz werde es durch die vielen surfenden iPhone-Besitzer nicht geben, versprach Steil: Nach Absage der Fusion mit Orange "werden wir unser Netz selber weiter ausbauen". In den nächsten fünf Jahren werde Sunrise 1 Milliarde Franken investieren. Das meiste Geld soll in den Mobilfunk fliessen. Sunrise wolle den Vorteil eines besseren Handynetzes gegenüber Orange halten, sagte Steil mit Blick auf die Konkurrentin, die ihrerseits 700 Mio. Fr. in den nächsten fünf Jahren investieren will. (sda)


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