Die Reduktion des Personalbestandes betrifft in erster Linie die rückwärtigen Dienste, währenddem die Verkaufskapazitäten weitestgehend aufrechterhalten bleiben sollen. Warum werden nicht dort Stellen gestrichen, wo die Mindereinnahmen entstehen?
Wir gehen in allen Bereichen sehr sorgfältig und mit Bedacht vor. In der Krise gibt es auch Chancen. Im Verkauf abbauen heisst, auf sich bietende Chancen verzichten.
Über diese Personalmassnahmen hinaus werden Aktivitäten von Media Sales, welche nicht zu den Kerntätigkeiten gehören, aufgegeben. Welche Aktivitäten meinen Sie damit konkret?
Dies betrifft primär das Ausland. Wir werden diesbezüglich noch in diesem Jahr nähere Angaben zu den konkreten Maßnahmen machen.
Es ist noch nicht langer her, dass der Bereich Media Sales neu geformt und "Publicitas" als Dachmarke eingeführt wurde. Nun teilten Sie vergangene Woche mit, dass das Geschäftsmodell von Media Sales überprüft werden soll. Wird der Bereich möglicherweise sogar wieder in verschiedene Einheiten aufgeteilt?
Die Strategie, die Allmedienvermarktung mit Schwergewicht Print unter der Dachmarke Publicitas zu führen, steht nicht zu Diskussion. Es geht darum, vorausschauend unsere Geschäftsmodelle so zu positionieren, dass wir morgen in einem stark veränderten Marktumfeld richtig aufgestellt sind. Richtig aus Sicht der Werbeauftraggeber und bezogen auf die Bedürfnisse und Erwartungen unserer Partner.
Sie haben in letzter Zeit vor allem im Ausland Akquisitionen vorgenommen. Werden in nächster Zeit weitere Investitionen zurückgestellt? In der Mitteilung ist die Rede davon, dass "die Ausführung aller nicht zwingend nötigen Projekte sistiert" wird.
Es versteht sich von selbst, dass in derart unsicheren Zeiten die Sicherung der laufenden Geschäfte im Vordergrund steht. Wir werden jetzt sicher keine zusätzlichen und neuen Risiken eingehen. Ebenso ist es durchaus sinnvoll, von Zeit zu Zeit alle Projekte kritisch-konstruktiv zu hinterfragen.
Andere Medienunternehmen haben aufgrund sinkender Werbeeinnahmen auch schon Sparmassnahmen kommuniziert. Muss man erwarten, dass nun bis Jahresende noch mehr Medienunternehmen solche Meldungen verkünden werden?
Die Werbe- und Medienbranche ist durch die Krise zentral betroffen. Es dürfte mithin viele weitere Unternehmen geben, die ähnliche Massnahmen treffen müssen.
Betrifft das sinkende Ertragsvolumen alle Bereiche, oder trifft es vor allem die Printmedien?
Der Konsument ist zur Zeit sehr vorsichtig und wartet ab. Diese Haltung führt zu einer Rezession. Und eine Rezession trifft alle, wenn auch unterschiedlich stark. Wir planen für 2009 mit einem Rezessionsjahr. Ohne dabei den Optimismus zu verlieren.
Denken Sie, die schwierige wirtschaftliche Lage wird die Medienkonzentration in der Schweiz weiter vorantreiben? Wer wird am stärksten von den ausbleibenden Werbeeinnahmen betroffen sein, die Grossen oder die Kleinen?
Die Lokalmärkte profitieren traditionell weniger vom zyklischen Aufschwung und sind aber umgekehrt sehr viel robuster im Abschwung. Mit anderen Worten: Die Lokalmedien werden aller Voraussicht nach relativ gut über die Runden kommen.
Abschlussfrage: Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für das Jahr 2009 ein?
Das Jahr 2009 wird wie schon gesagt ein Rezessionsjahr. Wie tief und lang die Rezession sein wird, werden wir im Verlaufe des Jahres ermessen können. Das Potential für einen Wiederaufschwung wird umso grösser, je tiefgreifender die Rezession sein wird.
(Interview: Stefan Wyss)

