13.10.2004

"Marcel Meier, bauen Sie nicht eine ideale Spielwiese für File-Sharer?"

Microsoft Schweiz präsentiert heute Abend an einem Launch-Event in Zürich die "Windows XP Media Center Edition 2005". Versprochen werden neue Möglichkeiten in Sachen Medien-Konsum, Kommunikation und Interaktion. Damit sei man dem alten Traum der Konvergenz ein grosses Stück näher, wie es Marcel Meier (Bild), Windows Client Product Manager Microsoft Switzerland, formuliert. "persoenlich.com" hat nachgefasst. Das Interview:
"Marcel Meier, bauen Sie nicht eine ideale Spielwiese für File-Sharer?"

Microsoft nimmt nach dem Büro das Wohnzimmer ins Visier und lanciert die "Digitale Unterhaltung überall". Was kann die "Windows XP Media Center Edition 2005", was ich mit meinem jetzigen Fernseher, meiner Stereoanlage, meinem PC nicht kann?

Nichts (lacht), aber künftig wird alles in einem Gerät verschmolzen sei. Ich nehme mal an, dass Sie mindestens drei Fernbedienungen rumliegen haben. Und dass Sie mit Ihrem DVD-Recorder höchstens ein- oder zweimal selber etwas aufgenommen haben. Und dass sich hinter Ihrem Fernseher der ultimative Kabelsalat verbirgt -- hier setzen wir an. Es ist nicht so, dass wir das Fernsehen neu erfinden, es geht darum, dem User mit dem Media Center die Möglichkeit zu bieten, alles von einem Gerät aus zu bedienen -- TV, Bilder, Musik oder Internet. Aber auch Videos, DVDs oder Messenger Chats. Ein PC im Hintergrund sorgt für Ordnung in meiner Musiksammlung, verwaltet meine Fotos, unterstützt mich, um CDs zu brennen, lädt mir Spielfilme aus dem Internet. Die komplette Integration sozusagen und alles über eine Bedienung. Und zwar für Herrn Müller und Frau Meier -- und nicht nur für den ultimativen Tecki.

Sie wollen mich also zum Agieren motivieren?

Das Stichwort heisst "Multitasking" -- der Zuschauer wird zur Aktion motiviert: Statt wie bis anhin als "Coachpotatoe" zum Nichstun verdammt, kann er Fernsehschauen, gleichzeitig aber mit Kollegen chatten, der Grossmutter Ferienfotos schicken, die sich diese ebenfalls direkt auf dem Fernseher ansehen kann, seine Musiksammlung aufstocken...

Tönt wie die ideale Spielwiese für File-Sharer...

Sie sprechen wohl die digitalen Rechtsansprüche an... Das Media Center ist, wie es der Name bereits sagt, ein Betriebssystem, eine Plattform, auf der Externe wie zum Beispiel Napster ihre Produkte anbieten können. Daher haben wir auch eine Rechteverwaltung entwickelt, die es dem User erlaubt, bei einem Song zum Beispiel kurz reinzuhören. Oder sich diesen für 50 Cents einmal runterzuladen, oder aber für 90 Cent die unlimitierten Rechte einzukaufen, um den Song vielleicht auch noch auf seinen portablen Media-Player zu laden. Die meisten Leute sind bereit, für Musik, DVDs oder auch Video on Demand zu bezahlen, wenn das Angebot stimmt. Ausnahmen gibt es natürlich immmer.

Mit welchen Musiklabels und Filmstudios kooperieren Sie?

Microsoft führt zur Zeit Kooperationsgespräche mit diversen internationalen Grössen. Details werden in den nächsten paar Monaten folgen. Gerne hätte ich heute Abend einen ersten Grosskunden bekannt gegeben -- leider ist der Termin aber verschoben worden. Das Windows XP Media Center definiert sich ja als eigentlicher Handelskanal, es ist also nicht so, dass wir wie zum Beispiel Sony selber zum Musiklieferanten werden wollen. Wir bauen eine Plattform, auf der sich möglichst viele Partner tummeln sollen. Und da wir im Gegensatz zu Apple kein geschlossener Kreislauf sind, ist das Interesse tatsächlich sehr gross.

Eine Allianz hat Microsoft bereits mit Reuters abgeschlossen. Was beinhaltet diese?

Reuters wird eine Art Agentur-Ticker einrichten, ein Online-Service für Geschäftsleute, die sich auch Abends vom Sofa aus auf dem Laufenden halten wollen und nicht nur untertags bei der Arbeit und am Computer. Ein Internetdienst in fernsehtauglichem Format sozusagen...

Mit dem neuen Media Center bieten sich auch neue Werbeformen an. Wie werden diese aussehen?

Ein bereits genanntes Beispiel ist Reuters, wo ein Onlineservice "feierabendtauglich" dargestellt wird. Ich kann also zum Beispiel die "Rundschau" schauen und parallel dazu die Reuters-Daten einblenden. Ich kann mit aber auch "Sex in the City" angucken, und parallel dazu auf einer Zweitseite Schuhe übers Internet ersteigern. Ich kann mir "MusicStar" angucken und parallel dazu ein Porträt eines der Kandidaten auf dem Bildschirm holen. Gleichzeitig kann ich in einem Chat meine Meinung zu Kandidat XY abgeben und über einen Merchandising-Kanal eine CD bestellen. Wenn ich zum Beispiel der Marketing-Chef von Coop wäre, würde ich parallel zu meiner Kochsendung neue Rezepte aufschalten, inklusive Einkaufsliste und Link zum Online-Shop, wo ich mir die Zutaten gleich bestellen kann. Sie sehen: Viele Ideen sind erst in der Entwicklung, entstehen sozusagen "am lebenden Objekt".

Apropos Werbung: Bill Gates lässt sich das Marketing der neuen "Windows XP Media Center Edition 2005" eine grosse Stange Geld kosten. Was für eine Werbe-Feuer erwartet uns in der Schweiz?

Ich muss Sie entäuschen: Unser Werbebudget ist gleich Null, und ich muss es ja wissen, schliesslich verwalte ich die Schweizer Etats (lacht). Microsoft Schweiz wird für die "Windows XP Media Center Edition 2005" keine klassische Werbung schalten. Das würde auch kein Sinn machen, denn man muss das Media Center selber erlebt haben, damit es "Klick" macht. Abgesehen davon bringen wir ja jetzt etwas, dass wir schon seit über sechs Jahren versprochen haben: EIN Tool, um X Aufgaben zu handeln -- eine Plattform für jede Form von digitaler Unterhaltung.

Wir setzen daher auf starke Partnerschafen mit dem Retail, auf unsere Hardwarepartner wie Toshiba, Siemens und viele andere. Microsoft liefert ja ausschliesslich die Sofware und die macht maximal 10 Prozent vom Endpreis aus. So gesehen sind hier unsere Hardwarepartner respektive der Handel gefragt, die eine ganze Story um das "Digital Lifestlye" bauen können. Vom Fotoapparat zum Bildschirm und zu den Musikboxen. (Lacht) Schöne, neue Welt, gell!

(Interview: Almut Berger).


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