Nach seinem Auftritt anlässlich des Verlegerkongresses in Interlaken meldet sich Gesellschafts-Tenor Leo Wundergut in Europa zurück. Mit dabei im Gepäck hat er musikalischen Impfstoff gegen die Schweinegrippe: Den Song "Kein Schwein steckt mich an" präsentierte er am Sonntag Abend in der SF-Sendung "Giacobbo/Müller" dem Schweizer Publikum vor. Ab sofort kann der Song auf der Homepage des Künstlers heruntergeladen und - wie es sich für einen Virus gehört -- viral verbreitet werden. "persoenlich.com" hat sich mit Leo Wundergut über seine neueste Aktion und die Funktion eines Gesellschafts-Tenors unterhalten. Das Interview:

Wer ist Leo Wundergut?
Das bin ich. Meine ausführliche Biografie ist auf der Website www.wundergut.com hinterlegt.
Herr Wundergut, Sie bezeichnen sich als Gesellschaftstenor. Was ist die Funktion eines Gesellschaftstenors?
Der Gesellschaftstenor macht es sich in der Regel zur Aufgabe, die Öffentlichkeit in Form eines Publikums, zu unterhalten. Er tut dies mit Hilfe der E- und der U-Musik. Also mit der ernsthaften und mit der Unterhaltungs-Musik. Er ist also weder Operntenor noch Schlagersänger, sondern quasi ein musikalischer Zwitter. Ernst ist das Leben, heiter die Kunst, hat schon Schiller geschrieben. Heute hat man zuweilen den Eindruck, es sei umgekehrt.
Sehen Sie es als Ihre Mission, der klassischen Musik ein moderneres Image zu verpassen, indem Sie ihr die Ernsthaftigkeit nehmen?
Die klassische Musik war noch nie wirklich ernsthaft. Vielleicht die Kirchenmusik, aber auch nur zum Teil. Ernsthaft sind in der Regel nur die Gesichter des Publikums. Sie imitieren die Musiker auf der Bühne. Die haben jedoch nur deshalb ernste Mienen, weil sie sich konzentrieren müssen. Im Grunde die Ernsthaftigkeit das Produkt eines grossen Missverständnisses.
Was für eine Botschaft wollen Sie mit dem aktuellen Lied und Video Kein Schwein steckt mich an. Keine Sau infiziert sich bei mir vermitteln?
Ich möchte den Leuten nichts vorschreiben, in dem ich so etwas wie Botschaften verbreite. Jeder und jede muss selber darüber nachdenken. Ich persönlich frage mich, ob das nicht die brillanteste Guerillakampagne ist, welche die Welt je gesehen hat. Initiiert von der Pharmabranche. Ich glaube, der Name der Grippe ist Teil ihres Erfolgs. Eine Eichhörnchengrippe wäre wohl nie so berühmt geworden wie eine Schweinegrippe
Haben Sie das mit Max Raabe und dem Palastorchester abgesprochen? Schliesslich covern Sie ja deren Lied Kein Schwein ruft mich an. Keine Sau interessiert sich für mich.
Ich habe ihm den Text geschickt, und anscheinend hat er sich davon anstecken lassen...Nein, dafür ist mein Verlag zuständig. Es ist übrigens derselbe wie der von diesem Raabe. Ein paar der Musiker des grandiosen Capital Dance Orchesters Berlin, mit denen ich den Song neu aufgenommen habe, spielen auch im Palastorchester.
Die Schweinegrippe ist nicht mehr Thema Nummer 1. Kommt das Lied nicht ein bisschen spät?
Ich frage mich eher: Kommt nicht die Schweinegrippe etwas spät? Seit Monaten warten wir auf die Pandemie, und sie kommt einfach nicht.
Machen Sie sich über die Schweinegrippe lustig?
Was jemand lustig findet und was nicht, muss dieser Jemand selber entscheiden.
Was halten Sie von der Grippe-Kampagne des BAG, die mit Beat Schlatter als Botschafter auf Humor setzt?
Mir fehlt da etwas die Musik.
Was versteht Leo Wundergut unter musikalischem Impfstoff gegen die Schweinegrippe?
Ich habe in all den Jahren als Musiker gelernt, dass die Willenskraft Berge versetzen kann. Ich habe schon Menschen getroffen, die krank wurden, weil sie es werden wollten. Wer nicht alles ernst nimmt und mit Leichtigkeit durchs Leben geht, lebt meiner Erfahrung nach gesünder als Griesgrame.
Werden Sie in Zukunft vermehrt Lieder zu aktuellen Ereignissen machen. Gibt es z.B. auch ein Lied zur Libyen-Affäre oder zum Fall Polanski?
Herr Polanski sollte eigentlich das Video zur Schweinegrippe drehen, aber er musste kurzfristig absagen. Zu Libyen äussere ich mich häufig auf der Bühne. Gerade kürzlich wieder an der Premiere des SP-Kinospots. Sie können sich kaum vorstellen, wie viel Stoff jemand wie Herr Merz für humoristische Einlagen gibt. Ob man gleich ein Lied auf ihn singen muss, weiss ich nicht.
Das Video wird viral verbreitet. Was ist das Ziel der Kampagne? Werbung für die kommende Herbsttournee von Leo Wundergut?
Es liegt doch in der Natur eines Schweinegrippe-Songs, dass er sich viral verbreitet. Das Ziel ist, dass sich mehr Leute meinem Lied als der Grippe verfallen. Die Tournee "Konjunk-Tour" geht diese Woche in der Schweiz an ausgewählten, wenigen Orten weiter. Im Frühling werde ich mit einem grossen neuen Programm in Zürich gastieren.
(Interview per Mail: Corinne Bauer).

