1400 der 2100 Betriebe beim Cafétier-Verband schreiben rote Zahlen. Gemäss einem Vorschlag des Cafétier-Verbandes soll daher jeder Gast, der sich in ein Café setzt, eine Mindestgebühr bezahlen. Doch die Wirte dürften die Rechnung ohne die Kunden machen: Den Konsumentenorganisationen schlägt der Vorschlag des auf den Magen. "Der Vorschlag ist absolut lächerlich", sagt Jacqueline Bachmann, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.
Die Idee sei alles andere als kundenfreundlich und verjage höchstens die Konsumenten. "Das würden sich garantiert sehr viele Gäste nicht bieten lassen." Die Wirte haben offenbar ein wirkliches Problem mit dem Einkommen. Bachmann zeigt grundsätzlich Verständnis für die Lösungssuche der Branche. Dass Wirte bei zuwenig Einkommen nach Lösungen suchen müssten, sei klar. "Aber offenbar gibt es zuviele Beizen", erklärt Bachmann.
"Mit Konsumationsgebühren Wirte subventionieren -- nein danke", sagt Bachmann. Wirte sollten sich dem Wettbewerb stellen, die Innovativsten würden gewinnen und die anderen ihre Betriebe aufgeben müssen. "Das mussten die Bauern und andere Branchen auch lernen. Wenn Preis und Qualität stimmen für die Gäste, dann bezahlen diese auch einen fairen Preis". Verärgert über den Vorschlag ist auch Fabiola Monigatti, Geschäftsführerin des Konsumentenforums: "Die Konsumenten werden sich heftig wehren."
Konsumenten dürfen nicht als erste zur Kasse gebeten werden
Es könne doch nicht sein, dass immer die Konsumenten als erste zur Kasse gebeten werden, wenn die Betriebe wirtschftlich nicht rentieren. "Das ist nicht gerechtfertigt." Von einem psychologisch hochgradig aufgeladenen Thema spricht Rudolf Strahm, Preisüberwacher und häufiger Kaffeetrinker: "Jene, die diesen Vorschlag inszenieren, müssen sich ganz stark bewusst sein, was sie damit auslösen", warnt Strahm.
"Überraschend und unkoordiniert" findet GastroSuisse, der Verband für Hotellerie und Restauration, den Vorstoss der Cafétiers. Grundtaxen könnten im Gastgewerbe mit seinem Überangebot nicht eingeführt werden. Branchenprobleme liessen sich so nicht lösen. Die Ideen seien "unausgegoren und nicht marktreif".
Die Branche werde sich ein Imageproblem einhandeln. "Der Vorschlag ist kontraproduktiv", erklärt Strahm. Denn es werde genügend Anbieter geben, die diese Gebühr nicht einführen werden und damit Marktanteile gewinnen dürften. Die Cafétiers überrascht der erhebliche Widerstand seitens der Kunden nicht. Doch Verbandsgeschäftsführerin Johanna Bartholdi verteidigt ihr "Denkmodell". "Wir haben zwar eine Lawine losgetreten. Aber manchmal muss man schräge Denkanstösse geben, damit die Wirte selber kreativ werden", erklärt Bartholdi.
"Im übrigen habe ich nie von 5 Franken gesprochen. Die Spannbreite für eine Mindestkonsumation liegt zwischen 3.50 und 5.50 Franken." Letztlich sei aber jeder Betrieb selbst für seine Preispolitik verantwortlich. "Es ist nur ein Denkanstoss, keine Empfehlung". Wichtig sei, dass sich die Kundinnen und Kunden wie auch die Gastwirte bewusst seien, dass jede Dienstleistung im Gastgewerbe bezahlt sein müsse, sagt Bartholdi weiter. Und die Geschäftsführerin freut sich: "Wir haben heute von Konsuenten bereits zwei sehr kreative und interessante Vorschläge erhalten." (sda)

