Der PubliGroupe-Verwaltungsrat ist nach der Erhöhung des Angebots durch die Swisscom bereit für den Verkauf. Pro Aktie bezahlt der Telekommunikationskonzern nun 214 Franken und erhöht damit den Kaufpreis fürs ganze Unternehmen auf 474 Mio. Franken. Zuvor hatten sich Swisscom und der Medienkonzern Tamedia auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt.
Der PubliGroupe-Verwaltungsrat empfiehlt seinen Aktionären, dem Swisscom-Angebot zuzustimmen. Man habe mit Swisscom eine entsprechende Vereinbarung getroffen, schreibt PubliGroupe in der Mitteilung. Die Wettbewerbsbehörden müssen die Einigung noch absegnen.
Bei der Swisscom hiess es auf Anfrage, das erhöhte Angebot sei das Ergebnis von Verhandlungen. Auch mit den verbliebenen Grossaktionären habe man sich bereits geeinigt, teilte Swisscom mit.
Diese Grossaktionäre besitzen rund ein Viertel der PubliGroupe-Aktien. Dabei halten insbesondere die Jean-Robert-Gerstenhauer-Stiftung sowie die Erbengemeinschaft Alfred Borter grössere Anteile.
Gemeinsam gegen Google
Nachdem sich die PubliGroupe im April von ihrem historischen Kerngeschäft - dem Verkauf von Zeitungsanzeigen - getrennt hatte, blieb als Filetstück die Informationsplattform Local.ch übrig. Dies machte den Konzern für eine Übernahme attraktiv. Ein konkretes Übernahmeinteresse meldeten schliesslich Tamedia und die Swisscom an.
Nach einem kurzen Bieterkampf spannten die beiden Kontrahenten Ende Mai zusammen. Dass nun Swisscom PubliGroupe übernimmt, ist Teil des gemeinsamen Plans. Demnach werden Swisscom und Tamedia die Unternehmen Local.ch und Search.ch zusammenlegen.
Die erste Geige wird dabei Swisscom spielen, die 69 Prozent am geplanten Gemeinschaftsunternehmen halten wird. Tamedia muss sich mit 31 Prozent begnügen. Zusammen sollen Local.ch und Search.ch zu einer Schweizer Alternative zu Google entwickeln.
An der Börse führte das neue Angebot der Swisscom und die Zustimmung des PubliGroupe-Verwaltungsrates erwartungsgemäss zu einem Anstieg des Aktienkurses. Gegenüber dem Vorabend erhöhte sich der Preis für eine PubliGroupe-Aktie um 4,8 Prozent. Mit 212 Fr. notierte das Papier jedoch immer noch leicht unter dem Angebotspreis der Swisscom.
PubliGroupe-Übernahme beschäftigt nun auch die Finma
Auf einem Nebenschauplatz muss sich nun auch der Übernahmeausschuss der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) mit der PubliGroupe-Übernahme beschäftigen: Tamedia hat sich gegen eine Verfügung der Übernahmekommission (UEK) gewehrt und beim Übernahmeausschuss, also der nächsthöheren Instanz der UEK, Beschwerde eingereicht.
Dabei geht es um die Verfügung der UEK, wonach das öffentliche Kaufangebot von Tamedia für Publigroupe vom 11. Mai angepasst werden müsse. Tamedia wollte die Werbevermarkterin nur unter der Voraussetzung übernehmen, wenn deren defizitäre Tochter Publicitas auch tatsächlich verkauft wird.
Diese Bedingung entspricht gemäss UEK nicht den gesetzlichen Bestimmungen über öffentliche Kaufangebote, heisst es in einer Mitteilung des Finma-Übernahmeausschusses vom Dienstag.
Durch das Zusammengehen der Tamedia mit der Swisscom ist das Übernahme-Angebot zwar inzwischen praktisch obsolet geworden. Juristisch besteht das Angebot indes weiterhin, weshalb sich nun - mindestens bis zum Abschluss des Verkaufs der Publicitas durch die PubliGroupe - der Übernahmeausschuss der Finma mit dem Thema zu beschäftigen hat. (sda)

