08.04.2016

Brandsoul

«Mit Frontalbeschallung werden keine Menschen zum Tun aktiviert»

Die Agentur Brandsoul hat eine Umfrage zu Diskrepanzen zwischen Angestellten und Geschäftsführern gemacht. Gründer Andrej E. Isler erklärt im Interview, was das für Folgen für die Markenkommunikation hat.
Brandsoul: «Mit Frontalbeschallung werden keine Menschen zum Tun aktiviert»

Herr Isler, Ihre Agentur Brandsoul hat eine Umfrage zu Diskrepanzen zwischen Angestellten und Geschäftsführern durchgeführt. Wie kam es dazu?
Seit sechs Jahren arbeiten wir intensiv für nationale und internationale Unternehmen im Bereich Strategie Implementierung, Unternehmenswerte und Vision-Roll-outs, wie auch generell im Bereich Change und Innovation. Die zum Teil grosse Diskrepanz im rationalen und noch mehr im emotionalen Verständnis zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzen, speziell in den Bereichen Visions- und Strategieverständnis, waren so auffällig, dass es uns dazu bewogen hat genauer hinzusehen.

Welche Faktoren waren für Sie dabei wichtig?
Spannend war für uns ein direkter Vergleich von Sichtweisen zwischen CEO, Kader und den Mitarbeitern zu einem selben Sachverhalt. Die Antworten aus dem Direktvergleich ergaben entsprechend spannende Ergebnisse, welche die Unterschiede in der Wahrnehmung verdeutlichte.

Was schliessen Sie aus den Ergebnissen? 
Erst einmal muss hier erwähnt werden, dass es in erster Linie darum ging, den Puls aufzunehmen. Unsere Erfahrung aus den letzten Jahren war kongruent mit unserer Befragung – Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation und nur mit ein paar Folien, Frontalbeschallung und Workshops werden keine Menschen zum Tun, zur Innovation oder zur Veränderung aktiviert. Change findet nun einmal nicht auf dem Papier statt. Das emotionale Verstehen der Anspruchsgruppen wird nach wie vor unterschätzt und vielfach gar nicht von den Verantwortlichen in Betracht gezogen. Es bräuchte gar nicht viel, damit der CEO verstanden wird und gleichzeitig der Mitarbeiter sich verstanden fühlt.

Inwiefern war die Umfrage für Brandsoul relevant?
Es ist interessant, wie zum Teil unklar CEOs und ihre Kader sind, wenn es darum geht, Veränderung und innovatives Handeln zu fördern wie auch Strategie-Rollouts zu übersetzen, denn die entscheidende Komponente ist und bleibt das emotionale Verständnis und die entsprechende Verpflichtung der Anspruchsgruppen. Die Umfrage hat insbesondere gezeigt, dass wir beim Kunden noch mehr Überzeugung leisten müssen, um neue Wege und Pfade gehen zu können.

Die Agentur unterstützt Unternehmen bei der Motivation ihrer Mitarbeitenden – ein Nischenprodukt. Was hat Sie dazu bewegt?
Wir verstehen uns als Kommunikationsagentur mit Schwerpunkt Erlebbarkeit. Ganz nach dem Motto «Was du nicht erlebt hast, hast du nicht verstanden» sind Erlebbarkeit, Dialog und Integration zentrale Elemente unserer Kommunikation. Wir verstehen uns als Content Architekten und Storyteller, welche zuerst den Menschen als Protagonist in unserer Geschichte aufführt und erst dann die Marke.

Was waren Ihre wichtigsten Learnings bisher?
Dass wirkliche Innovation in erster Linie einem Paradigma-Wechsel gleichkommt. Viele Unternehmen suchen neue Lösungen und befeuern dafür ihre Mitarbeiter. Es wird viel geschrieben und gesprochen, aber wenig bewegt. Innovation ist nicht ein einmaliges Feuer, sondern eine Grundhaltung und diese ist fest mit der Kultur verbunden. Interessant ist es, dass immer noch viele Führungspersonen die Wichtigkeit der Emotionalität nicht berücksichtigen, resp. Mühe bekunden Emotionen überhaupt zuzulassen. Jede getroffene Entscheidung basiert aber nun einmal auf der emotionalen Ebene, welche nur rational zusammengefasst wird.

Warum ist die gute Bindung zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten so wichtig?
Nicht die Bindung an sich, sondern das gegenseitige Verstehen und verstanden werden ist hier zentral. Je weiter die Vorgesetzten sich von den Mitarbeitern befinden, desto schwieriger ist die Verständigung. Am Ende geht es auch darum, sich auch emotional zu verstehen und daher ist eine gute Bindung sicherlich förderlich.

Welche Diskrepanzen zwischen Mitarbeitenden, Kunden und Vorgesetzten sind am gefährlichsten?
Wir kommunizieren mehr als weniger unter dem Stern der Annahme. Und diese passieren meist vom eigenen Standpunkt aus. Daher liegen wir vielfach nicht richtig. Das Ziel guter Kommunikation ist ja, dass wir den Empfänger emotional erreichen und gleichzeitig kognitiv unsere Informationen verstanden werden. Man kann aber nur Maschinen rein rational aufladen, Menschen müssen wir emotional gewinnen, um sie für unser Vorhaben, für unsere Produkte und Marken zu gewinnen. Nur das mit der Annahme ist so eine Sache. Wenn Sie nicht in den Empfänger hineinfühlen und denken können, dann wird es etwas schwieriger mit dem Erreichen der Kommunikationsziele. Daher kommen ja auch die grossen Diskrepanzen.

Wo müssen Unternehmen in ihrer Kommunikation noch am meisten lernen?
Ich kann hier keine generelle Schlussfolgerung abgeben. Viele Unternehmen machen ja auch vieles richtig. Wir können aus unserer Erfahrung nur empfehlen, dass Integration, sowohl des Mitarbeiters, aber auch des Kunden, eine wesentliche Verbesserung in der Zielerreichung mit sich bringen würde. Dabei stehen Interaktion und Erlebbarkeit als Synonym für ein starkes Engagement der Anspruchsgruppen.


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