Der Schweizerische Brauerei Verband (SBV) und die Fachstelle "Alkohol am Steuer nie" (ASN) wollen rechtzeitig zum Beginn der Fasnacht 2006 im Februar das Projekt "Mobiles Promillometer" lancieren. Mit einem Handy-Promillometer kann durch die Eingabe der konsumierten alkoholischen Getränke und Mahlzeiten, des Geschlechts, Körpergewichts und des Zeitablaufs der aktuellen Promillewert berechnet. Die Applikation kann auf praktisch allen Mobiltelefonen installiert werden.
ASN hatte bereits ein Promillometer entwickelt, das auf dem Internet läuft. "Von Anfang an hatten wir vor, dieses Tool noch näher an die jungen Erwachsenen heranzubringen, indem wir eine lauffähige Version für das Handy erstellen lassen", so ASN-Geschäftsleiter Paul Gisin gegenüber "persoenlich.com". Leider habe bis anhin das Geld gefehlt.
Mit dem SBV, der vor einem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit BAG und der GastroSuisse bereits eine Promilletabelle im Kreditkartenformat an die Gastronomiebetriebe verteilt hatte, hat man nun anscheinend einen Partner für die Realisation gefunden.
Ungewöhnliche Partnerschaft
Die Partnerschaft einer Alkoholpräventionsstelle mit einem Brauereiverband erscheint aufgrund der Vertretung von verschiedenen Interesse auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich.
"ASN hat keine Hemmungen, mit Alkoholproduzenten zusammenzuarbeiten, solange diese die gesetzlichen Rahmenbedingungen einhalten, erklärt Gisin. "Wir sind überzeugt, dass der Brauereiverband kein Interesse daran hat, dass sich Leute sinnlos mit Bier vollaufen lassen und schon gar nicht, dass sie dann noch fahren -- und eventuell Unfälle bauen."
Martin Amsler vom SBV erläutert gegenüber "persoenlich.com": "ASN fordert nicht den Verzicht auf Alkohol, sondern fördert das verantwortungsbewusste Verhalten in der Bevölkerung. Diese Politik deckt sich mit derjenigen des Schweizer Brauerei-Verbandes." Die beiden Organisationen seien daher übereingekommen, gemeinsam ein mobiles Promillometer zu lancieren in der Absicht, Nutzerinnen und Nutzer unterwegs die mobile Ermittlung des Blut-Alkoholgehalts zur Verfügung zu stellen.
Verstecktes Marketing?
Geht es also dem SBV nicht darum, durch "Aufklärung" den Verkauf anzukurbeln? "Ziel dieses gemeinsamen Projekts von SBV und ASN ist nicht die Steigerung des Alkoholkonsums, sondern es soll besonders jüngeren Menschen der verantwortungsvolle Umgang mit alkoholischen Getränken bewusst gemacht werden", so Amsler.
Der ASN glaubt auch nicht, dass mit der Aktion die Info-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) - "0.5 PROMILLE = max. ein Glas" torpediert wird. Paul Gisin: "Selbstverständlich wissen auch wir, dass 'drink or drive zwar wünschenswert wäre, aber in vielen Fällen nicht realistisch ist. Daher begrüssen wir die starke Tendenz bei den jungen Erwachsenen, die Alkoholmenge zu begrenzen und zu kontrollieren, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind."
Das Projektmanagement und die Entwicklung des Promillometers liegt bei der Firma Cognition. Diese war es auch welche der ASN den Vorschlag unterbreitete, die bereits bestehende Browser-Anwendung des Promillometers in eine für Jugendliche jederzeit verfügbare mobile Anwendung zu verwandeln, wie Christian Schaub, Gesamtprojektleiter Mobiles Promillometer bei Cognition, gegenüber "persoenlich.com erklärt. Auf der Suche nach einem weiteren Projektpartner habe man sich an den Brauerei Verband gewandt, der auf Anhieb grosses Interesse signalisiert habe.
(Text: Stefan Wyss)

