03.09.2014

Zalando

Modehändler will noch 2014 an die Börse

10 bis 11 Prozent am Unternehmen sollen auf den Markt gebracht werden.

Es wird einer der spannendsten Börsengänge in Deutschland: Der Onlinehändler Zalando will noch in diesem Jahr Aktien an der Börse in Frankfurt platzieren. Der genaue Zeitpunkt der Publikumsöffnung und der Umfang sind jedoch noch unbekannt.

"Abhängig vom Börsenumfeld" solle die Aktienplatzierung im zweiten Halbjahr 2014 über die Bühne gehen, teilte die Zalando SE am Mittwoch in Berlin mit. Zalando will 10 bis 11 Prozent am Unternehmen auf den Markt bringen. Zunächst gab es keine Hinweise darauf, wie teuer die Aktien werden sollen.
 
Kurz davor hatte bereits das "Handelsblatt" von der geplanten Ankündigung berichtet. Die Verhandlungen über die Höhe des Emissionsvolumens haben laut "Handelsblatt" bis in die Abendstunden am Dienstag angedauert. Finanzkreisen zufolge könne es bis zu 750 Millionen Euro betragen.
 
Nach bisherigen Informationen wollte Zalando beim Börsengang eine Gesamtbewertung von bis zu fünf Milliarden Euro anstreben. Damit würde das Volumen bei einer Platzierung eines Zehntels der Anteile deutlich darunter liegen.
 
Hauptaktionäre bleiben an Bord
Die Haupteigentümer von Zalando sind nach aktuellen Angaben die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik mit rund 36 Prozent und die Internetinvestoren Oliver, Marc und Alexander Samwer mit 17 Prozent.
 
Den Samwer-Brüdern gehört die Startup-Schmiede Rocket Internet, die laut Medienberichten ebenfalls noch im Herbst einen Börsengang ankündigen will. Auch dort wird über einen angepeilten Marktwert von bis zu fünf Milliarden Euro spekuliert.
 
Die grossen Zalando-Aktionäre wollen an Bord bleiben und beim Börsengang keine Aktien verkaufen. "Geplant ist die Ausgabe von neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung", hiess es. Im Juli besorgte sich Zalando zudem einen Kredit über 200 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren.
 
Erstmals operativer Quartalsgewinn
Zalando schreibt nach Anlaufverlusten inzwischen zumindest operativ schwarze Zahlen. Im zweiten Quartal gab es vor Zinsen, Steuern und Ausgaben für Mitarbeiteraktien einen Gewinn von 35 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte Zalando auf dieser Basis noch 31 Millionen Euro verloren. Auch ohne Abzug der anteilsbasierten Vergütung sei die Marge noch positiv gewesen, betont das Unternehmen.
 
Ausführliche unbereinigte Zahlen gab es am Mittwoch zunächst nicht, sie werden aber in einem Börsenprospekt veröffentlicht. "Der Gang an die Börse ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung von Zalando", erklärte Zalando- Vorstandsmitglied Rubin Ritter in der Mitteilung.
 
Zalando hatte mit kostenlosen Retouren und einer einprägsamen Werbekampagne ("Schrei vor Glück!") schnell Marktanteile gewonnen. Zuletzt gab es 13,5 Millionen Kunden. 2013 wies das Unternehmen einen Umsatz von 1,8 Mrd. Euro aus.
 
In Deutschland, Österreich und der Schweiz macht Zalando mit 60 Prozent den Grossteil des Geschäfts. In der deutschsprachigen Region ist das Unternehmen auch deutlich profitabler mit einer bereinigten operativen Marge von 4,6 Prozent.
 
In der Schweiz ist der Internethändler seit Oktober 2011 präsent und hat nach eigenen Angaben hierzulande rund 1 Million Kunden. Damit ist Zalando zu einem der grössten Onlinehändler in der Schweiz avanciert.
 
Kritik an Arbeitsbedingungen
Der Online-Modehändler ist wegen den Arbeitsbedingungen in den Verteilzentren schon wiederholt in die Kritik geraten. Beschäftigte hatten gegenüber Medien und Gewerkschaften über Leistungsdruck, Kontrollen und tiefe Löhne geklagt.
 
Laut einer Anfang 2014 ausgestrahlten Reportage des Fernsehsenders RTL überwacht Zalando die Mitarbeiter systematisch und setzt sie unter Druck, um das Arbeitstempo zu erhöhen. Zalando hat nach Ausstrahlung der Reportage gewisse Arbeitsbedingungen geändert. Die Hauptvorwürfe dagegen weist das Internetunternehmen zurück. (sda)

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