Im Schweizerischen Museum für Papier, Schrift und Druck in Basel ist bald eines der ältesten bedruckten Papiere der Welt zu sehen. Das Stück Papier stammt aus Japan und datiert aus dem Jahr 770. Das Druckstück wird gemäss Konservator Martin Kluge ab September in neu gestalteten Räumlichkeiten ausgestellt. Dank der Neugestaltung kann nun die Kollektion des Museums in einer permanenten Ausstellung gezeigt werden. Bisher lag sie noch vor Licht geschützt in einem Depot und konnte nur auf Anfrage besichtigt werden.
Im September eröffnet das Museum auch eine Sonderausstellung zur Schrift. Sie zeigt die Entwicklung verschiedener Schriften. Besucherinnen und Besucher können sich spielerisch im Schreiben üben. Das einzigartige Museum in der Basler Papiermühle beschäftigt sich neben dem Papier mit Schrift, Druck und Buchbinderei. Neben den musealen Aspekten wird in dem Museum auch gearbeitet. Es stellt verschiedene Papiere her und druckt auch. Besuchende können selbst in den Papierbrei greifen und ihr eigenes Papier herstellen.
Die Räume des Museums sind in zwei ehemaligen Papiermühlen angesiedelt. Das Hauptgebäude wurde 1453 aus einem Kloster in eine Papiermühle umgewandelt. Im Erdgeschoss sind heute Werkstätten zur Herstellung alter und neuer Papiersorten sowie Ausstellungen zur Papiergeschichte.
Die alte Mühle wird durch ein imposantes Mühlrad in einem zwischen der Birs und dem Rhein gegrabenen Kanal betrieben. Der Kanal datiert aus dem 12. Jahrhundert. Die Maschinen sind Nachbauten der 1790 betriebenen. Ein Anbau enthält eine Papiermaschine aus dem Jahr 1964. Das gut drei Meter lange Gerät stellt Papierollen in A4- und A5-Format her. Im Vergleich zu den heute von der Papierindustrie betriebenen Maschinen scheint diese klein.
Im ersten Stock geht das Museum der Geschichte der Schrift und des Drucks nach. Dort steht eine Werkstatt zum Guss von Buchstaben, Sammlungen von Schrifttafeln, Stempeln und Siegeln, Schreibmaschinen und Druckpressen. Im zweiten Stock stehen Druckpressen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Hier können Besucher in die Haut der Drucker schlüpfen.
Der dritte Stock beherbergt eine Buchbinder-Werkstatt und ein Vergolderatelier. Der Dachstock, einst der Trockenboden der Mühle, wurde detailgerecht wieder hergestellt. Die Installation verfügt über ein ausgeklügeltes System für die richtige Spannung der Schnüre, auf denen das Papier trocknet.
Trotz jährlich 33'000 Besuchern steht das privat getragene Museum vor grossen finanziellen Problemen. Das Defizit von jeweils rund 200'000 Franken im Jahr trägt eine Stiftung. Geht es so weiter, verfügt die Stiftung bis in zwei oder drei Jahren über keine Mittel mehr, wie Konservator Kluge sagt. Er will verhindern, dass sein Museum dasselbe Schiksal ereilt wie das Gutenberg-Museum in Freiburg, das 2003 seine Tore schliessen musste.

