11.08.2026

Swissness

Neue Regel stösst auf breite Ablehnung

Sowohl Gewerbetreibende als auch Stimmberechtigte befürchten eine Verwässerung der Marke «Schweiz». Der Gerwerbeverband fordert, die Exklusivität des Schweizerkreuzes für inländische Produzenten rasch wiederherzustellen.
Swissness: Neue Regel stösst auf breite Ablehnung
Claudio Minder, Unternehmer und Fabio Regazzi, Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands SGV, an der Medienkonferenz über die neue Praxis des Eidgenoessischen Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) zum Schweizer Kreuz. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Das Schweizerkreuz darf seit Kurzem auch für im Ausland hergestellte Waren genutzt werden. Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) hat dazu zwei Umfragen durchführen lassen: Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wie auch die Stimmberechtigten lehnen die Neuregelung klar ab. Der Verband nimmt nun die Politik in die Pflicht.

Gewerbetreibende und Stimmberechtigte befürchten eine Verwässerung der Marke «Schweiz» und einen Vertrauensverlust bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Der SGV will deshalb mit politischen Instrumenten gegen die Praxisänderung des Eidgenössischen Instituts für geistiges Eigentum (IGE) vorgehen. Geplant sind unter anderem zwei Motionen (persoenlich.com berichtete). Das sagte Verbandspräsident und Ständerat Fabio Regazzi (Mitte/TI) am Dienstag vor den Medien in Bern.

Der Verband fordert, die Exklusivität des Schweizerkreuzes für inländische Produzenten rasch wiederherzustellen. Der Bundesrat sei nun gefordert. Er müsse anerkennen, dass der Entscheid des IGE ein Fehler gewesen sei. Auch das Prozedere sei nicht akzeptabel: «Eine Vernehmlassung wäre nötig gewesen.» Die Praxisänderung müsse rückgängig gemacht werden, so Regazzi.

Nachteil für KMU

Die nicht repräsentative Online-Umfrage des SGV richtete sich an die Kantonalverbände. Dabei gingen 289 Antworten ein. Parallel dazu führte das Institut Demoscope von Mitte Juli bis Anfang August eine repräsentative Befragung bei 1154 Stimmberechtigten durch. Fast 90 Prozent der befragten Gewerbetreibenden und Stimmberechtigten sind demnach der Auffassung, das Schweizerkreuz müsse den inländischen Produzenten vorbehalten bleiben.

In der Demoscope-Umfrage gaben 60 Prozent an, ihr Vertrauen in die Aussagekraft des Schweizerkreuzes nehme durch die Praxisänderung ab. Die Hälfte der Gewerbetreibenden bewertet die Neuregelung als «sehr nachteilig» für KMU ohne Auslandsfertigung.

In beiden Befragungen meinten fast neun von zehn Teilnehmenden, die Wirtschaft werde besser unterstützt, wenn das Schweizerkreuz Schweizer Produzenten vorbehalten bleibe. Eine grosse Mehrheit befürchtet zudem, eine Abwanderung der Produktion ins Ausland schwäche die Innovationskraft des Standorts Schweiz.

Produktion nach Italien verlegt

Ein Beispiel lieferte der Schuhhersteller Kybun. Er verlagert einen Teil der Produktion von Sennwald SG ins italienische Montebelluna. «Wir wollen nicht als Musterknabe sterben, während andere die Regeln zu ihren Gunsten ausgelegt bekommen», sagte Kybun-CEO Claudio Minder.

Das IGE hatte seine Praxis im März 2026 geändert. Seither darf das Schweizerkreuz auch für Angaben wie «Swiss Design» oder «Swiss Engineering» verwendet werden, selbst wenn die Herstellung vollständig im Ausland erfolgt. Das Institut begründete den Schritt mit der Frankenstärke und den hohen US-Zöllen, unter denen die Schweizer Wirtschaft leide.

Dem Entscheid ging ein jahrelanger Streit zwischen der Schuhmarke On und den Behörden um das Schweizerkreuz voraus. Die Lockerung ist daher auch als «Lex On» bekannt. (sda/nil)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen