Eklat im Skiweltcup: Der Uhrenkonzern Swatch zieht sich als Zeitnehmer und Datenaufbereiter zurück. Swatch-Konzernchef Nick Hayek übt scharfe Kritik am Chef des Skiweltverbandes FIS, Gian-Franco Kasper.
Swatch habe vor über drei Jahren beantragt, neben der Datenverwertung auch in der Zeitmessung der Skirennen einen weltweiten Exklusivvertrag abschliessen zu können. Die FIS sei aber nicht fähig gewesen, für die Zeitmessung einen Globalvertrag zustande zu bringen, sagte Hayek am Dienstag der Nachrichtenagentur sda.
So hat der Österreichische Skiverband die deutsche Siemens für die Datenaufbereitung und Alge Timing für die Zeitmessung von FIS- Rennen engagiert, beispielsweise beim Riesenslalom der Männer vom Dienstag in Flachau.
Für Swatch "macht es aber keinen Sinn, wenn in jedem Rennen jemand anderes die Zeitmessung macht", sagte Hayek. Denn Qualität und Sicherheit der Datenerfassung und der Zeitmessung könnten so nicht gewährleistet werden. Es sei zu aufwändig, mit jedem Rennort oder jedem Landesverband selbst Verträge abzuschliessen.
FIS-Chef Kasper habe eine "extrem schwache Rolle" gespielt. Swatch habe schon vor der Saison mitgeteilt, dass der Konzern nicht mehr zur Verfügung stehe, wenn er nicht einen Exklusivvertrag erhalte.
Andere Firmen
Kasper wies die Kritik auf sda-Anfrage zurück. Hayek sei realitätsfremd und kenne sich im Skisport zu wenig aus. "Wir werden nun andere Uhrenfirmen beiziehen", sagte Kasper. "Es ist aber schade um die rund 60-jährige Tradition mit der Schweizer Uhrenindustrie."
Bis vor zwei Jahren arbeitete die FIS mit Swisstiming/Longines zusammen. Einen Exklusivvertrag habe es aber noch nie gegeben. So lief die Weltmeisterschaft 2003 in St. Moritz über TAG Heuer.
Profitgier in Österreich
Von einem Machtkampf der FIS mit dem Österreichischen Skiverband wollte Kasper nicht sprechen. "Aber die Österreicher wollen möglichst viel Geld aus den Rennen herausholen und haben sich punkto Zeitmessung nicht an die Abmachung der FIS gehalten", sagte Kasper. Mit Ausnahme Österreichs hätten alle Länderverbände einem Globalvertrag mit Swatch zugestimmt.
Die Datenerfassung könne die FIS weiterhin sicherstellen, es sei teilweise lediglich unklar, welche Uhrenfirma dafür ihren Namen einblenden werde. So wurde auch beim Rennen vom Dienstag in St. Moritz kein Zeitmesser eingeblendet.
Die Neulinge tun sich zum Teil schwer: Bei den österreichischen Rennen in Sölden und Altenmarkt sei es zu Problemen mit der Zeitnahme und den Ergebnislisten gekommen, räumte Kasper ein. Das sei aber kürzlich auch bei einem "Swatch-Rennen" in Kanada der Fall gewesen.
Eine Hand wäscht die andere
Die Zeiterfassung der Skirennen soll gratis bleiben, schliesslich profitierten die Uhrenfirmen von einer "riesigen Werbeplattform", sagte Kasper.
Finanzielle Forderungen hat Swatch laut Hayek nicht gestellt. Im Gegenteil: Die Datenverwertung und die Zeitmessung habe Swatch freiwillig auf eigene Rechnung erledigt, was über 3 Mio. Fr. pro Jahr gekostet habe.
Swatch mache nun noch jene Rennen, für die ein Vertrag bestehe. Das sind die prestigeträchtigen Wettbewerbe in Wengen und Kitzbühel sowie die Weltmeisterschaften in Bormio. Danach ist Schluss: "Wir werden uns vom Verband FIS, der sehr schlecht geführt ist, zurückziehen. In der Privatwirtschaft wäre so ein Chef nicht mehr lange auf seinem Sessel", sagte Hayek.

