16.11.2010

"Nun stellen wir den Teamgeist wieder her"

Beat Roeschlin leitete 12 Jahre lang das Schweizer Geschäft der internationalen Clear-Channel-Gruppe. Seit sechs Monaten ist er nun CEO der Publicitas, die stürmische Zeiten hinter sich hat. Im Gespräch mit "persoenlich.com" spricht Roeschlin über die neue Ausrichtung der Publicitas, wie er aus seiner Crew wieder ein schlagkräftiges Team formieren will und warum er es nie bereute, von Clear Channel zur P gewechselt zu haben. Das Interview:
"Nun stellen wir den Teamgeist wieder her"

Herr Roeschlin, die PubliGroupe hat vor wenigen Tagen bekannt geben, dass sie sich in Zukunft auf drei Bereiche konzentrieren will. Was bewirkt dies für Ihr Segment Media Sales?

Wir haben dadurch eine Portfolioanreicherung im Fernen Osten bekommen. Unser Portfolio be-inhaltet nun unter anderem Inflight-Magazine. Da wir über eine sehr gute Verkaufsmannschaft verfügen, ist dies einträglich und passt sehr gut zu unserem Bereich. Die Konzentration der PubliGroupe auf weniger Geschäftsbereiche erachte ich als einen guten Schritt, da dadurch die Koordination der bereichsübergreifenden Media-Lösungen und Prozesse vereinfacht wird.

Bearbeiten Sie den asiatischen Markt von Zürich aus?

Der asiatische Raum besteht aus verschiedenen regionalen Hubs unter der einheitlichen Führung des CEO Asia Pacific, welcher direkt an mich rapportiert. Wir verfügen innerhalb der internationalen Niederlassungen der Publicitas über ein äusserst kompetentes Management, was eine direkte Steuerung von Zürich und eine flache Hierarchiestruktur ermöglicht.

Die PubliGroupe und ihre Tochter Publicitas waren in den letzten Monaten stürmischen Zeiten ausgesetzt. Wenn wir zurückschauen, wo stehen Sie heute?

Die Publicitas passt sich an die sich verändernden Marktbedingungen an und stellt sich segment-gerechter auf als früher mit einem starken Fokus auf den Kunden, um den Bedürfnissen aller Marktpartner gerecht zu werden. Dabei stehen die Dienstleistungen, die wir als Gruppe bieten können im Vordergrund. Wir sind uns bewusst, dass wir neben dem Print- auch ein starkes On-lineangebot offerieren müssen. Dabei greifen wir auf das bereits vorhandene Know-how in der PubliGroupe, und insbesondere auch in den internationalen Standorten der Publicitas, zurück. Beispielsweise wurde der Digital Sales Director Europe von London nach Zürich transferiert, um diesen Prozess, zusammen mit Exponenten von Digital & Marketing Services so wie dem Publici-tas Team in der Schweiz voranzutreiben. Der „Sense of Urgency“ und die damit verbundene Frage „Jetzt oder nie“ nehmen einen entscheidenden Stellenwert ein. Die Mitarbeiter zeigen Bereitschaft zur Veränderung und haben auch eine Vision und gemeinsame Ziele, die angestrebt werden.

War dies in der Vergangenheit nicht mehr der Fall?

Der Teamgeist wurde in der Vergangenheit laufend durch die personellen Veränderungen beeinträchtigt. Diesen gilt es nun wieder herzustellen. Wir müssen in den verschiedenen Verkaufsgebieten viel stärker als Team auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten. Gemeinsam für ein Ziel - dies verkörpert für mich der Begriff Team, einen gemeinsamen Wert, welchen wir in der Publicitas leben werden. Dies ermöglicht uns, zusätzlich zu den bereits vorhandenen Talenten, neue Talente, vor allem im Online-Bereich, zur P zu holen.

Die Publicitas hat im vergangenen Jahr die Zürcher Landzeitungen verloren. Was bedeutet dies für die P?

Das ist das Resultat des Deals zwischen der Tamedia und der NZZ und des damit verbundenen Austausches der Zürcher Landzeitungen und der Thurgauer Zeitung. Die Zürcher Landzeitungen waren sicher sehr wichtig für unser Portfolio. Durch den Neugewinn der Thurgauer Zeitung können wir langfristig mit dem St. Galler Tagblatt und andern Blättern der NZZ-Gruppe sowohl in der Ost-, Zentralschweiz und auch Zürich ein interessantes und auch starkes Portfolio anbieten.

Die AZ-Medien verkaufen ihre Inserate nun in Eigenregie. Was bedeutet dies für die Publicitas?

Dies bedeutet, dass neue Zusammenarbeitsmodelle definiert werden müssen, bei denen wir attraktive Dienstleistungen und Tools für Verlage in Eigenregie anbieten. Wir stehen mit ver-schiedenen Verlagshäusern in intensiven Verhandlungen, welche gut voran kommen. So generieren wir beispielsweise für die AZ-Medien Umsätze in den Regionen, in denen sie nicht vertreten sind. Diesen Service gilt es weiter auszubauen und unser Netzwerk gewinnbringend einzusetzen.

Kann die Publicitas in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben?

Operativ sicher.

Publicitas Cinecom & Media AG hat mit der Sat1 und Fernsehen 3plus einen wichtigen Partner an Goldbach verloren. Ist dies das Ende von Publicitas Cinecom & Media AG?

Nein. Der Wegfall von Sat1 und 3plus war für uns sicherlich eine herbe Enttäuschung, zumal wir in den letzten Jahren sehr gut und auch erfolgreich gearbeitet haben. Ich habe mittlerweile aber bereits Signale bekommen, dass nicht alle Player mit dem Duopol, welches Goldbach und Publisuisse neu im TV-Markt ausüben, einverstanden sind. Dies ist langfristig unsere Chance. Hinzuzufügen ist, dass das Kinogeschäft - die Publicitas Cinecom AG - hervorragende Resultate erzielt.

Haben Sie es je bereut, von Clear Channel zur P gewechselt zu haben?

Nein. Ich wollte eine neue Herausforderung annehmen und bin hoch motiviert und überzeugt, diese zusammen mit dem Publicitas Team zu meistern.

(Interview: Matthias Ackeret)


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