Die Organisatoren der WEF-Gegenveranstaltung Public Eye on Davos haben am Mittwoch erstmals Preise für unverantwortliches Konzernverhalten verliehen. Den Publikumspreis erhielt der Nahrungsmittelmulti Nestlé. Der Schweizer Konzern stehe wegen eines Arbeitskonflikts in Kolumbien und dem aggressiven Vermarkten von Babynahrung in der Kritik, erklärten die Public-Eye-Organisatoren. Nestlé halte sich nicht an die Spielregeln der Weltgesundheitsorganisation.
Laut Sonja Ribi von Pro Natura gewann Nestlé den ungeliebten Publikumspreis sehr deutlich. Über 1000 Personen hätten sich per Internet an der Abstimmung beteiligt. Insgesamt vergaben die Erklärung von Bern (EvB) und Pro Natura Preise in fünf Kategorien.
Versprechen gebrochen
Bei den Menschenrechten erhielt der US-Chemiekonzern Dow Chemical den "Public Eye Award", weil er sich bis heute weigere, die Verantwortung für die Chemiekatastrophe im indischen Bhopal zu übernehmen. Der Anti-Preis in der Kategorie Umweltschutz ging an Royal Dutch Shell. In Nigeria würde der Konzern immer noch mit der Methode der offenen Gasverbrennung arbeiten -- trotz gegenteiliger Versprechen.
Bei den Arbeitsrechten sei der US-Konzern Wal-Mart besonders unzimperlich und erlaube Dumpinglöhne, hiess es weiter. Die Beratungsfirma KPMG International mit Sitz in Amsterdam fördert laut Public Eye "aggressive Steuervermeidung" und bekam deshalb den Missetäter-Preis in der Kategorie Steuern.
KPMG wehrt sich
Der Leiter von KPMG Schweiz, Hubert Achermann, räumte ein, mit der Steuerberatung sei KPMG vor allem in den USA "hart an die Grenzen" gegangen. Dennoch sei der Vorwurf der aggressiven Steuervermeidung unfair, denn KPMG habe nichts anderes gemacht als andere Beratungsunternehmen auch. Zudem sei die Frage schwierig zu beantworten, wie viel bzw. wie wenig Steuern ein Unternehmen zahlen müsse, um ethisch-moralischen Kriterien zu genügen.
Preisträger auf Tauchstation
Insgesamt waren über 20 Unternehmen in den verschiedenen Kategorien nominiert. Von den preisgekrönten Firmen habe bloss eine reagiert, hiess es -- und die Teilnahme an Public Eye abgelehnt. Der Schauspieler Patrick Frey, der als Moderator der Veranstaltung fungierte, konnte keine einzige Trophäe überreichen.

