Der Softwarekonzern Microsoft hat am Dienstag mit dem Verkauf seines neuen Betriebssystems Vista an Privatanwender begonnen. Der Nachfolger des Betriebssystems XP soll in insgesamt 70 Ländern auf die Ladentische kommen. Microsoft-Chef Steve Ballmer nannte den Verkaufsstart "den grössten Launch in der Software-Geschichte".
Microsoft-Gründer Bill Gates pries die Qualität des neuen Betriebssystems. "Dies ist bei weitem die am intensivsten geteste und qualitativ höchstwertige Veröffentlichung einer neuen Version denn je", sagte er bei einer Veranstaltung am New Yorker Times Square, bevor er zu einer Verkaufsreise nach London, Edinburgh, Bukarest und Paris aufbrach. Akkordiert mit der weltweiten Marketingkampagne fasste Gates sein persönliches Vista-Erlebnis auf dem New Yorker Times Square mit einem Wort zusammen: "Wow."
Bei der Vermarktung der neuen Produkte setzt Microsoft auf zentrale Botschaften. Einfacher, sicherer und unterhaltsamer sollen Vista und Office 2007 sein. Auffallend dabei ist, dass die propagierten Verbesserungen des Vista-Systems vor allem anhand engmaschiger Verknüpfungen mit den ebenfalls überarbeiteten Microsoft-Applikationen wie dem Internet Explorer 7, Windows Media Player, Office oder Outlook demonstriert werden. Inwiefern das neue Betriebssystem auch bei der Nutzung alternativer Softwareanbieter einen "Wow-Effekt" hinterlässt, bleibt abzuwarten.
Eine der grössten Marketing-Offensive aller Zeiten
Für die Lancierung von Windows Vista hat Microsoft eine der grössten Marketing-Offensiven aller Zeiten geplant. Die Einführung der neuen Software lässt sich das Unernehmen mehr als 500 Millionen Dollar kosten ("persoenlich.com" berichtete).
In der Schweiz wurde der Verkaufsstart für Windows Vista und 2007 Office System mit einem spektakulären Publikumsanlass auf dem Berner Waisenhausplatz eingeläutet. 20000 Ballone sind nach Mittag gleichzeitig in den Himmel über Bern gestiegen und haben damit den seit 11 Jahren erstmals wieder gleichzeitigen Verkaufsbeginn neuer Versionen der beiden Microsoft-Flaggschiffe signalisiert.
Aber auch in der Stadt Zürich, Standort eines der wenigen nicht in den USA liegenden Softwareentwicklungszentrums von Microsoft, war das Unternehmen öffentlich sichtbar. In den Abendstunden hat der bekannte Lichtkünstler Gerry Hofstetter, der in seinem letzten Projekt die Pyramiden von Gizeh beleuchtet hat, die Fassade der ETH in die Farben der Microsoft-Produktwelt getaucht.
Obwohl niemand am Erfolg von Windows Vista zweifelt, ist die Marketing-Offensive gemäss Experten dringend notwendig. Kritiker stellten den Softwareriesen in der Öffentlichkeit immer wieder als "monopolistisches Imperium" dar, was dem Image der Firma geschadet hat. Weil ausserdem die Lancierung des Produkts immer wieder verschoben wurde und die bisherigen Beurteilungen von Analysten eher mässig ausfielen, sind die Marketing-Verantwortlichen gefordert.
Zusätzliche Werbe-Investionen seien nötig, um dem Konkurrenten Apple nicht das Feld zu überlassen. Microsoft müsse einigen Aufwand betreiben, um seine Firmenkunden vom neuen Windows-Produkt zu überzeugen, heisst es in einem Bericht von Adage.com. (pers/sda/pte)

