Die Raymond Loewy Foundation Switzerland verleiht den Lucky Strike Junior Designer Award 2003 an die Luzerner Grafikdesignerin Sarah Infanger. Die Absolventin der ECAL (Ecole cantonale d'art de Lausanne) hat sich mit ihrer Arbeit "L'être inconnu" zuerst gegen ursprünglich 80 Konkurrenten und in der Endrunde gegen neun nominierte Projekte durchgesetzt -- und erhält den mit 30'000 Franken dotierten Förderpreis. Mit vier von neun nominierten Abschlussarbeiten, inklusive Siegerprojekt, war die Lausanner Designschule ECAL besonders erfolgreich.
Ziel der Raymond Loewy Foundation ist neben der Förderung junger Designtalente die klare Positionierung und zunehmende Transparenz unter den Designschulen, die in immer stärkerem Wettbewerb stehen. "persoenlich.com" stellt "L'être inconnu" und die weiteren für den Award nominierten Arbeiten vor:
'Lêtre inconnu'
Sarah Infanger, Gewinnerin des diesjährigen Förderpreises, die ihre Arbeit "L'être inconnu" als Magazin gestaltete, setzt sich mit dem Unbekannten, dem nicht Fassbaren und der Fantasie auseinander. Dokumentationen eigenartiger Vorkommnisse, die Sicherung der Spuren von Monstern oder Geistern und Interviews mit Bewohnern der mysteriösen Avenue de France in Lausanne lassen den Betrachter rätseln und sinnieren. Obwohl in der heutigen rationalen Gesellschaft niemand mehr so recht an Monster glauben mag, lässt die Jungdesignerin ihrer Fantasie und ihren eigenen Interpretationen freien Lauf. "Es gibt immer verschiedene Wege, um Dinge zu betrachten, beziehungsweise zu erklären. Man kann immer hören, was man hören möchte; und glauben, was man glauben möchte", sagt Sarah Infanger, Absolventin der ECAL.

"'L'être inconnu' lässt den herkömmlichen Designbegriff hinter sich und öffnet Türen in die Dimension des Designs für das Unbekannte", urteilte denn auch die Jury.
'Der Wolf im Schafspelz'
Das Projekt "Der Wolf im Schafspelz" von Pascal Brun, Visueller Gestalter (HGK Luzern), lanciert die bildliche Übersetzung verschiedener Redewendungen aus. Es visualisiert in knapper Form Bildzeichen, die die Komplexität der Redewendungen spiegeln sollen.
Die bekannten und neuen Signete haben nicht den Anspruch eindeutig lesbar zu sein. Sie funktionieren eher wie ein Bildrätsel. Was ist abgebildet und wofür steht dieses Sinnbild, dieser Frage versucht der Autor nachzugehen. Ein Vogelnest steht etwa für Nestlé, der Buchstabe N (Norden) mit einem schwarzen ausgehöhlten Dreieck für "eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" und "jemandem einen Floh ins Ohr setzen", bringt er mit einer Glühbirne in einem schwungvollen schwarzen Halbrund zum Ausdruck.

"Die Prägnanz und Originalität der grafischen Zeichen in Verbindung mit den alltäglichen Redewendungen ist neu im Ansatz und überzeugend in der Ausführung", befindet hier die Jury.
'Alles vorbei und zuletzt noch wir'
Andrea Gsell, Multimedia Gestalterin (FHA Aargau), beschäftigt sich mit dem Thema Zeit und dessen Spielarten. Erinnerungen, Gedanken und Stimmungen von Frauen aus drei verschiedenen Generationen bilden den Kern der interaktiven nichtlinearen Bildschirmarbeit "Alles vorbei und zuletzt noch wir" auf CD-ROM.
Der Benutzer navigiert sich an Bild- (Video und Fotografie) und Tonfragmenten (Stimmen) entlang und gelangt in eine virtuelle Biographie, die Unterschiede zwischen den Protagonisten verwischt und diese zugleich voneinander trennt. Das ganze System baut auf dem Prinzip des Gedächtnisvorgangs auf. Assoziative Verknüpfungspunkte bleiben stehen und werden ins "Archiv" abgelegt, während sich der Betrachter bereits auf die nächsten Informationen konzentriert und aus dem Ganzen eine neue Biographie spinnt.

Das Urteil der Jury: "Das Konzept, den komplexen Vorgang des mehrschichtigen Denkens und Erinnerns auf eine so bestechende Einfachheit herunterzubrechen, ist auf poetische Weise gelungen."
'Alpensagenland'
Die Visuellen Gestalterinnen Uta Bogenrieder und Jlien Dütschler (HGK Zürich) präsentieren mit "Alpensagenwelt" ein Kaleidoskop der Sagenwelt zum Lesen und Hören. Sie schildern die Bräuche und Eigenheiten von Schweizer Alpenbewohnern und lassen diese mit der heutigen Welt zusammentreffen, die alles mit naturwissenschaftlicher Logik erklären will. Es handelt von erfundenen und traditionell überlieferten Geschichten, im Zentrum steht das Phänomen einer magisch-religiösen Welt aus Feen, bösen Geistern und heiligen Bäumen.

"Das Konzept und die Gestaltung sind spannend, sie transportieren das alte Thema Sagen in die Gegenwart", meint die Jury zu dieser Arbeit.
'Zaunhecke'
Bei Guido Styger, Industriedesigner (ECAL Lausanne), mutiert ein kompostierbarer Zaun zu einer Hecke, anstatt wie üblich zu verwittern. Der Zaun nährt zunächst die Hecke und unterstützt ihr Wachstum, bevor er wieder verschwindet. Er ist mit einer Erd- und Samenmischung gefüllt, die bei Feuchtigkeit zu spriessen beginnt. Der Autor hält es mit dem französischen Philosophen Jean Baudrillard: "Es reicht nicht Gegenstände zu kreieren die nur dienen, man muss Gegenstände produzieren, die zu sterben wissen, um die symbolische Ordnung wiederherzustellen." Das Thema Ökologie hat der Nominierte zum Ausgangspunkt seiner Arbeit genommen. Indem er die Funktion eines banalen Gegenstandes auf spielerische Weise umkehrt, entsteht ein neuartiges und selbstkritisches Szenario, ohne dass die Objekte zwischen funktional und spielerisch polarisieren.

Bei "Zaunhecke" handle es sich um ein innovatives, cleveres Konzept, das, falls funktional problemlos umsetzbar, den entsprechenden Markt erfolgreich bedienen könnte, ist die Jury des Lucky Strike Junior Designer Award überzeugt.
'Entspannen im Zug'
Emanuel Brunner, Industriedesigner (FHA Aargau), versucht mit der Konzeption eines ICs, das Bedürfnis des Menschen nach Wellness und Ruhe zu befriedigen. Sein Raumkonzept reicht von künstlicher Lichtinszenierung, die von Stanley Kubricks Film "Odyssee im Weltraum" inspiriert ist, bis hin zu Touchscreens, die mittels einer Aussenkamera den Blick aus dem fahrenden Zug simulieren sollen. Sein Ziel besteht darin, physische Raumgrenzen des Zugabteils mittels visueller Eingriffe aufzulösen.

Die Aufgabenstellung sei sinnvoll, so die Jury hier. Viele Ideen der Arbeit könnten die Nutzung und damit die Attraktivität des Zugfahrens auf angenehme Weise verbessern.
'Objects to help Firemen'
Die Diplomarbeit "Objects to help Firemen" von Pascal Brun, visueller Gestalter (HGK Luzern), ist das Ergebnis einer Studie über die Arbeitsbedingungen der Schweizer Feuerwehrleute bei Bränden. Die Gegenstände wurden allesamt mit dem Ziel geschaffen, den Feuerwehrleuten bei ihren Einsätzen nützlich zu sein und ihre körperlichen Anstrengungen zu erleichtern.
Die Schlauchrolle "Easy weight" ist ein Mittelding zwischen Schlauchtragkorb und Tragetasche. Es ist ein im Rotationsverfahren gegossenes Plastikobjekt, das durch abgekantete und perforierte Aluminiumklappen geschlossen wird. "Sphere", eine Weiterentwicklung eines bereits bestehenden Objekts, besteht aus Spritzplastik und dient dazu, den Schlauch vor Abnützung und Löchern zu schützen.

"Sowohl die pragmatische Gestaltung der Gegenstände, die die Handlungsabläufe bei einem Feuerwehreinsatz in Details verbessern, als auch die attraktive Präsentation sind von hoher Qualität", lautet das Urteil der Jury.
'Pretty Hate Machine'
André Plattner, Designer in Visueller Kommunikation (Fotografie HGK Zürich), überrascht mit "Pretty Hate Machine", einer Serie aus Farbfotografien und Reisetagebüchern, mit ungewöhnlichen Detailszenen aus den USA: ein Verbrecher-Porträt auf dem Fernsehbildschirm, tote Tiere, kaputte Fensterscheiben, Worte wie Smile und US Army vor grauem Mauerstein. Weder Filmklassiker noch typische Ansichten, die sich mit Klischees assoziieren lassen. "Ich möchte sein wie sie: die Amerikaner. Stark. Rücksichtslos. Erfolgsorientiert. Kompromisslos. Sie haben Macht und leben den Traum, sind alles und nichts", so André Plattner im Vorwort zu seiner Arbeit.

"Plattner verbindet gesammelte Fotos zur Idendität Amerikas mit persönlichen Eindrücken. Die Kombination verleiht der Arbeit einen starken, eigenständigen Charakter", so der Kommentar der Jury.
'Self-Workshopping'
Self-Workshopping vom Industriedesigner Damien Regamey (ECAL Lausanne) ist eine Arbeitsmethode, die auf "short time frames" basiert. Im Zweiwochen-Rhythmus entsteht in Form von durchorganisierten Workshops ein Projekt oder sogar ein fertiges Objekt. Aus manchen Arbeiten werden industrial products, limitierte Serien oder Unikate gefertigt. Die eingereichten Arbeiten sind erste Prototypen, die in den nächsten Monaten in der endgültigen Form realisiert werden.
Die Themen kreisen um Bar, Eingang, Spiel, neue Wände, Elektrizität, Backpack und Büro. Der "entrance carpet" ist eine Fussmatte aus Kokosnussfaser und Wolle, der Schuhe putzt und Füsse wärmt. Und mit "skinny" kreiert Damien Regamey einen Backpack-Pullunder aus 3D Textil, in dem sich alles Mögliche verstauen lässt.

"Damien Regamey fügt Alltagsobjekten eine neue Dimension hinzu, indem er einerseits deren Gebrauch durch originelle Funktionen erleichtert, andererseits durch die zeitliche Eingrenzung der Herstellung den Produktions-Prozess selbst designt. Die Dokumentation ist inhaltlich gut und entspricht dem frischen Gesamtcharakter der Arbeit", lautet hier das Verdikt der Jury.
Die Nominierten inklusive Siegerin Sarah Infanger

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Die Jury

