Die Stände wurden abgebaut, ebenso wie der harassgrosse 3D-Drucker, der in diesem Jahr eine der meistbestaunten Attraktionen darstellte: Die siebte Ausgabe der Schweizer Marketingmesse Emex ist am Donnerstag zu Ende gegangen. Wie persoenlich.com berichtete, war das Berner Jungunternehmen 89grad ebenfalls mit einem Stand zugegen und sorgte mit seinem 3D-Drucker für Aufmerksamkeit. Mit dem Drucker, der dank seinem hölzernen Aussenrahmen wie ein Holzaquarium anmutet, können Kunststofffiguren aller Art hergestellt werden. Aus Sicht des Marketings ergeben sich hier neue Möglichkeiten, Werbegadgets und –goodies herzustellen.

Der 3D-Drucker ähnelt einem Holzkasten
Und so funktionierts: Die Objekte, die später gedruckt werden sollen, werden mit Hilfe eines futuristisch anmutenden Scanners und von einer speziellen Kamera mit strukturiertem Licht abgelichtet. Die daraus gewonnene Tiefeninformation wird mittels eines Computers als 3D-Modell übersetzt. Gedruckt, oder vielmehr geleimt wird das gewünschte Objekt in dem Holzkasten: "Plastik wird auf 200 Grad erhitzt, schmilzt, wird durch eine Düse gedrückt und Schicht für Schicht aufgetragen", beschreibt ein Informationsflyer das Prozedere.

Die Kunststofffäden, die erhitzt und durch eine Düse gedrückt werden.

Die Düse bewegt sich nach Angabe des angehängten Comupters.

Gescanntes Wunschobjekt mit entsprechender Tiefeninformation.
Vom Baukurs bis zur Weiterentwicklung
Die 3D-Drucker werden von einer holländischen Firma entwickelt, 89grad vertreibt sie, bietet den Käufern Baukurse an und hilft den Besitzern des neuartigen Spielzeugs beim Feinschliff. Der holländische Hersteller produziere bewusst kein fertiges Produkt, damit die Abnehmer an dem Kasten selber mittüfteln können und ihn weiterentwickeln, erklärt Ramun Berger, Geschäftsführer von 89grad auf Anfrage.
Mit dem Druck von 3D-Objekten hat das Startup vor drei Jahren begonnen. Seit etwa einem Jahr ist die neue Drucktechnologie laut Berger stark in den Medien vertreten. "Es ist ein Thema, das seit den 80er Jahren existiert, was jetzt jedoch neu ist, ist die Druckkiste die heute für weniger als 2'000 Franken erhältlich ist und von jedermann zu Hause installiert werden kann."
Keine aufwändigen Basteleien mehr
Zum Kundenstamm gehören bisher Private, die von sich eine Büste herstellen lassen wollen, um sie zu verschenken, oder als Accessoire für zu Hause verwenden. Des Weiteren interessieren sich auch kleinere und mittlere Unternehmen und insbesondere auch solche im Event-Bereich für die Modelle, die in der 3D-Form gedruckt werden. Letztere hätten bereits einiges an Bastelerfahrung aufzuweisen, mit der 3D-Figurentechnik sei jedoch eine neuartige Methode hinzugekommen, um kleine Gegenstände herzustellen.

Von der Büste...

...bis zum Yoda kann (fast) jeder Gegenstand hergestellt werden.
Berger setzt den 3D-Drucker privat ein, wenn er zum Beispiel einen Gegenstand für den Alltag brauche, den er bei Ikea erwerben könnte und es dann vorziehe, das selber "rasch" herzustellen, statt 30 Minuten Weg auf sich zu nehmen. Zu diesen Objekten gehören beispielsweise Becher, Flaschenöffner oder aber auch Vorder- und Rückseite der typischen Schweizer Sackmesser.
Objekte zum Eigengebrauch
Markenrechtliche oder patentrechtliche Probleme sollten dabei nicht auftreten, vorausgesetzt, dass die Objekte nur zum Eigengebrauch hergestellt und verwendet werden und nicht unter dem Namen der "Ursprungsfirma" vertrieben werden. Wenn Berger also ein Sackmesser nach Victorinox-Manier herstellt und dieses mit einem Schweizer-Wappen versieht, wird er kaum dafür gerügt – immerhin habe Victorinox das Schweizer Kreuz ja nicht für sich gepachtet, wie Berger gegenüber persoenlich.com sagt.
Mehrfarbigkeit als nächster Schritt
Auf die Frage, wie sich der 3D-Druck weiterentwickeln werde, meint Berger: "Was als nächstes kommen wird, ist die Mehrfarbigkeit. Es wird möglich sein, in mindestens zwei verschiedenen Materialien zu drucken. Später wird sicherlich eine Vergrösserung des Bauraums hinzukommen. Zudem ist eine Steigerung der Zuverlässigkeit nötig." Es passiere denn heute noch oft, dass jemand kurz nach dem Erwerb eines Druckers anrufe und sage, dass es nicht funktioniere.
Text und Bilder: Lea Friberg

