Seit beinahe einem Jahrzehnt versucht der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart, dem Internet-Händler Amazon Marktanteile im Online-Shopping abzujagen - bisher weitgehend erfolglos. Doch nun glaubt der Retailer, die Achillesferse des Web-Marktführers entdeckt zu haben. Wal-Mart ortet Amazons größte Schwäche in Zustellgebühren und langen Lieferzeiten. Die Supermarktkette fischt nun verstärkt in Amazons Gewässern und will Online-Shopper künftig mit Gratis-Zustellung locken. Allerdings plant der Konzern keine Hauszustellung. Kunden sollen gekaufte Ware in neuen Drive-ins der nächstgelegenen Wal-Mart-Filialen abholen.
Eigenen Angaben zufolge werden rund 40 Prozent der Online-Bestellungen bei Wal-Mart im diesjährigen Weihnachtsgeschäft im stationären Handel zugestellt. "Es gab eine Zeit, als zwischen Online- und Offline-Geschäft ein Unterschied gesehen wurde", wird CEO Raul Vasquez vom Wall Street Journal zitiert. Nun sei man sich des physischen Vorteils der Tausenden Wal-Mart-Filialen bewusst geworden. Diesen Vorteil wolle man nutzen, um im Internet-Handel die Nummer eins zu werden.
Bereits im laufenden Weihnachtsgeschäft hat der Retail-Weltmarktführer damit begonnen, das Drive-in-Konzept von Fast-Food-Ketten zu kopieren und in Geschäftsstellen im Randgebiet Chicagos zu testen. Mit Online-Verkäufen im Wert von nur 1,7 Mrd. Dollar im gesamten Vorjahr hinkt Wal-Mart dem Amazon-Absatz von über 19 Mrd. Dollar jedoch noch deutlich hinterher. Zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts wurde zwischen den beiden Konkurrenten nunmehr die nächste Runde der Online-Preisschlacht eingeläutet. (pte)

