21.06.2007

Promarca

Warnung vor Konzentration im Detailhandel

Sondervorschriften müssen weg.

Promarca, der Schweizerische Markenartikelverband, hat am Donnerstag an einer Medienkonferenz Zahlen zur Innovationskraft und Wertschöpfung der Markenartikel vorgelegt und auf deren volkswirtschaftliche Bedeutung hingewiesen sowie vor einer verstärkten Konzentration im Detailhandel gewarnt.

Ein von Promarca in Auftrag gegebenes Gutachten der Düsseldorfer Deekling Arndt Advisors zeigt zudem auf, dass die sogenannte Hochpreisinsel Schweiz nicht durch die Markenproduzenten verursacht wird, sondern durch spezifisch schweizerische Regulierungen und Vorschriften und weitere Standortfaktoren.

Promarca fordert deshalb von Parlament und Bundesrat die Abschaffung der preistreibenden direkten und indirekten Handelsbarrieren. Der Verband will in Zukunft die Marktdominanz der Vertriebskanäle aufmerksamer verfolgen und die Öffentlichkeit besser über die Vorteile und den Mehrwert der Markenprodukte für den Konsumenten und die Volkswirtschaft informieren.

Volkswirtschaft leidet unter Preiskampf

Das Gutachten, das Promarca in Deutschland erstellen liess, zeigt auf, dass Markenprodukte wichtige Umsatztreiber für den Detailhandel darstellen, dass sie innovative Impulse auslösen und von Eigenmarken denn auch kopiert werden. Zudem sei die Schweiz -- kaufkraftbereinigt und im Vergleich zu ähnlich erfolgreichen Volkswirtschaften wie denen von Dänemark oder Norwegen -- durchaus auf einem vergleichbaren Preisniveau bei Markenartikeln.

Länder mit einem hohen Wohlstand zeichnen sich tendenziell durch ein höheres Preisniveau aus, hätten dafür aber auch tiefe Erwerbslosenquoten. Das volkswirtschaftlich unsinnige Preisdumping habe in Deutschland zu einem massiven Personalabbau im Detailhandel geführt. Die "Geiz ist Geil"-Mentalität führte laut Gutachten in Deutschland zu Margeneinbrüchen und zwischen 2000 und 2005 zu einem Abbau von rund 180'000 Vollzeitstellen allein im Detailhandel.

"Eine nationale Volkswirtschaft leidet ganz eindeutig unter einem unsinnigen Preiskampf. Folgen sind weniger Wohlstand für alle, geringere Wertschöpfung und Reduktion der Beschäftigung", erklärte Olaf Arndt von Deekeling Arndt Advisors, der das Promarca-Gutachten erstellt hat, die entsprechenden Erfahrungen in Deutschland.

Höhere Preise in der Schweiz politisch gewollt

Arndt wies darauf hin, dass die teilweise höheren Preise für gewisse Güter in der Schweiz klar politisch gewollt seien. 50 Prozent der Preisunterschiede seien, wie auch eine Seco-Studie ausführt, staatlich administriert. Umwelt- und gesundheitspolitische Regulierungen wie Phosphatverbote, von der EU abweichende Bestimmungen über Zusatzstoffe und Höchstwerte, Qualitätsauflagen wie Deklarationsvorschriften für Herkunft, Produktion, gentechnisch veränderte Organismen usw. führen zu deutlich höheren Gestehungskosten.

Deutlich höhere Werbekosten und die Notwendigkeit spezifischer Produktverpackungen mit mindestens zweisprachiger Beschriftung extra für die Schweiz führen ebenfalls zu höheren Gestehungskosten. Die Vorteile von Importen bzw. das Cassis de Dijon-Prinzip werden dadurch verunmöglicht. Die höheren Löhne in der Schweiz fallen dagegen eher marginal ins Gewicht. Die geringere Wettbewerbsintensität mit -- im Vergleich zu ausländischen Wettbewerbern -- klar höheren Bruttomargen der Grossverteiler tragen jedoch ebenfalls zu den höheren Endverkaufspreisen bei.

Akzent soll auf Wettbewerbsfähigeit der Schweiz gesetzt werden

Promarca-Präsident Alexander Jost zog daraus die Folgerung, dass es nicht die Markenunternehmen seien, die für die in der Schweiz höheren Preise verantwortlich sind und forderte Politik und Bundesrat auf, den Akzent vermehrt auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zu setzen. "In diesem Sinne befürworten wir auch die Einführung des Cassis de Dijon-Prinzips aber mit gleich langen Spiessen, auch für unsere Produzenten in der Schweiz. Solange aber auf den schweizerischen Ausnahmen für Sicherheit, Gesundheit und Ökologie beharrt wird, werden weder die Preise sinken noch werden die Hersteller in der Schweiz mit ihren ausländischen Konkurrenten Schritt halten können.“


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