30.01.2019

GfM

Was wir von chinesischen Start-ups lernen können

Baidu, Tencent, Xiaomi oder Alibaba – alles chinesische Kopien von westlichen Erfolgskonzepten? Mit diesem Irrglauben räumte Mark Greeven, Professor für Innovation und Entrepreneurship an der Universität Hanghzou, in Zürich auf. Er rief dazu auf: «Kopiert China.»
GfM: Was wir von chinesischen Start-ups lernen können
Erklärt das «Ecosystem Alibaba»: Mark Greeven, Professor für Innovation und Entrepreneurship in China und Dozent an der IMD Business School. (Bild: persoenlich.com)
von Michèle Widmer

Auf Einladung der Gesellschaft für Marketing (GfM) referierte Mark Greeven, Professor für Innovation und Entrepreneurship an der Zhejiang Universität in Hangzhou, am Dienstagmittag im Kosmos in Zürich. Was ist das Erfolgsrezept von Start-ups und gestandenen Unternehmen in China? Und was können wir in der Schweiz von ihnen lernen? Diese Fragen versuchte der Holländer, der seit 13 Jahren in China lebt und seit kurzem an der IMD Business School in Lausanne unterrichtet, den Zuhörerinnen und Zuhörern zu beantworten.

Eine Frau auf einem Segway in einem Fast-Food-Laden, ein Mann mit VR-Brille im Flugzeug und ein kleines Mädchen, das mit seiner Uhr Süssigkeiten bezahlt. Mit diesen drei Bildern startete Greeven ins Referat. «In allen drei Situationen wäre ich in Amsterdam komisch angeschaut worden. Doch in China fällt man so nicht auf», sagte der Autor des Buches «Business Ecosystems in China» im Kosmos. Dies zeige auf, wie schnell sich die Chinesen auf neue Technologien einlassen und diese für sich nutzen würden.

In China ist der Kunde König. Die Unternehmen dort orientieren sich laut Greeven sehr stark an den Interessen der Konsumenten. Als Beispiel hierzu nannte er das Suchmaschinenunternehmen Baidu, welches 2014 mit Sensoren ausgestattete Essstäbchen auf den Markt brachte. Die smarten Chopsticks waren zu Beginn als 1.-April-Aktion gedacht. Als dann aber rund 300’000 Anfragen dazu eingingen, wo man das Produkt kaufen könne, brachte Baidu das Produkt zwei Monate später auf den Markt.

Der Erfolg des Produkts hielt sich laut Greeven in Grenzen. Doch Baidu zog das Experiment noch weiter und lancierte eine Plattform, auf der man ähnliche Produkte finden konnte. Und genau dies sei es, was den «chinesischen Mindset», wie es der Professor nennt, ausmache. Damit sei Baidu in China keine Ausnahme. Etliche Firmen würden ihre Produkte auf diese Weise neu lancieren.

Ecosysteme keine Unternehmen

Als nächstes kam Greeven, der auf der Thinkers50-Liste «Next Generation Business Gurus» steht, auf das  «Ecosystem Alibaba» zu sprechen. Alibaba sei viel mehr als ein Unternehmen, sagte er und zeigte dabei auf eine Visualisierung mit allen Brands, die zur Gruppe gehören (Bild ganz oben).

Und anhand des Beispiels des chinesischen Versicherungskonzern Ping An führte er aus, wie wichtig die firmeninternen digitalen Fähigkeiten sind. In den vergangenen zehn Jahren habe das Unternehmen über sieben Milliarden Dollar dafür investiert, 500 Big-Data-Experten seien angestellt und sechs Technologie- und Forschungszentren aufgebaut worden. Es gehe darum, mit welcher Strategie sich ein Unternehmen über die Jahre hinweg aufgebaut habe. «Da steckt ein starkes Commitment dahinter», sagte er. Hier würden Unternehmen, die erst jetzt auf den digitalen Zug aufspringen, deutlich hinterherhinken.

Schliesslich versuchte Greeven eine Erklärung dazu zu liefern, weshalb chinesische Unternehmen sich so schnell entwickeln. «In China verändert sich alles so rasant – die Kundenbedürfnisse, die technischen Möglichkeiten oder die Konkurrenz auf den Märkten. Unternehmen haben keine andere Chance, als stets nach vorne zu schauen. Sonst sind sie weg.» Mit Blick darauf lohnt es sich für europäische Unternehmen mit Sicherheit, einen Blick nach China zu werfen. Oder wie es Greeven zum Abschluss sagte: «Es ist Zeit, China zu kopieren».



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