10.07.2017

Influencer Marketing

Weshalb der Influencer-Hype übertrieben ist

Werber Frank Bodin kritisiert, soziale Medien wie Instagram würden eher Gleichförmigkeit als Neues fördern.
Influencer Marketing: Weshalb der Influencer-Hype übertrieben ist
«Mein Geschäft mit den Modelabels floriert enorm», sagt Xenia Tchoumitcheva gegenüber der «Schweiz am Wochenende». (Bild: Instagram-Account Xenia Tchoumitcheva)

«2016 erlebte das Influencer Marketing seinen grossen Hype», erklärte Tanja Mehler, Marketing Manager Europa Lifestyle Brands bei Olympus in Hamburg, im Interview mit persoenlich.com Anfang dieses Jahres. Viele Unternehmen würden mittlerweile einen grossen Teil ihres Mediabudgets in Influencer Marketing investieren. Werber Frank Bodin und Trendforscherin Lidewij Edelkoort halten jedoch wenig vom Trend von Influencern wie beispielsweise Xenia Tchoumitcheva auf Instagram, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet.

Bodin: «Kreativität entsteht anderswo»

«Die meisten der sogenannten Influencer auf Instagram im Mode- und Beautybereich sind eher als Multiplikatoren zu betrachten, die am Puls der Trends sind und diese weiterverbreiten», wird Bodin in der Zeitung zitiert. Da würden sich entsprechend viele Stereotype und viel Hohleit tummeln. «Die Kreativität und die eigentlichen Trends entstehen anderswo», ergänzt der Werber des Jahres 2009. Zu beachten sei, dass viele der vermeintlichen Influencer von den eigentlichen Influencer im Hintergrund wie unter anderem den Marken oder Agenturen beeinflusst würden, die ihre Produkte für gutes Geld zur Verfügung stellen würden.

Gemäss Bodin würden soziale Medien wie Instagram eher Gleichförmigkeit als Neues fördern. Ein Diskurs würde nicht wirklich stattfinden, weil es ja eigentlich um Zustimmung gehe mit «Herzli» oder Daumen hoch und allenfalls den einen oder anderen Gefühlszustand. Ablehnung hingegen komme nicht vor, «ausser in Kommentaren, die aber auf einem von Bildern dominierten Medium wie Instagram eine Nebenrolle spielen», sagt der «Havas Schweiz»-CEO in der «Schweiz am Wochenende» weiter. 

Edelkoort: «Hype total übertrieben»

Die niederländische Trendforscherin Lidewij Edelkoort stuft den Hype ebenfalls als «total übertrieben» ein. «Die Influencer in den sozialen Netzwerken sind nicht so wichtig für die Trendentstehung, wie alle annehmen», so die 67-Jährige gegenüber der Zeitung. «Wenn sie kreative Ideen hätten, dann vielleicht. Aber sie ziehen meistens nur das an, was sie von ihren Stylisten bekommen, und das ist nichts Neues.» Jeder würde heute nur noch auf Instagram schauen und das für die absolute Wahrheit halten, deshalb sehe auch alles gelichförmig aus. «Die wahre Avantgarde hat sich längst wieder von dieser Plattform abgewendet», so Edelkoort weiter.

«Mein Geschäft mit den Modelabels floriert enorm», sagt Xenia Tchoumitcheva auf Anfrage der Zeitung. «Und wenn ich selber Produkte lancieren würde, dann würde ich diese bestimmt nicht in den Printmedien bewerben, sondern voll auf die Social-Media-Kanäle setzen», ergänzt sie. Tchoumitcheva hat momentan 1,2 Millionen Follower auf Instagram. (pd/tim)


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KOMMENTARE

Noé Tondeur
10.07.2017 19:08 Uhr
Man darf den Kritikpunkt durchaus schon mal verinnerlichen, inwiefern beim Liken und bei den mikrosekunden-schnellen Äusserungen alternativer Gemütszustände wirklich eine längerfristig, wertvolle Beziehung aufgebaut werden kann. Allerdings ist es eine starke, sich auch entwickelnde Kommunikations-Realität geworden und geradezu prädestiniert für Viralität, vor allem wenn noch "Teilen-Mechanismen" bei den entsprechenden Nutzergruppen damit verbunden sind. Wir müssen viel mehr über die Motivationen in der Kommunikation nachdenken. Und ich glaube, dann sind wir schon ganz Nahe bei der Kreativität.
Josy Steiner
10.07.2017 09:10 Uhr
Eine bald 70jährige und ein Alt-Werber erklären Influencer für overrated. No offense, aber... echt jetzt? Vielleicht muss man den beiden "Experten" vorher kurz erklären, dass Influencer die gleiche Rolle spielen wie die gute alte Plakatwand. Sie verbreiten Botschaften und sorgen für Reichweite, darum heissen sie "influencer" und nicht "style-erfinder".
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