Herr Becker, gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Daniel Dessauges führen Sie das Zürcher Startup-Unternehmen zkipster. Was verbirgt sich hinter diesem seltsamen Namen?
An vielen Veranstaltungen stehen immer noch Papiergästelisten im Einsatz. Damit dein Einlass zu managen ist umständlich. zkipster eliminiert diese alten Papiertiger. Wir bieten eine Gästelisten-App für professionelle Veranstalter. Hinter der App steht eine verschlüsselte Platform, einfach bedienbar, online und offline verfügbar. Der Name zkipster gründet auf dem englischen Ausdruck "skip the line" - oder salopp gesagt: Nicht in der Schlange versauern.
Erster Anwender Ihrer Software war fünf Jahren das Zürcher Kaufleuten. Dennoch scheiterte in der Folge die Etablierung im Zürcher Nachtleben. Wieso konnte sich das Produkt nicht durchsetzen?
Beim Wort Gästeliste denken alle zuerst an Clubs und Ausgang. So war das auch bei uns. Mein Geschäftspartner Daniel Dessauges und ich haben zkipster erfunden, weil wir selber Club-Events organisiert haben. Das Problem: die Clubs wollten neben der Gästeliste auch eine Anbindung ans Kassensystem, ein Webseiten-CMS und eine Social Media Platform. Sie wollten gleich alles digitalisieren. Dafür gabs andere spezialisierte Anbieten, denen wir gerne den Vorrang gelassen haben.
Wen wollen Sie genau ansprechen?
Wir wussten, es gibt einen Markt für eine reine Guest List App. Wir fanden ihn aber erst, als wir in New York mit PR Agenturen das Gespräch aufnahmen. Da bemerkten wir: Es gibt in unzähligen Industrien hochprofessionelle Events, bei denen keine Tickets ausgegeben werden. Es sind geschlossene Events. "Invite only" sagen die Amerikaner. Fashion Shows, Laden-Eröffnungen, Wohltätigkeits-Galas. Wir sprechen die Veranstalter dieser Events an.

Heute sind Sie mit ihrem Unternehmen in New York, in London, in Hongkong und in São Paulo stationiert, erzielen 70 Prozent des Umsatzes in den USA. Wieso ist Ihr Produkt dort gefragter? Oder anders gefragt: Wann begannen sich die Türen zu öffnen?
Die Amerikaner haben weniger Berührungsängste gegenüber neuer Technologie. Deshalb ist das Silicon Valley in Kalifornien und Google und Apple sind die grössten Firmen der Welt. Wir haben viele Klinken geputzt, bevor der erste Dollar reinkam. Die Türen haben sich in New York dann für uns geöffnet, als wir die ersten grossen Kunden wie das Whitney Museum hatten, die in unser Produkt vertrauten und begannen, es weiterzuempfehlen.
Welches war der Schlüsselmoment?
Die schönsten Momente sind dann, wenn uns Kunden sagen, dass zkipster ihr Leben als Eventveranstalter verändert hat. Wir hören es immer wieder: an den Events selber, in Kunden-Meetings, via Email, Telefon oder Twitter. Egal ob die Veranstalter in der Mode-Branche, in einem Medienkonzern, einer Botschaft oder für einen Sportklub arbeiten.
Noch befindet sich das Unternehmen nicht in der Gewinnzone. Die Aufbauphase dauert an. Woran fehlt es noch? Mangelnder Bekanntheitsgrad oder Konkurrenzsituation?
Kein Unternehmen bewegt sich sofort in der Gewinnzone. Wir mussten zuerst unseren Markt finden und einen Teil unserer Operations in die USA verlegen. Wir haben mittlerweile Konkurrenz und arbeiten an unserem Bekanntheitsgrad. Im Februar hat die "New York Times" über uns geschrieben, das hat unseren Brand enorm gestärkt.
Sie waren früher in den Medien tätig, haben unter anderem bei Ringier und beim SRF gearbeitet. Jetzt sind sie mit zkipster in der Privatwirtschaft tätig, müssen sich mit einem Startup im harten US-Markt durchsetzen. Das grösste Learning?
Das grosse Learning ist, dass die gleichen Qualitäten zählen wie vorher: Qualität, Präzision, Zuverlässigkeit, Verantwortlichkeit. Die Kultur in den USA ist anders, schneller. Als Schweizer kann man hier Punkten. Mit den Tugenden, die wir in uns haben.
Sie fokussieren sich mit zkipster auf den Check-In bei Events. Sie sagen, dass diese Fokussierung den Erfolg bringe. Dennoch soll die Software weiter ausgebaut werden. In welche Richtungen?
Fokus ist entscheidend. Wir konzentrieren uns auf den Check-in. Wir wissen aber auch, dass es sich die Welt schnell dreht und unsere Kunden neue Ansprüche an uns stellen. Wir haben ein Bilder-Sourcing-Komponente eingebaut und zuletzt mit Brother eine Drucker-Integration lanciert. Nun können unsere User Namensschilder direkt via Gästeliste ausdrucken.
Wer könnte zkipster in Zukunft nutzen – mal abgesehen von den Eventagenturen?
In Zukunft werden Event-Journalisten und Fotografen von unserer Bilder-Komponente "zFace" profitieren. Veranstalter werden ausgewählte Gäste und deren Bilder via App auf die Mobiltelefone der anwesenden Medienvertreter spielen. Es hilft natürlich enorm, wenn man weiss, wer kommt, wer schon hier ist und wer noch kommen soll. Wir bauen aktuell die entsprechenden Zugänge.
Was steht als nächstes an?
Das Filmfestival in Cannes! Event Check-In und zkipster erscheinen vor allem dort auf der Weltkarte, wo die grossen Events stattfinden. Wir haben einige grosse Kunden aus New York und Hollywood, die an der Côte d’Azur den Roten Teppich ausrollen. Ein weiteres Highlight für unser kleines Startup-Unternehmen.
Fragen: Adrian Schräder/Bilder: zkipster
David Becker (34, rechts im Bild) und Daniel Dessauges (29, links im Bild) haben mit zkipster ein Startup ins Leben gerufen, das eine Gästelisten-App für professionelle Event-Veranstalter anbietet. Kunden kreieren ein Konto und laden ihre Gästeliste hoch, am Event selber greifen sie via App auf die Daten zu und managen den Check-In-Prozess.

