22.12.2005

Peter Schmid

"Wir geben in der Schweiz sehr viel Geld aus"

Mit dem Sponsoring von Alinghi bewies die UBS ein glückliches Händchen. Den Erfolg des Schweizer Segelteams verwertete die Grossbank für eine weltweite Kampagne. Als nationale Trägerin der Euro 2008 unterstützt die Grossbank nun auch einen der grössten Profifussball-Anlässe. Wie passt dieses Engagement in die Strategie der Grossbank? Im Interview mit "persoenlich.com" sagt Peter Schmid, Global Head Marketing & Sales Development bei der UBS, wie es zum Deal mit der Uefa kam und welche Kampagnen geplant sind .
Peter Schmid: "Wir geben in der Schweiz sehr viel Geld aus"

Die UBS war zuerst gar nicht für an einem Sponsoring der EURO interessiert, hat sich dann aber ziemlich kurzfristig doch noch für die Supporterschaft entschieden. Weshalb?

Man kann nicht sagen, dass wir nicht interessiert waren, es war lange Zeit einfach kein Thema. Nachdem die Uefa auf uns zugekommen ist, haben wir uns entschieden, das Angebot zu prüfen. Da wir es attraktiv fanden, signalisierten wir der Uefa in der Folge unser Interesse. Dass wir schliesslich den Zuschlag erhielten, freut uns natürlich.

Inwiefern spielte auch die Rivalität zur Crédit Suisse mit, die sich bekanntlich für das Sponsoring bei der EURO 2008 interessierte und auch schon für deren Durchführung in der Schweiz lobbyierte?

Die Pläne der CS spielten bei unseren Überlegungen keine Rolle. Wir fällen alle Entscheidungen ausschliesslich nach unseren eigenen Kriterien. Für die CS möchte ich nicht sprechen.

Welches sind die Kriterien, von denen Sie sprechen?

Wir prüfen, welche Wirkungen das Sponsoring auf unsere Marke, unsere Geschäfte und unsere Mitarbeiter hat. Im Falle der EURO 2008 kamen wir zum Schluss, dass Kosten und Nutzen in einem attraktiven Verhältnis zu einander stehen. Allein deshalb haben wir der Uefa zugesagt.

Sie nennen lediglich rationale Kriterien. Doch entscheiden nicht auch die Präferenzen der Spitzenkader darüber, welche Vorhaben unterstützt werden?

Nein, persönliche Vorlieben haben bei UBS keinen Einfluss -- und schon gar nicht im Falle der EURO 2008. Der Vorschlag für ein Engagement kam ja von den Fachspezialisten. Dieser wurde dann auf Geschäftsleitungsebene unterstützt.

Was machte denn das Angebot der Uefa für die UBS so attraktiv?

Das Engagement an der EURO 2008 -- weltweit der drittgrösste Anlass überhaupt -- ist für die UBS als führende Grossbank in der Schweiz nichts weiter als die Fortsetzung ihrer bisherigen Sponsoring-Aktivitäten. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Grossanlässe unterstützt. Ich erinnere an die Expo, ebenso die Olympia-Kandidatur Sion 2002 und 2006. Wäre die Olympiade in die Schweiz gekommen, hätten wir uns bemüht Sponsor zu werden.

Die UBS tritt zum ersten Mal als Sponsor eines Profifussball-Anlasses auf. Sind weitere Engagements in dieser Richtung geplant?

Die EURO 2008 ist für uns in erster Linie ein Schweizer Projekt. Die UBS ist mit der Schweiz eng verbunden und bestreitet hier einen ansehnlichen Teil ihrer Geschäfte. Zugleich sind wir auch eine globale Firma. Die EURO 2008 reflektiert dieses Wechselverhältnis: Sie hat einen lokalen Bezug und ist trotzdem gesamteuropäisch angesiedelt. Wir fanden, dass dies hervorragend zu uns passt -- wohl wissend, dass wir kaum Ambitionen hegen, andere Vorhaben, die den Fussball betreffen, zu unterstützen.

Die Schweizer Fussball-Clubs plagen chronische Geldprobleme. Scheut sich die UBS aufgrund von Risikoabwägungen davor, in den nationalen Fussball einzusteigen?

Wir haben eine andere, weltweit gültige Sponsoringstrategie, und die umfasst Alinghi, Golf und klassische Musik. Dazu kommt, dass wir Topevents wie den Spenglercup in Davos und Weltklasse Zürich unterstützen. Selbstverständlich gäbe es auch viele andere mögliche Sponsoringaktivitäten, die für uns von Interesse wären. Die Konzentration auf einige wenige Engagements hat nichts mit Egoismus zu tun. Wir geben in der Schweiz mit verschiedenen Aktivitäten sehr viel Geld aus.

Das Engagement umfasst eine Menge Freikarten, zugleich darf die UBS mit der EURO 2008 werben. Wie wichtig ist der Anspruch auf die Karten? Geht es Ihnen in erster Linie darum, Kunden und Mitarbeiter mit Freikarten an sich zu binden?

Die Karten sind sicherlich wichtig und wir wollen diese für Kunden im In- und Ausland einsetzen. Für uns bieten Sie auch die Gelegenheit, der Schweiz etwas zurückzugeben. Das können wir über Wettbewerbe unter unseren Key-Club-Mitgliedern erreichen, ebenso bei unseren Kartennutzern oder unseren Medienpartnern. Welche bessere Plattform als die EURO 2008 könnte es da für uns geben?

Wieviele Karten erhält die UBS?

Wir haben mit der Uefa vereinbart, dass wir Vertragsdetails nicht kommunizieren. Man weiss aber, dass die Karten stark limitiert sein werden und dass die Sponsoren ein gewisses Kontingent erhalten.

Mit Alinghi hat die UBS eine weltweite Kampagne gestartet. Werden Sie auch mit der EURO 2008 europaweit werben?

Wir sind nationaler Partner der EURO 2008. Es ist deshalb geplant, die Kampagne schwergewichtig in der Schweiz zu zeigen. Wir besitzen aber die Möglichkeit, Kunden und Freunde des Unternehmens aus aller Welt einzuladen. Damit werden diese auch in der Schweiz auf die Kampagne aufmerksam werden.

Welches Engagement ist der UBS mehr wert: Jenes für Alinghi, oder für die EURO 2008?

Wieviel uns das Engagement bei Alinghi wert ist, stand in den Medien (Anm. d. Red. 20 Millionen Euros). Das Paket als nationaler Partner der EURO 2008 ist kleiner. Zu sagen ist aber auch, dass es ein Fixpreis ist. Egal welche Bank aus dem In- oder Ausland, den Zuschlag erhalten hätte, der Preis wäre derselbe gewesen.


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