19.09.2008

"Wir pflegen mit allen Verlegern, die in Osteuropa tätig sind, Kontakt"

Vermarkter Goldbach Media treibt die Expansion in Osteuropa stark voran. Für 35 Millionen Euro will das Unternehmen die in Deutschland kodierte Arbomedia, ein führender Onlinevermarkter im Osten, voll und ganz übernehmen. Ein Grossteil des Umsatzes erwirtschaftet Arbonmedia allerdings im Printbereich und im Werbeverkauf für öffentlichrechtliche Fernsehanstalten. Goldbach Media CEO Klaus Kappeler erläutert seine Expansionspläne. Das Interview:
"Wir pflegen mit allen Verlegern, die in Osteuropa tätig sind, Kontakt"

Herr Kappeler, Goldbach Media treibt die Expansion in Osteuropa stark voran. Sind in nächster Zeit noch andere Übernahmen zu erwarten?

Goldbach Media will möglichst schnell den gesamten osteuropäischen Raum erschliessen und Vermarktungsleader für digitale, interaktive und mobile Anwendungen werden. In einem zweiten Schritt planen wir das Schweizer Modell zu duplizieren und auch im Bereich der elektronischen Offline-Medien aktiv zu werden. Daraus erwarten wir Skaleneffekte und neues Geschäft, vor allem auch für die pan-osteuropäische Online-Werbung.

Goldbach Media ist in den Ländern Polen, Tschechien und Rumänien aber auch in Kroatien und Slowenien nun stark positioniert. Sie sprachen einmal von zehn Ländern, die Sie online erschliessen wollen. Welche Länder sind noch im Fokus von Goldbach Media?

Ich kann Ihnen dazu noch nichts konkretes sagen. Wir wollen aber weitere osteuropäische Märkte, in denn die Goldbach Gruppe noch nicht präsent ist, organisch und bei sich bietender Gelegenheit auch akquisitorisch zügig erschliessen.

Ein Grossteil des Arbomedia-Umsatzes wird unter anderem im Printbereich erwirtschaftet. Wollen Sie diese Anteile verkaufen?

Für die nicht zur fokussierten Strategie von Goldbach Media passenden Unternehmensteile, wie reden hier von Print und Staatsfernsehen, werden wir möglichst rasch, spätestens aber innert 24 Monaten, profitable oder zumindest kostenneutrale Lösungen mit Partnern finden.

Ringier ist im Osten ein erfolgreicher Verlag. Gibt es da bereits Verflechtungen? Immerhin hat man bei Goldbach Media mit dem ehemaligen Ringier-Manager Thomas Landolt ein strategisches Zeichen gesetzt.

Wir pflegen mit allen Verlegern, die in Osteuropa tätig sind, Kontakt.

Inwiefern erachten Sie eine 100 Prozent Übernahme von Arbonmedia als guten Schachzug im Osten?

Die Arbomedia hat in ihren drei Kernmärkten Polen, Tschechien und Rumänien eine führende Marktstellung und gliedert sich in die Osteuropa-Strategie der Goldbach Media ideal ein.

Zum Markt Osteuropa: Wie sehen Sie die Entwicklung im elektronischen Bereich für die nächsten Jahre? Der Osten gilt unter Experten als unberechenbar.

Alle Studien weisen dieselben Trends aus: Verschiebung der Werbeausgaben von Print in die elektronischen Medien, markantes Wachstum der Online-Werbung und grosser Nachholbedarf der osteuropäischen Werbemärkte in den kommenden Jahren bei hoher technologischer Infrastruktur. Und: Im Umfeld der heutigen wirtschaftlichen Situation sind alle Märkte unberechenbar.

Die Schweiz könnte man aufgrund der Onlineausgaben als Entwicklungsland bezeichnen. Warum investiert Goldbach so kräftig im Osten und konzentriert sich nicht auf die Entwicklung des Heimmarktes?

In der Schweiz wird ausschliesslich die Display-Werbung erhoben. Und dies erst noch als Selbstdeklaration. Die Bereiche Search und Classified nicht. Dadurch wird ein Anteil an den Gesamtwerbeausgaben von knapp zwei Prozent ausgewiesen. Wir schätzen, dass der Anteil für alle drei Bereiche bei rund vier bis fünf Prozent liegen dürfte und sich somit die Schweiz im europäischen Mittelfeld bewegt. Den Heimmarkt pflegen wir seit der Gründung der Goldbach Media im Jahr 2001 und sind mit Abstand die Nummer eins.

Die Werbeeinnahmen gehen im zweiten Halbjahr deutlich zurück. Spürt auch Goldbach Media die Zurückhaltung der Werbekunden?

Die Abkühlung bekommen schlussendlich alle Medien zu spüren, vor allem aber Print. Die elektronischen Medien, vorab Online, legen auch dieses Jahr zu. Die Kunden stellen eben fest, dass die interaktiven und mobilen Medien durch das Performance-Markteting erfolgreich eingesetzt werden können.

(Interview per Mail: Christian Lüscher)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen