Herr Uherek, Sie haben Ihre Idee, Blogs mit bezahlten Inhalten zu vermarkten, in der SF-Sendung "Start up" präsentiert. Wie reagierten die Investoren auf Ihr Geschäftsmodell?
Wir kamen in der Sendung nicht unter die ersten zehn und konnten unser Geschäftsmodell der Investoren-Jury nicht vorstellen. Wir führen aber bereits seit Wochen Gespräche mit verschiedenen Investoren. Wie sind sehr zuversichtlich.
Welche Vorbehalte bestehen auf Seiten der Geldgeber?
Einer der Knackpunkte ist die Glaubwürdigkeit. Die "Start up"-Jury war der Auffassung, dass ein Weblog diese verlieren könnte, wenn bezahlte Inhalte publiziert werden. Diese Kritik bekommen wir auch immer wieder aus der Blogosphäre zu hören. Unsere Erfahrung beweist indessen das Gegenteil: Einzelne Blogger haben für uns bereits fünf Rezensionen geschrieben, ohne dass daraus ein Verlust der Glaubwürdigkeit resultierte. Viel eher passiert das Gegenteil: Dank der Bezahlung können die Blogger mehr Zeit fürs Schreiben investieren. Dies wirkt sich positiv auf die Qualität der Inhalte aus.
Reagieren die meisten Blogger ablehnend auf Ihr Unternehmen?
Wir polarisieren sehr stark. Auf der einen Seite gibt es Blogger, die Werbung aus ideologischen Gründen kategorisch ablehnen. Auf der anderen Seite haben einige Blogger schon seit Jahren Google-Werbung und andere kommerzielle Gefässe auf Ihrer Website. Sie wollen Geld verdienen, da sie ja auch viele Stunden in die Schreibarbeit investieren. Hier drängt sich eine Zusammenarbeit auf. Letztlich muss aber jeder Blogger selber entscheiden, ob er unseren Service in Anspruch nehmen will.
Ihnen wird nachgesagt, "unmoralische Angebote" zu unterbreiten.
Wir betonen stets, dass wir nur unter zwei Bedingungen arbeiten. Erstens: Wir pochen auf eine ganz klare Kennzeichnung vor dem Artikel. Wir halten nichts von Schleichwerbung. Und zweitens: Wir gewährleisten die redaktionelle Freiheit des Bloggers. Er kann unter den Rahmenbedingungen, die wir bieten, schreiben, was er will.
Fallen darunter auch negative Rezensionen?
Ja, klar. Wir bieten keine Publireportagen an, welche das Unternehmen verfasst. Unsere Testberichte werden von den Bloggern selber geschrieben. Das macht die Inhalte glaubwürdiger.
Werbeauftraggeber werden doch nicht für negative PR bezahlen.
Wir verkaufen keine Werbung allein. Unser Instrument ist neu und kombiniert Werbung, Marktforschung und PR. Sind Unternehmen bereit, Kritik anzunehmen, dann sind die Beiträge der Blogger, die ja die Rolle von Meinungsführern einnehmen, sehr wertvoll. Sie bietet dem Unternehmen die Chance, sein Produkt zu verbessern und den Bedürfnissen seiner Zielgruppe anzupassen.
Ist denn dieses Bewusstsein in der Wirtschaft bereits vorhanden?
Vor allem Unternehmen, die mit dem Web vertraut sind, arbeiten mit uns zusammen. Firmen, die klassische Produkte verkaufen und die Blogosphäre kaum kennen, haben da mehr Berührungsängste. Unsere Aufgabe besteht deshalb darin, das Bewusstsein zu schaffen, dass Marketing keine Einbahnstrasse mehr ist, sondern vielmehr auf einem Dialog zwischen Unternehmen und Konsument beruht.
Welche Kunden zählen Sie bereits zu Ihrem Stamm?
Es sind eher junge und web-affine Unternehmen. Wir entwickelten etwa gemeinsam mit dem Sockenhersteller Blacksocks eine Kampagne. Im gesamten deutschsprachigen Raum haben wir Weblog-Betreibern kostenlos Socken zugestellt. Die Blogger konnten die Socken testen und ihre Meinung in einem Bericht kundtun -- wofür sie einen festen Geldbetrag von uns erhalten. Andere Kunden sind Plazes.com sowie die deutsche Musik- und DVD-Tauschplattform Hitflip.de.
Wie viele Kunden und wie viele Blogger befinden sich in Ihrem Portfolio?
Wir erhalten derzeit von fünfzehn Kunden Aufträge, und gehen davon aus, dass wir in den kommenden Monaten stark zulegen können. Bei uns angemeldet haben sich 1500 Blogger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Davon stammen nur 15 Prozent aus der Schweiz.
Hierzulande finden Weblogs nur ein kleines Publikum. Lässt sich da Geld verdienen?
Ja, aber die Schweiz hat für uns bloss Testmarkt-Charakter, da die Verbreitung viel zu klein ist. Unser erster Fokus richtet sich deshalb vorerst auf Deutschland. Wir wollen mit unseren Kampagnen Schweizer Unternehmen dabei unterstützen, in Deutschland Fuss zu fassen. In einem späteren Schritt möchten wir auch in andere Länder expandieren.
Gibt es bereits Firmen im Ausland, die mit ähnlichen Geschäftsmodellen Erfolg haben?
In den USA gibt es zwei Vorreiter. Der Grösste arbeitet mit 15'000 angemeldeten Bloggern zusammen und zählt bereits 5'000 zahlende Kunden. Das Modell funktioniert also -- auch wenn es sich nicht 1:1 auf den deutschsprachigen Markt übertragen lässt. In Deutschland ist die Blogosphäre kleiner und auch sehr kritisch gegenüber Schleichwerbung eingestellt. Auf diese Haltung reagieren wir, indem die Auftragsarbeiten deutlich gekennzeichnet werden.

