ZenithOptimedia wird in der Schweiz die Führung auswechseln. Was ist eigentlich der Anlass?
Die beiden Managing Partners Andreas Gedenk und Dietmar Bemberg verlassen die Agentur nach 16 Jahren. Nicht weil es ihnen nicht mehr gefallen würde, sondern weil sich ihnen eine neue Chance bot, die sie packen wollten: Herr Gedenk wird an der Fachuniversität human systems leadership studieren, und Herr Bemberg übernimmt die Zürcher Vertretung von Harley Davidson.
Bisher wurde ZenithOptimedia vom Duo Bemberg/Gedenk geleitet, nun stehen Sie allein an der Spitze. Weshalb?
Die Idee dahinter: Wir stärken die einzelnen Agenturen - ZenithMedia, Optimedia und B,G, Media - mit je einem Agenturleiter, der auch entsprechende Kunden- und Budgetverantwortung erhält. Dies gibt mir den nötigen Freiraum, um mich auf die Belange des Konzerns und die Führung der Agenturen in der Schweiz zu konzentrieren.
Frauen sind eher multitasking-fähig als Männer, heisst es. Hängt die Reduktion auf eine Führungsperson auch damit zusammen?
Ich würde mich nicht trauen, das so direkt zu sagen (lacht), aber es stimmt, dass ich mich anders organisieren werde.
Wann erfolgt der Wechsel?
Herr Bemberg hat die Agentur Ende Mai verlassen, während Herr Gedenk noch bis Ende August bleibt.
Die beiden waren zu 25 Prozent an der Agentur beteiligt bleibt das so?
Nein, sie haben ihre Anteile bereits an die Publicis verkauft.
Wurde der Führungswechsel von den Herren Gedenk und Bemberg eingeleitet - oder von der Zentrale in London?
Entschieden wurde es von VivaKi Düsseldorf, wo man aber auf die Vorschläge der beiden hörte. Es standen zwar mehrere Personen zur Diskussion doch die interne Lösung mit mir entsprach dem Wunsch der Herren Bemberg und Gedenk. Ich musste mich aber selbstverständlich bei Vivaki bewerben.
Frauen an der Spitze grosser Medienagenturen sind in der Schweiz rar. Müssen Sie sich in der Branche Respekt verschaffen?
Ich sehe das geschlechtsunabhängig. In dieser Branche zählt letztlich Fairness, egal ob von einem Mann oder einer Frau. Wichtig sind auch Partnerschaften, die man sich mit den Medienanbietern und den Kunden aufgebaut hat.
Wie reagierten die Kunden auf den angekündigten Führungswechsel?
Wir erhielten durchwegs positive Rückmeldungen. Abgesprungen ist niemand. Weshalb auch, es gibt ja keinen Grund. Ein Wechsel bringt immer auch frischen Wind.
B,G, Media - bleibt dieser Agenturname bestehen?
Das ist noch völlig offen und hat keine Eile.
Erklären Sie bitte kurz die Unterschiede zwischen den drei Agenturen B,G, Media, Optimedia und ZenithMedia.
Sie unterscheiden sich primär in der Kundenstruktur. B,G, Media betreut vor allem nationale Schweizer Kunden, solche mit kleinen Budgets bis hin zu Grosskunden mit Millionen-Budgets. ZenithMedia und Optimedia fokussieren auf Netzwerkkunden, also internationale Kunden wie Nestlé, LOréal, Reckitt Benckiser oder Fielmann. Hier geht es sowohl um Kundenkontakte, wie auch um Kontakte mit unseren Netzwerkagenturen.
Sie waren vorher bei B,G, Media...
... und auch bei ZenithMedia. Ich betreute sowohl nationale als auch Netzwerk-Kunden.
Sie waren einst als Produktmanagerin auf Kundenseite tätig, arbeiteten in Kreativagenturen, bauten eine eigene Modelagentur auf und waren jetzt lange in der Planung und Beratung. Was nützen Ihnen diese Erfahrungen für Ihre neue Aufgabe?
Diese Vielseitigkeit ist von grossem Vorteil. Heute ist es oft matchentscheidend, dass man die Anliegen und Probleme der Kunden versteht und effizient lösen kann. Wer verschiedene Optiken hat und solche konnte ich mir im Laufe meiner Karriere aneignen - kann die Dinge ganzheitlicher angehen. Das ist auch mein Anliegen: Ich möchte eine Agentur von Beratungs-Generalisten, unterstützt mit Fachspezialisten.
Was wird sich unter Brigitte Gubser bei ZenithOptimedia konkret ändern?
Ich kann auf einer soliden Basis mit 58 Mediafachleuten weiter aufbauen. Zudem legen wir eine starke Fokussierung auf die digitalen Medien als eigentlichen Wachstumsmarkt. Auch streben wir eine engere Zusammenarbeit mit Kunden und Kreativagenturen an, um gezielte, effektive Kampagnen zu realisieren von der Monostrategie bis hin zur komplexen, crossmedialen Lösung.
Wie machen Sie Letzteres den Kunden schmackhaft? Immerhin ist es ein Mehraufwand, wenn die Mediaagentur früher einbezogen wird.
Es ist kein Mehraufwand, sondern die effizienteste Lösung mit dem besten Resultat für den Kunden.
Und wie sieht man das bei den Werbeagenturen, etwa bei Ihrem Partner Publicis?
Auch Herr Collioud ist dieser Meinung. Wir haben ja einige Kunden, die wir miteinander betreuen. Wir könnten durchaus noch enger zusammen arbeiten.
Beginnt das eigentliche Problem aber nicht viel früher: Oft vergeben die Werbeauftraggeber ihre Kreativ- und Mediabudgets separat und zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Richtig, zumindest bei grossen Budgets. Das hat auch damit zu tun, dass sich die Mediaabteilungen seinerzeit von den Kreativagenturen abspalteten. Nun sollten sie sich wieder annähern. Aber es wird zweifellos weiterhin grosse Mediaagenturen geben, insbesondere im internationalen Business, Aber im Schweizer Markt, bei den lokalen und nationalen Kunden, kommen Kreation und Mediaplanung mit Sicherheit wieder näher zusammen. So wie früher, als man ein einziges Briefing erhielt - für Kreation und Media in einem.
Was muss sich denn nun in der Agentur konkret ändern?
Unsere Beratung wird vielfältiger operieren und die gesamten Prozesse und Schnittstellen begleiten. Der Job der Berater wird spannender und entwickelt sich in Richtung Kommunikationsspezialist.
Setzen Sie dabei primär auf Fortbildung oder wollen sie auch gemeinsame Büros mit Publicis?
Das zweite ist momentan nicht geplant. In erster Linie geht es darum, unsere Leute fit zu machen, um als Generalisten agieren zu können. Zweitens wollen wir uns möglichst schlank organisieren, um für unsere Mitarbeiter eine grösstmögliche Autonomie zu erreichen. Ich wünsche mir durchaus ein gewisses Mass an Anarchie: Wir wollen sowohl traditionell denkende Mediafachleute als auch Querdenker in unserer Agentur. Wichtig ist ein guter Mix.
Social Media welchen Stellenwert haben sie?
Diese Medien sind nicht mehr wegzudenken. Wir machen bereits einiges, aber man muss die Sache auch relativieren. Social Media ist nach wie vor ein kleiner Bereich. Doch viele Kunden, die bisher klassisch unterwegs waren, werden jetzt nervös. Kaum surft der Sohn des CEO auf Facebook herum, meint der Vater, das sei jetzt auch wichtig. Aber die wenigsten überlegen, was das bedeutet. Denn die Dinge, die man dort macht, müssen werbemässig eine gewisse Relevanz haben, sonst können sie kontraproduktiv werden. Und der Betreuungsaufwand ist nicht zu unterschätzen.
iPad, WePad, E-Book was bedeuten sie für ZenithOptimedia?
Auch hier gilt: Sie werden eine super multimediale Plattform für viele Werbekampagnen sein, sofern diese mediumsgerecht gestaltet und wirklich relevant sind.
PIN-Daten spielen künftig in der Mediaplanung eine wichtige Rolle. Wie stellen Sie sich diesbezüglich auf?
Wir hoffen, dass die PIN-Daten schon im zweiten Semester 2010 aufgeschaltet werden, parallel zu den bisherigen Daten, damit man das Arbeiten mit ihnen ausprobieren und real time vergleichen kann. Denn ihre definitive Einführung voraussichtlich ab 2011 wird für die Agenturen Folgen haben. Wir werden jährlich über 200'000 CHF in dieses Projekt investieren. Auf den offiziellen Start hin müssen wir uns zudem vorbereiten, weil ein erheblicher Mehraufwand auf uns zu kommt. Wir werden die Leute schulen und in unserer Elektronikabteilung benötigen wir zusätzliches Personal.
Stichwort Wirtschaftskrise: Wie hat sie ZenithOptimedia getroffen?
Wie alle Agenturen auch mussten wir von bestehenden Kunden Budgetreduktionen hinnehmen. Zusätzlich wechselte die Migros zur Konkurrenz. Wir haben diese schwierige Situation gemeistert und konnten Ende letzten Jahres dank Neukunden schwarze Zahlen schreiben.
Was ist Ihr Wunsch für die Branche?
Ich wünsche mir mehr Unterstützung, Know How und Ausbildung/Schulungsmöglichkeiten durch die Fachgremien und Verbände. Der Strukturwandel im Werbemarkt ist eine Herausforderung für uns alle für Medienleute, Kreativagenturen wie auch für unsere Kunden. Mit guter Schulung und effizienten Prozessen können wir das ROI Prinzip (Return on Investment) für den Kunden auch in Zukunft hochhalten.
Interview: Markus Knöpfli

