20.12.2018

Localsearch

«Wir wollen Synergien mit Swisscom nutzen»

Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern positioniert sich Localsearch zunehmend als Marketing- und Digitalagentur. Wird das Unternehmen künftig Swisscom-Daten nutzen? CEO Stefano Santinelli über das Überleben mit weniger Print und forsche Aussendienstler.
Localsearch: «Wir wollen Synergien mit Swisscom nutzen»
Stefano Santinelli ist seit Oktober 2016 CEO von Localsearch, einem Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitern. (Bild: Localsearch)
von Edith Hollenstein

Herr Santinelli, können Sie Ihren Kunden für Digital-Marketing-Kampagnen auch Daten von Swisscom zu Verfügung stellen, jetzt wo Localsearch vollständig in Swisscom-Besitz ist?
Nein, wir nutzen für Online-Kampagnen Daten von Facebook und Instagram sowie Google. Sie bieten Targetingmöglichkeiten, die sehr effektiv sind – auch im sehr lokalen Bereich. Im Bereich Programmatic und Display nutzen wir gewöhnliche, marktkonforme DMPs (Data Management Plattforms) – aber keine Swisscom- oder Admeira-Daten.

Warum nicht?
Wir dürfen das nicht. Zudem verfügen Plattformen wie Google, Facebook oder Instagram bei Search-Engine-Marketing, Targeted Advertising oder Social-Media-Marketing über ausgezeichnete Daten – auch für die Schweiz.

Warum darf Localsearch die Swisscom-Daten nicht verwenden?
Dafür haben wir keine Erlaubnis der Kunden. Ausserdem ist mir ist nicht bekannt, dass Swisscom oder Admeira ihre Daten für Werbung anderen Verlagen zur Verfügung stellen. Swisscom Directories ist eine unabhängige Tochterfirma, daher müssen wir Daten ganz normal am Markt kaufen.

«Wir bieten Marketinglösungen für KMU»

Was ändert sich für Sie, wenn Swisscom jetzt vollständige Besitzerin von Localsearch ist?
Operativ und strategisch ändert sich gar nichts, denn Swisscom hält bereits seit drei Jahren die Mehrheit und war darum massgeblich beteiligt an unserer Strategie. Längerfristig wollen wir natürlich Synergien mit dem Swisscom-Konzern nutzen. Vor allem den Schweizer KMU wollen wir noch mehr anbieten können: Swisscom bietet KMUICT-Dienstleistungen und wir von Localsearch wollen ihnen Marketinglösungen anbieten. So können wir das Nutzerversprechen erhöhen.

«Swisscom ist sich durchaus bewusst, dass wir das tun und sieht darin keinen Widerspruch»

Was für «Marketinglösungen» meinen Sie? Das Produkt «My Presence»?
Es geht um verschiedene Angebote: Wir verkaufen nach wie vor Print – das macht rund 10 Prozent unseres Umsatzes aus –, Verzeichnisdienste local.ch und search.ch sowie «My Presence», wo die Kunden auf unterschiedlichsten Plattformen gelistet werden (siehe Video unten) oder Angebote für Ads bei Google, Facebook oder Instagram.

 

Swisscom hat Google und Facebook den Kampf angesagt und dafür Admeira gegründet. Gleichzeitig verkauft das Unternehmen also über Localsearch-Anzeigen dieser Firmen und verhilft ihr so zu noch mehr Profit. Spürten Sie Zurückhaltung seitens Swisscom in Ihrem Bestreben, Dienstleitungen für Google und Facebook anzubieten?
Am Ende geht es schlicht und einfach darum, unseren Kunden zu helfen. Die Realität ist, dass Schweizerinnen und Schweizer auf verschiedenen Plattformen unterwegs sind, bei SBB, auf Google, Apple und so weiter. Darum brauchen unsere Kunden digitales Marketing auf denjenigen Kanälen, auf denen die Nutzer sind. Daher bietet Localsearch unter anderem mittlerweile auch Google- oder Facebook-Ads an. Swisscom ist sich durchaus bewusst, dass wir das tun und sieht darin keinen Widerspruch.

«Wir werden ein Angebot programmatischer Display-Werbung lancieren»

Kommen irgendwann auch Admeira-Produkte in Ihr Portfolio?
Das ist kein Thema. Weder heute, noch in der Zukunft. Localsearch wird aber ein Angebot programmatischer Display-Werbung lancieren, damit die KMU sehr lokal digital werben können. Hier haben erste Versuche mit der Plattform Adunit stattgefunden. Admeira tangiert das nicht, denn wir haben keine Grosskunden wie sie, sondern richten uns an KMU.

Wo genau sehen Sie Potential: Was wird für Localsearch ein lohnendes Geschäft werden?
Lokales, digitales Marketing für KMU mit Werbebudgets von 600 bis 2000 Franken. Wir bieten fertige Pakete an mit Abwicklung und Beratung vor Ort. Ein Coiffeur kann von uns alles haben, was er braucht: eine Website, die «Presence Management»-Lösung, eine Marketing-Kampagne und eine kleines Online-Buchungssystem mit einem Newsletter – das zu einem Fixpreis.

Apropos Beratung: Ihre Verkäufer haben jedoch nicht alle einen guten Ruf. Es hiess, sie seien aggressiv und gingen den KMU auf die Nerven. Ist solch forsches Auftreten nötig?
Wir legen sehr viel Wert auf die Kundenzufriedenheit und messen diese regelmässig. Dabei zeigt sich, dass wir weitaus mehr zufriedene Kunden haben als unzufriedene. Wir haben in den Bereichen Website und Presence Management tausende, langjährige Kunden, die unsere Dienstleistung schätzen. Aber ja, Unzufriedene gibt es immer auch.

2017 vermeldeten Sie einen Rekord-Abschluss. Wie viel Umsatz und Gewinn macht Ihre Firma?
Diese Zahlen kommunizieren wir nicht. Aber wir sind gesund unterwegs. Unseren Wandel finanzieren wir selber.

Gleichzeitig haben Sie damals einen Stellenabbau bekannt gegeben: 5 Prozent oder gut 40 Stellen. Damals beschäftigte Localsearch rund 850 Mitarbeiter. Wie viele sind es heute?
Wir haben im unteren Teil die Strukturen vereinfacht und daher Stellen abgebaut. Aktuell sind wir ungefähr 800 Mitarbeiter, davon sind 400 im Aussendienst und über 80 Mitarbeiter im Neugeschäft.

Sie sind seit Oktober 2016 CEO von Localsearch. Beim Amtsantritt hiess es, Sie sollen dafür sorgen, dass local.ch und search.ch zum «fixen Bestandteil des Alltags der Userinnen und User werden», dazu brauche es ein «noch umfassenderes Nutzererlebnis». Wo stehen Sie auf diesem Weg?
Wir haben Localsearch stark ausgebaut in Richtung Onlinebuchung. Wenn Sie in Zürich ein Restaurant buchen, können Sie das direkt über unsere Plattform tun – insgesamt sind drauf mittlerweile 5000 Restaurants. Daneben kann man weitere Geschäfte buchen, Arzttermine etwa. Insgesamt sind es 8000 Geschäfte, darunter 1000 im Bereich Health.

«Mittlerweile können wir den Rückgang von Print mit dem neu aufgebauten Digitalgeschäft vollständig kompensieren»

Die Nutzung von local.ch und search.ch ist in den letzten Jahren aber nicht gestiegen, sondern sogar gesunken um 100'000 bis 200'000 Page Impressions.
Page Impressions ist nur ein Richtwert unter vielen. Wir haben nun Widgets auf anderen Sites – vor allem Mobile – oder In-App-Links, so dass man etwa in iOS über Siri eine Suchanfrage starten kann. Dies zählt dann natürlich nicht zu den Page Impressions. Durch die technische Verschiebung steigen die Pis nicht mehr, obwohl insgesamt unsere Nutzung etwa gleich geblieben ist in den letzten 18 Monaten.

Sie haben die Digitale Transformation gemeistert, etwas was anderen Unternehmen noch bevorsteht. Sehen Sie das auch so?
Spannend bei uns ist, dass wir vor drei Jahren noch einen dreistelligen Millionenbetrag des Umsatzes über Print erwirtschafteten: also Einträge im Telefonbuch. Mittlerweile können wir diesen Rückgang mit dem neu aufgebauten Digitalgeschäft vollständig kompensieren. Ich glaube nicht, dass die Verlage aussterben müssen, wenn Print als Gattung nicht mehr so beliebt ist. Man muss sich transformieren und die neuen Digital-Möglichkeiten nutzen.

 

 

 



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