20.03.2005

"Wir wollen unsere Kunden 24 Stunden erreichen"

Bisher operierte IP Multimedia lediglich national und sprachregional. Nun drängt die Vermarkterin in die lokalen Märkte. In Zürich, Bern, Basel und Lausanne werden Filialen eröffnet. Mit TeleZüri, TeleBasel und TeleBärn wurden bereits Vermittlungsverträge unterzeichnet. Klaus Kappeler, CEO der goldbach media, erklärt die neue Verkaufsstragie seines Unternehmens gegenüber "persoenlich.com" . Das Interview:
"Wir wollen unsere Kunden 24 Stunden erreichen"

Wie funktioniert die Vermarktung der Lokalsender? Könnte man von einem Metropool im TV-Bereich sprechen?

IP Multimedia verfolgte bis anhin eine sprachregional operierende Vermarktungsstrategie. Nun ergänzen wir diese Verkaufsstrategie, indem wir auch aus den wichtigsten Zentren Zürich, Bern, Basel und Lausanne heraus operieren. Unser Angebot wird künftig neben den nationalen TV-Sendern komplementär auch die Lokalsender umfassen. Damit weiten wir den Gesamtfernsehmarkt aus. Zum Vergleich mit Metropool: Wir vermarkten ja nicht nur TV, sondern als goldbach-Gruppe auch die Medien Radio, Internet, Mobile und Adscreen. Wir offerieren den Kunden in den erwähnten Agglomerationen ein massgeschneidertes elektronisches Angebot. Also die elektronische Ergänzung zum Print-Metropool.

Besteht nicht die Gefahr, dass damit eine Kannibalisierung der grossen Sender stattfindet?

Wir verfolgen keine neue, sondern ergänzen unsere nationale Basisstrategie mit Lokal-TV. Unser Ziel ist es, den gesamten TV-Markt damit weiterzuentwickeln. goldbach media wuchs im letzten Jahr um 26 Prozent, auch in diesem Jahr soll diese Quote zweistellig ausfallen. Dies wollen wir u.a. erreichen, indem wir unseren Kunden ein elektronisches Portfolio anbieten, also auch Lokal-TV.

Können Sie anhand eines konkreten Beispiels erklären, wie die crossmediale Vermarktung funktioniert?

In der Region Basel etwa bieten wir ein Medienpackage an: Lokalfernsehen ergänzt mit Regionalradio und AdScreen. Zugleich findet eine Verknüpfung mit interaktiven Mobile-Aktionen statt. In Einkaufszentren und an den Tankstellen sieht der TV-Zuschauer jene Spots, die er im TV gesehen hat, auf Adscreens. Wir begleiten also unsere Zielgruppen über verschiedene Medien hinweg, den ganzen Tag. Unser Ziel ist es, die Kunden 24 Stunden lang mit unserer Marketingkommunikation zu erreichen.

Wie wichtig ist Ihnen das Medium Internet?

2004 generierten wir bereits dreissig Prozent der Umsätze ausserhalb des Mediums TV. Wir gehen davon aus, dass dieser Anteil in drei Jahren -- obschon die TV-Umsätze bei uns überproportional zum Markt wachsen -- auf die Hälfte ansteigen wird. Der Anteil aus dem Online-Markt wird dann rund 20 Prozent betragen. Die Zahlen illustrieren, dass die komplementären Produkte den Kunden zusätzliche erfolgsversprechende Opportunities bringen.

Gegenwärtig wird nicht einmal ein Prozent der gesamten Werbeausgaben ins Internet gesteckt. Wie hoch wird dieser Anteil im Printland Schweiz in drei Jahren sein?

Wir rechnen damit, dass er zwischen drei und fünf Prozent betragen wird.

Geraten Sie mit Ihrer Diversifikationsstragie nicht mit den bestehenden Anbietern ins Gehege

Nein, im Gegenteil. Wir beabsichtigen nicht, die bestehenden Vermarkter anzugreifen. Vielmehr wollen wir den Markt aktiv weiterentwickeln, indem wir die Medienakteure, die sich in Eigenregie vermarkten, unterstützen. Wir stellen unser Know-How also anderen zur Verfügung.

Aber konkurrenzieren Sie nun nicht Publigroupe in stärkerem Masse?

Publigroupe ist nur sehr beschränkt in den elektronischen Medien aktiv. Deren Konzernchef Hanspeter Rohner hat ja gesagt, dass von den 600 Milionen Franken, die dem Anzeigenmarkt im Print in den vergangenen Jahren verloren gegangen sind, kaum mehr die Hälfte zurückwandern werden. Unsere Aufgabe ist es, dass die andere Hälfte dem (elektronischen) Werbemarkt erhalten bleibt.

Mit AdScreen wird auch der Retailbereich zum Werbemedium. Welches Potential hat dieser Bereich?

Ich bin der Meinung, dass er sich längerfristig zu einem eigenständigen Medium im Handel entwickeln wird. Dabei schätze ich dessen Potential etwa in der Grössenordnung des Privatradio-Marktes ein.

Und wie sieht die Entwicklung beim Handy aus?

Es geht nicht nur ums Handy. Es geht um alle mobilen Geräte. Das Handy nennen wir "Point of Live". Jeder hat es stets dabei. Wie sehr es genutzt wird, erkennen Sie, wenn sie im Zug fahren. Fast alle Pendler sind am Handy. Zur Relevanz der mobilen Geräte im Werbemarkt: Die Industrie gibt vier Milliarden im Jahr aus. Die Goldbach Media vermittelte 2004 davon rund 160 Millionen Franken. Diese Investitionen wollen wir für unsere Kunden zusätzlich nutzen und für sie mittels mobiler Verknüpfung einen echten Mehrwert schaffen. Doch dies ist lediglich die Basis. Daneben bieten wir dem Kunden zusätzliche Angebote im Bereich Mehrwertdienste, Gaming, Content, Tools, etc. an. Wir bieten den Kunden auch „Communication Sites“ via Internet an, über die der Kunde seine Promotion unabhängig, schnell und flexibel direkt an seine Zielgruppe versenden kann.


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