Globalisierung ist ein Thema in aller Munde -- da ist es auch für Schweizer Unternehmen und Einzelpersonen von zentralem Interesse, das Zahlungsverhalten von ausländischen Kunden zu kennen. Intrum Justitia mit ihren 21 Ländergesellschaften publiziert jetzt basierend auf den Zahlen des dritten Quartals 2003 einen Querschnitt durch die Länder Österreich, Belgien, Deutschland, Italien, Niederlande, Schweiz und Grossbritannien. Die nationalen Unterschiede -- nicht zuletzt im Bereich der Zahlungsdauer von offenen Rechnungen -- sind riesig.
Niederländer zahlen am 'schnellsten', die Italiener am langsamsten
Am "schnellsten" in den befragten sieben Ländern zahlen die Holländer: Die Firmen gewähren dort eine durchschnittliche Zahlungsfrist von 27 Tagen, die Schuldner zahlen mit einem mittleren Verzug von 13 Tagen, sodass der Gläubiger erst nach 40 Tagen seine Rechnung bezahlt erhält.
Der Deutsche wartet nochmals fünf Tage, der Schweizer sogar sechs Tage länger, d.h. bei einer Zahlungsfrist von 31 Tagen und einem durchschnittlichen Verzug von 15 Tagen erhält der Gläubiger erst 46 Tage nach Ausstellen der Rechnung effektiv sein Geld.
Die Italiener lassen sich jedoch am meisten Zeit: Sie gewähren durchschnittlich eine Zahlungsfrist von 74 Tagen, warten dann bei einem durchschnittlichen Verzug von weiteren 19 Tagen bis sie endlich nach insgesamt 93 Tagen das erwartete Geld in der Kasse haben.
Vergleicht man die Zahlen zur Verzugsdauer mit jenen aus dem Jahr 1997, so ist bei den sieben Ländern eine sich annähernde Tendenz festzustellen: Länder mit einer früher ausgesprochen hohen Verzugsdauer weisen eher eine Verbesserung aus, Länder mit einer früher tieferen Verzugsdauer haben mit einer weiteren Verschlechterung zu kämpfen.
Deutsche lassen nichts anbrennen
Sieht man sich das Forderungsalter der Rechnungen an, so steht Deutschland (61 Prozent der Rechnungen sind jünger als 30 Tage alt) am besten da, gefolgt von Holland (56 Prozent). In Belgien ist zwar rund jede zweite Rechnung nach 30 Tagen bezahlt, jedoch mit 11 Prozent von offenen Rechnungen bei einem Verzug von über 121 Tagen zeigt dieses Land dringenden Nachholbedarf im Forderungsmanagement.
Spitzenwerte präsentiert Italien beim prozentualen Debitorenverlust: Nur gerade 0.8 Prozent der Rechnungen müssen effektiv als Verlust letztlich abgeschrieben werden. Die Schweiz liegt diesbezüglich im gefährlichen Mittelfeld mit 1.9 Prozent Debitorenverlusten, während Belgien mit 3.1 Prozent den Negativrekord hält. Befragt, ob die Forderungsrisiken tendenziell eher steigen oder sinken werden, geben die Unternehmen diese eher als steigend denn sinkend an.
Belgier und Schweizer kämpfen mit Existenzgefährdung
Alle befragten Unternehmen sehen sich aufgrund des gravierenden Zahlungsverzugs mit Schwierigkeiten konfroniert. In Belgien und in der Schweiz fühlt sich knapp jedes zehnte Unternehmen in seiner Existenz gefährdet. In Italien kämpfen die Unternehmen aufgrund der ausgeprägt langen Zahlungsdauer vor allem mit Liquiditätsengpässen.
In allen befragten Ländern ortet man das Hauptproblem darin, dass die Schuldner vorsätzlich verspätet zahlen, um beispielsweise keine teuren Überbrückungskredite ("kostenlose Refinanzierungsquelle Lieferant") aufnehmen zu müssen. Interessanterweise werden Mängelrügen in allen Ländern nur bei einer geringen Anzahl als Grund für verspätete Zahlungen erwähnt.
Virtuose Österreicher, pragmatische Italiener
Der schleppende Zahlungseingang führt in allen befragten Ländern zu einem zunehmenden Einsatz zusätzlicher Massnahmen. Der internationale Vergleich zeigt einen deutlich unterschiedlichen Einsatz der einzelnen Massnahmen -- sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch hinsichtlich der Einsatzhäufigkeit. Am pragmatischsten zeigen sich die Italiener, am virtuosten die Österreicher, welche die gesamte Klaviatur von zusätzlichen Massnahmen zu den klassischen Instrumenten -- Bonitätsprüfung, schriftliche Mahnung und Inkassounternehmen -- einsetzen.

