03.01.2017

SRF

2,2 Prozent Marktanteil fürs «Füür»

An Heiligabend brachte das Schweizer Fernsehen mit «Füür» ein Slow-TV-Programm in die Schweizer Stuben. Die Sendung schaffte einen Marktanteil von gerade einmal 2,2 Prozent - ein Reinfall? persoenlich.com sprach mit Martin Schilt von der Programmentwicklung.
SRF: 2,2 Prozent Marktanteil fürs «Füür»
«Füür», das Slow-TV-Programm an Heiligabend. (Bild: SRF)
von Claudia Maag

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Herr Schilt, Sie arbeiten in der SRF-Programmentwicklung und haben das Slow-TV-Programm «Füür» umgesetzt. SRF zwei hatte an Heiligabend 11'000 Zuschauer und einen Marktanteil von 2,2 Prozent. Wenn ich mir diese Zahlen anschaue, muss man die Sendung wohl als Reinfall bezeichnen?
Die 2,2 Prozent sind für uns okay. Wir haben nicht mehr erwartet. Was uns freut: Die Sendung hat anders als das Festtagsprogramm der vergangenen Jahre für Gesprächsstoff gesorgt – offensichtlich auch bei der Weihnachtsfeier Ihrer Familie (siehe hierzu den Blog von persoenlich.com).

Sie sind also zufrieden damit?
Es ging uns mit der Sendung nie darum, einen Quotenhit zu landen. Anfänglich rechneten wir gar mit einer sogenannten Flatline. Es war nicht sicher, ob man eine Sendung ohne Töne, also wie hier nur mit Ambiance, überhaupt messen kann.

Was war ihr Ziel mit dem «Füür»?
Wir wollten im Festtagsprogramm von SRF einen Farbtupfer setzen. Programmlich eine Alternative bieten zu den doch mehr oder weniger identischen Spielfilmen und Serien, die alljährlich auf allen Sendern zu dieser Zeit gezeigt werden. Dass wir jetzt mit diesem Programm die Marktanteile halten konnten, ist erfreulich. Was mich aber besonders freut, ist, dass es uns gelungen ist, ein sehr einfaches Programm trimedial über mehrere Vektoren zu spielen. Radio SRF 3, die Musikwelle und SRF 2 Kultur haben ja das «Füür» musikalisch begleitet und Facebook und Twitter konnten die User das Weihnachts-Füür weiterverbreiten und letzte digitale Weihnachtsgrüsse verschicken.

Wie viel hat die Produktion gekostet?
Die Produktion war sicher nicht teurer als eingekaufte Serien oder Spielfilme. Ohne den genauen Preis der Spielfilme zu kennen: Ich vermute, «Kevin - allein zu Haus» wäre deutlich teurer zu stehen gekommen. Der Minutenpreis für die zweistündige Produktion war jedenfalls für eine Eigenproduktion rekordverdächtig tief.

Was war die Grundidee hinter der Sendung?
Die Idee stammt nicht von mir, sondern von Martin Bloch, dem Channel Manager von SRF zwei. Er kam mit der Idee zur Programmentwicklung und wir haben sie kurzfristig mit der externen Produktionsfirma ident umgesetzt. Ich war sofort Feuer und Flamme. Ein Programm zur Entspannung nach der doch sehr stressigen Vorweihnachtszeit. Anfänglich haben wir uns überlegt. «nur» ein Feuer zu filmen, aber das gibt es ja schon x-fach. So haben wir das Feuer mit einem Setting angereichert und einer Katze und einem Hund als Protagonisten.

Wie kamen Sie auf die Tigerkatze Oona und den Border Collie Maïly?
Die Tiere sind Filmtiere. Sie wohnen im gleichen Haushalt. Wir haben sie in einer Kartei einer Agentur gefunden.

Das Slow-TV-Programm war als Projekt angekündigt. Wird dieses weitergeführt?
Wir haben das noch nicht ausgewertet. Was ich bisher gesehen habe, sind Kommentare auf Facebook und Twitter. Diese waren kontrovers, was gut ist. Ich finde es toll, wenn eine Sendung zu Diskussionen anregt. Die Meinungen reichten von «schliifts eu» bis «super». Wäre eine Standardsendung gelaufen, die jedes Jahr läuft, hätte sie kaum diese Wirkung gehabt. Auch bei uns intern gab es rege Diskussionen. Ob und wie wir das weiterführen, das werden wir im Auge behalten und bei passender Gelegenheit aufgreifen.

Bild Martin Schilt: SRF/Oscar Alessio



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Kommentare

  • Adrienne Hofmann, 05.01.2017 11:20 Uhr
    Dass SRF Neues ausprobiert, ist ok. Die ganze, ewige Schönfärberei aber nicht. Das nervt. Kann SRF sich nicht auch mal etwas differenzierter äussern?

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