08.08.2018

Tamedia

20 Vollzeitstellen werden abgebaut

Das Medienunternehmen passt den Bereich Editorial Services Deutschschweiz der neuen Organisationsform an. Laut Gewerkschaft verlieren 31 Mitarbeitende ihre Stelle. Nicht betroffen sind die Redaktionen Tamedia Deutschschweiz und Romandie sowie die Titelredaktionen.
Tamedia: 20 Vollzeitstellen werden abgebaut

Die Schweizer Mediengruppe Tamedia streicht im Bereich Editorial Services Deutschschweiz bis Februar 2019 rund 20 Vollzeitstellen. Gründe dafür seien die Anfang Jahr eingeführte Organisationsform sowie neue Produktionssysteme, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Vereinheitlichung der Layouts, der Produktionssysteme und -prozesse ermögliche Automatisierungen und Effizienzsteigerungen. Mit der neuen Organisation will Tamedia die Qualität und die wirtschaftliche Eigenständigkeit und damit die journalistische Unabhängigkeit ihrer Titel sichern sowie die digitalen Angebote stärken.

Interne Wechsel oder Fluktuationen

Betroffen von diesem Stellenabbau sind voraussichtlich rund 30 Personen, wie Patrick Matthey, Leiter Unternehmenskommunikation, auf Nachfrage von persoenlich.com sagte. Eine definitive Zahl könne er aber nicht nennen, da erst jetzt die Konsultationsphase beginne. «Das heisst, es werden Gespräche mit der Belegschaft von Tamedia Editorial Services geführt, um allenfalls andere, interne Lösungen zu finden», so Matthey. «Personalgespräche und mögliche Kündigungen finden nach Abschluss der Konsultation und voraussichtlich Ende August statt.» Es gibt einen Sozialplan. Betroffen sind Produktionsabteilungen wie Layout, Korrektorat oder Bildredaktion aller drei Standorte Bern, Zürich und Winterthur.

Die «notwendigen Anpassungen» sollen soweit wie möglich über natürliche Fluktuationen und interne Wechsel vollzogen werden. Zudem hat Tamedia seit Juni 2018 einzelnen Mitarbeitenden Aufhebungsvereinbarungen und eine finanzielle Unterstützung bei der beruflichen Neuausrichtung angeboten (persoenlich.com berichtete). Sieben Personen aus dem Bereich Tamedia Editorial Services hätten bis anhin diese Aufhebungsvereinbarung unterschrieben, sagt der Leiter Unternehmenskommunikation.

Der Stellenabbau kommt wenig überraschend. In einem kürzlich erschienenen Interview mit persoenlich.com sagte Tamedia-CEO Christoph Tonini bereits, dass «mit dem neuen Mantelsystem und dem vereinheitlichten Produktionssystem – das es ermöglicht, Seiten 1:1 für unterschiedliche Titel zu übernehmen – nun weniger Arbeit anfällt und weniger Personal benötigt wird».

Ausbau des digitalen Journalismus

Gleichzeitig investiert Tamedia weiter in den Ausbau des digitalen Journalismus und die technologische Infrastruktur, um die Angebote zu erweitern und die Zahl der Digitalabonnemente zu steigern. Dazu gehören insbesondere die Bereiche digitales Storytelling, Datenjournalismus, Video, Infografik und soziale Netzwerke. Weiter soll der Aufbau von Produkt- und IT-Entwicklungsteams für die Bezahlmedien forciert werden.

Neue Organisation der bezahlten Tageszeitungen

Tamedia hatte die Redaktionen ihrer bezahlten Tages- und Sonntagszeitungen auf Anfang 2018 neu aufgestellt. Die neue Organisation ermöglicht zwei zentrale Redaktionen Tamedia in der Deutschschweiz und der Romandie mit hoher Dossierkompetenz an den Standorten Bern, Lausanne und Zürich sowie eigenständige Titelredaktionen nahe bei ihren Leserinnen und Lesern in den Regionen.

Gewerkschaft fordert Fristverlängerung

Syndicom zeigt sich überrascht über die Ankündigung des Abbaus, das gemäss der Gewerkschaft 31 Mitarbeitende betrifft. Tamedia habe bei der Einführung der Mantelredaktionen versichert, dass keine Entlassungen auf das Personal zukommen würden, schreibt die Gewerkschaft in einer Mitteilung vom Mittwochabend. Die Geschäftsleitung habe der Belegschaft nämlich suggeriert, dass die Abbauziele über freiwillige und natürliche Abgänge umgesetzt würden.

Das Konsultationsverfahren, das bis zum 22. August läuft, falle zudem ausgerechnet in die Sommerferien, kritisiert Syndicom weiter. Dabei gäbe sich Tamedia bis Februar 2019 Zeit, die Sparmassnahmen umzusetzen. Es sei somit genug Zeit vorhanden, um das Konsultationsverfahren seriös und unter Einbezug der Belegschaft durchzuführen. Deshalb müsse dieses verschoben und die Frist auf eine angemessene Dauer verlängert werden, fordert die Gewerkschaft. (sda/lom)



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