01.06.2016

Eröffnung Gotthard-Basistunnel

300 Journalisten reisen zum längsten Tunnel der Welt

Zur Gotthard-Eröffnung blickte die Welt in Richtung Schweiz. Nebst den hiesigen Medienleuten berichteten rund hundert Journalisten aus China, Japan, Chile oder Kanada über den Event. Den Wirbel um das Fernbleiben der EU-Spitze betitelte Doris Leuthard als Medienhype.
Eröffnung Gotthard-Basistunnel: 300 Journalisten reisen zum längsten Tunnel der Welt

Zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels waren am Mittwoch rund 300 Medienschaffende vor Ort. Etwa ein Drittel kam aus dem Ausland - darunter etliche aus China. Angekündigt hatten sich für die Tunneleröffnung mehrere Nachrichtenagenturen: die Jiji Press aus Japan, die Kuwait News Agency, die türkische NewTR, die russische TASS und die chinesische Xinhua, wie aus einer Liste des Bundesamtes für Verkehr (BAV) hervorgeht. Sie haben sich zu den Journalisten der Schweizerischen Depeschenagentur sda, der französischen Nachrichtenagentur AFP, der italienischen ANSA und von Reuters gesellt.

Das Schweizer Fernsehen SRF übertrug die Feierlichkeiten von 10.15 Uhr bis am späten Nachmittag live. Für ihre TV-Nachrichtensendungen Beiträge verfasst haben auch die britische BBC, die italienische RAI oder der katarische Sender Al-Jazeera. Angekündigt waren neben den zahlreichen regionalen Medien aus Süddeutschland, Norditalien und der Schweiz auch Medienschaffende aus Japan, China, Chile und Kanada sowie aus Luxemburg, Belgien, Tschechien, Frankreich, den Niederlanden, Portugal und Schweden. Sie alle trugen die Werte, welche die Schweiz mit dem gross inszenierten Anlass kommunizieren will, in die Welt hinaus: Präzision und Verlässlichkeit.

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Merkel & Co. plaudernd im längsten Tunnel unterwegs

Highlight des Tages war die Zugfahrt der «Very VIPs» durch den Tunnel. Unter anderen fuhren Angela Merkel, François Hollande und Matteo Renzi durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Sie genossen zwar einige Vorzüge - mussten aber auch ein paar SBB-Eigenheiten erdulden. Die Fahrt dauerte für die Staatsoberhäupter etwas länger als für die normalen Fahrgäste: rund 30 statt nur 20 Minuten. Zudem war der Tunnel für die Staatsoberhäupter innen ausnahmsweise beleuchtet. Selbstverständlich reisten sie 1. Klasse und waren unter sich - die Medien hatten mit Ausnahme von Schweizer Radio und Fernsehen SRF keinen Zugang.

Im TV war folglich zu sehen, wie sich Bundespräsident Johann Schneider-Ammann angeregt mit Merkel unterhielt (Bild oben). Im gleichen Abteil diskutierten Renzi und Hollande miteinander. Mit Ausnahme der «Gottardo 2016»-Lokomotive reisten die Prominenten in einem normalen Zug. Sogar die Lautsprecherdurchsage schepperte im unverwechselbaren SBB-Ton, wie eine Korrespondentin berichtete. Nach der Ankunft des Zugs ging die Feier im Süden weiter.

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Leuthard verteidigt Fernbleiben der EU-Spitze

Bei aller Freude über den Besuch von Merkel, Renzi und Hollande hatte am Wochenende das Fernbleiben von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk oder EU-Parlamentspräsident Martin Schulz für Schlagzeilen gesorgt. Mit Blick auf das angespannte Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU wurde gemutmasst, die EU wolle damit die Schweiz abstrafen. An der Gotthard-Eröffnung verteidigte Bundesrätin Doris Leuthard die Abwesenheit der EU-Spitze. Die Medien hätten das hochgespielt. «Es gibt gute Gründe, dass sie nicht kommen konnten.» 

Aus ihrer Sicht darf die Absage auch nicht überbewertet werden. «Am Schluss entscheiden nicht Herrn Juncker oder Herrn Tusk, sondern die EU-Staatschefs.» Gerade die Teilnahme der Staatschefs Deutschlands, Frankreichs und Italien zeige, dass Europa der Schweiz Respekt zolle. «Wir sind gute Europäer», sagte Leuthard. Nun erwarte man aber auch ein konstruktives Verhalten von Europa.

Am Wochenende kommt dann die Bevölkerung zum Zug: Die Tunneleröffnung wird mit einem grossen Publikumsanlass an vier Orten gefeiert: auf der Alpennordseite in Erstfeld und Rynächt, im Tessin in Pollegio und am Bahnhof in Biasca. Die Organisatoren der Feier rechnen mit einem grossen Interesse der Bevölkerung. Rund 50'000 bis 100'000 Personen sollen am Fest-Wochenende durch den 57 Kilometer langen Tunnel fahren können. (sda/wid)

Bilder: Keystone


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