440 000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben am Sonntagabend den Luzerner «Tatort – Die Musik stirbt zuletzt» auf SRF 1 geschaut. Das entspricht einem Marktanteil von 33,2 Prozent in der deutschen Schweiz, wie SRF in einer Mitteilung schreibt. Das ist im Vergleich zu anderen Luzerner Folgen nicht viel. Die beiden «Tatorte» im vergangenen Jahr «Zwei Leben» und «Kriegssplitter» zogen 628 000 respektive 513 000 Schweizerinnen und Schweizer vor den Fernseher. Weniger Zuschauer gab es letztmals 2015 bei «Schutzlos», nämlich 356 000. In Deutschland schalteten am Sonntagabend 4,79 Millionen das Fernsehgerät ein, bei einem Marktanteil von 17,5 Prozent – so wenige Zuschauer wie seit Jahren nicht mehr.
Viel Lob...
Bereits im Vorfeld hatte der neueste Luzerner «Tatort» viel zu reden gegeben (persoenlich.com berichtete). Regisseur Dani Levy musste für sein One-Take-Experiment – der ganze «Tatort» kommt ohne einen einzigen Schnitt aus – viel Kritik einstecken. Die deutsche Boulevard-Zeitung «Bild» sprach gar vom «schlechtesten Tatort aller Zeiten».
Am Tag nach der Ausstrahlung tönt es insbesondere aus Deutschland ganz anders. Spiegel.de beispielsweise schreibt: Ein «grandioser <Tatort>-Saisonauftakt». Vor allem Kameramann Filip Zumbrunn bekommt viel Lob für seine «virtuose Beweglichkeit». Gelohnt habe sich auch, dass sowohl in Hochdeutsch als auch in Schweizerdeutsch gedreht wurde. «Somit wird das bundesdeutsche Publikum jetzt nicht mehr mit einer monotonen Nachsynchronisierung des Schweizer Originals genervt, wie das sonst oft beim Schweizer Tatort der Fall war», heisst es weiter.
Von «grossem Kino» schreibt auch die «Frankfurter Allgemeine». Zum Glück seien Experimente innerhalb eines solchen Formats möglich. «Ziemlich originell verknüpft Levy als Autor und Regisseur Genre- und Autorenkino zu einem spannenden Krimi als Gesellschaftssatire.» Stern.de kommt zum Schluss, dass es wohl der beste «Tatort» war, der je aus Luzern gesendet wurde.
...aber auch Kritik
Von Schweizer Medien gibt es ebenfalls lobende Worte für Levys «Tatort»: «Das formale Wagnis, einen Krimi ohne einen einzigen Schnitt zu erzählen, ist sehenswert», schreibt blick.ch. Der Zuschauer werde sofort in die Handlung hineingerissen. «Levy hat etwas gewagt und TV-Geschichte geschrieben. Das bleibt.» Der «Tages-Anzeiger» betitelt die jüngste Folge mit «Mut zu Übermut» und schreibt weiter: «So ein Mut zu Übermut hat schon auch etwas Raffiniertes und Bewundernswertes» (Artikel kostenpflichtig).
Aber es gibt auch Kritik: «Die Geschichte ist zu ambitioniert», heisst es bei der Schweizer Boulevard-Zeitung weiter. Form und Inhalte kämen sich nicht entgegen, ein einfacherer Plot hätte das technische Experiment besser zur Geltung gebracht. Für TV-Kritiker René Hildbrand war es ein «weiterer Schweizer <Tatort> zum Vergessen». Dani Levys riskantes Unterfangen sei «gründlich misslungen», schreibt er in seiner Kolumne. Viele «Wackelbilder» und ein «schwer verdaulicher Fall», der «verworren, zu konstruiert, oft unlogisch bis abstrus war».
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07.08.2018 08:13 Uhr

