Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen Jörg Kachelmann war nach wenigen Minuten vorbei - am Montag wird das Verfahren fortgesetzt. Kachelmanns Anwälte hatten zum Auftakt des Verfahrens Befangenheitsanträge gegen zwei Richter gestellt. Diese wurden mittlerweile zurückgewiesen. Der Vergewaltigungsprozess vor dem Landgericht Mannheim gegen den Wettermoderator kann demnach wie geplant und mit gleicher Besetzung der Richterbank fortgesetzt werden. Der 52-jährige Schweizer Wettermoderator wird beschuldigt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hat die Vorwürfe stets bestritten.
Die Befangenheitsanträge waren gegen den Vorsitzenden Richter Michael Seidling und die Richterin Daniela Bültmann gestellt worden. Über die Gründe des Ablehnungsantrags herrschte bis zuletzt Unklarheit. Nach Medienberichten soll der Vorsitzende Richter mit dem Vater des mutmasslichen Opfers privat bekannt sein. Auch hiess es, Seidling habe von der ehemaligen Geliebten als "Opfer" statt als "mutmasslichem Opfer" gesprochen.
Der Prozess wird nun am Montag voraussichtlich zunächst mit dem Verlesen der Anklage fortgesetzt. Anschliessend könnte sich Kachelmann zu den Vorwürfen äussern. Es ist allerdings durchaus möglich, dass der Moderator erst einmal nichts sagt - immerhin hatte das Oberlandesgericht Karlsruhe Ende Juli auf Grundlage der bis dahin bekannten Fakten den Haftbefehl gegen Kachelmann aufgehoben, da jedenfalls kein "dringender Tatverdacht" mehr bestehe. Kachelmann könnte also erst einmal abwarten, ob die Beweisaufnahme neue Informationen bringt.
Neben dem mutmasslichen Opfer sollen vor Gericht 25 Zeugen vernommen werden, darunter laut Staatsanwaltschaft auch "diverse weibliche Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten". Ausserdem sind fünf Sachverständige geladen. Kachelmanns Ex-Geliebte, die als Nebenklägerin auftritt, soll erst am neunten Verhandlungstag (13. Oktober) aussagen. Der letzte planmässige Termin ist für den 27. Oktober vorgesehen. (sda)

