16.12.2014

Reporter ohne Grenzen

Angriffe auf Journalisten immer brutaler

Im vergangenen Jahr wurden 66 Medienschaffende getötet.

Die Angriffe auf Medienschaffende haben gemäss dem Jahresbericht der Organisation Reporter ohne Grenzen an Brutalität zugenommen. Zudem stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Entführungen von Reportern.

"Selten wurden Reporter mit einem derart barbarischen Sinn für Propaganda ermordet - zum Schrecken der ganzen Welt", hiess es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Besonders die Tötungen von James Foley und Steven Sotloff vor laufender Kamera durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) verdeutliche die Gefahren für Journalisten in Konfliktgebieten.

Laut dem Bericht wurden im vergangenen Jahr weltweit 66 Medienschaffende getötet - fünf weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Entführungen sei dagegen um 37 Prozent auf 119 Fälle angestiegen, vor allem in der Ukraine, in Libyen und in Syrien.

Demnach gab es in der Ukraine 33 Entführungen, in Libyen 29 und in Syrien 27. 40 Medienschaffende sind den Angaben zufolge weiter in der Gewalt ihrer Entführer.

Ortsansässige am meisten betroffen

Der Bericht unterstreicht, dass neun von zehn Opfern ortsansässige Journalisten sind. "Von den 22 Journalisten, die derzeit in Syrien von bewaffneten Gruppen festgehalten werden, sind 16 Syrer. Alle acht Journalisten, die derzeit im Irak als Geiseln gehalten werden, sind Iraker", erklärten die Reporter ohne Grenzen.

Weltweit waren demnach am 8. Dezember 178 Medienschaffende in Haft – dieselbe Zahl wie im Jahr zuvor. Mit 33 inhaftierten Reportern führt China die Statistik an, gefolgt von Eritrea mit 29 und dem Iran mit 19.

Die Reporter ohne Grenzen hoben den Fall der 70-jährigen Chinesin Gao Yu hervor, die Ende April festgenommen wurde, weil sie angeblich ein internes Dokument der Kommunistischen Partei an eine ausländische Nachrichten-Website weitergab.

Sie verwiesen auch auf den Fall des saudi-arabischen Bloggers Raef Badawi, der wegen "Beleidigung des Islam" zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt wurde. Er wurde mit dem diesjährigen Press Freedom Prize der Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet. (sda)


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