22.11.2021

TeleZüri

«Auch Improvisieren will gelernt sein»

Moderatorin Vanessa Meier hat den Start ihrer TeleZüri-Karriere in der aufregendsten Zeit der letzten Jahrzehnte erlebt: während des Ausbruchs der Pandemie vor anderthalb Jahren. Ein Gespräch über Fernsehjournalismus und ihre kolumbianischen Wurzeln.
TeleZüri: «Auch Improvisieren will gelernt sein»
Vanessa Meier ist seit Anfang 2020 das neue Aushängeschild von TeleZüri. (Bild: Ronny Grauer)
von Matthias Ackeret

Frau Meier, Sie moderieren seit Februar 2020, also seit dem Start der ganzen Pandemie, bei TeleZüri. Gestaltete sich Ihre Arbeit dadurch anders als in normalen Zeiten?
Es war auf jeden Fall anfangs ein spannender und sehr intensiver Start am Zürcher Bildschirm. Wir alle wussten wenig über das Virus und die Pandemie, und die Bundesratsentscheide kamen oft knapp vor der Sendung. Wir mussten also sehr flexibel sein. Als «Küken» war ich deshalb noch zusätzlich nervös. Wir spürten auch die grosse Verunsicherung der Bevölkerung, das spiegelte sich in den hohen Zuschauerzahlen wider, und die damit verbundene Verantwortung, die wir trugen – und noch immer tragen. Noch mehr denn je sind genaues Recherchieren und präzise Wortwahl gefragt. Anders war die Arbeit in der Redaktion – insofern, als viel weniger Leute da waren. Wer konnte, sass im Homeoffice. Wer nicht, trug eine Maske.

Was waren die grössten Unterschiede zur «Normalität»?
Noch nie hat ein einziges Thema über so lange Zeit dominiert, das ist auch heute manchmal noch happig. Doch je länger, je mehr spüren wir in unseren Sendungen, wie sich der Ton verschärft. Zudem fehlten, vor allem anfangs, der physische Kontakt und der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Das ist ja nun glücklicherweise wieder möglich.

«Die Wortwahl in den Sendungen ist sehr bürgernah»

Sie waren vorher bei Tele Top tätig und haben zudem eine Stage bei der «Tagesschau» von SRF gemacht. Wodurch unterscheiden sich diese beiden Sender von TeleZüri?
Persönlich empfinde ich es so, dass TeleZüri oft sehr nahe an den Leuten und dem Geschehen ist. In den Beiträgen ist man «mittendrin», sei das an einer Demo, im Bundeshaus, bei einem Verbrechen oder im Zoo. Auch die Wortwahl in den Sendungen ist sehr bürgernah, man eckt damit vielleicht gar etwas an. Da war Tele Top, wo ich mein Bildschirmdebüt gab, klar etwas braver. Und die «ZüriNews» mit der «Tagesschau» zu vergleichen, finde ich persönlich etwas schwierig.

Sie haben kolumbianische Wurzeln. Wie äussert sich dies?
Wahrscheinlich durch meine sonnige Art (lacht). Spass beiseite. Ich denke, dass meine Wurzeln sich oft bemerkbar machen: Ich bin kommunikativ, offen und neugierig. Das haben mir bestimmt meine vielen Tanten an den Familienfesten in Kolumbien beigebracht. Doch auch im Alltag finde ich, dass mir meine zweite Muttersprache Spanisch vieles erleichtert. Oft komme ich dadurch sehr schnell mit jemandem ins Gespräch. Und dann wäre da noch die Pünktlichkeit, … obwohl ich immer pünktlich um 18 Uhr im Studio stand.

Sie wirken am Fernsehen immer sehr souverän. Gab es auch schon Situationen, in denen Sie die Fassung verloren haben – und wenn ja, welche?
Natürlich! Wenn beispielsweise ein Beitrag zu spät kommt: Auch Improvisieren muss gelernt sein. Generell gibt es Tage, da ist einfach der Wurm drin. Dann die Fassung zu bewahren, musste ich auf die harte Tour lernen. Am Bildschirm kann man sich nicht einfach verstecken, auch die eigenen Emotionen nicht.

«Ich hoffe, es stehen mir noch weitere Höhepunkte bevor»

Was war für Sie der Höhepunkt in Ihrer TV-Tätigkeit?
Ich durfte in meiner noch jungen Karriere viele persönliche Höhepunkte erleben, sei es als Reporterin ein Interview mit der frisch gewählten Bundesrätin zu führen oder Talks mit Künstlern zu leiten, die ich selbst bewundere. Doch ich hoffe, es stehen mir noch weitere Höhepunkte bevor.

Und der Tiefpunkt?
Es gab bestimmt schwierige Momente als Reporterin, so etwa tragische Beiträge, die mich selbst emotional berührten, beispielsweise ein Tötungsdelikt, bei dem Kinder involviert waren. Oder auch sonst gab es Tage, an denen es bei der Sendung einfach nicht gut lief. Dann heisst es, den Tag abhaken und es nächstes Mal besser machen.



Das ganze Interview mit Vanessa Meier erschien in der Sonderausgabe zum Digital Marketing Tag, die auch der Oktober-Printausgabe von «persönlich» beigelegt wurde.



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Kommentare

  • Uwe Tännler, 23.11.2021 12:46 Uhr
    Kompliment liebe Vanessa, super sympathisch. Ohne Starallüren und ohne die ganze Gender-Ideologie einiger Berufskolleginnen. Eine starke Persönlichkeit mit gesundem Selbstvertrauen und einer grossen Portion Humor und Fröhlichkeit. Deine professionelle Moderation des "Marketing Excellence Awards" am Digital Marketing Tag war eine grosse Freude. Weiter so.
  • Andi Neukomm, 23.11.2021 09:31 Uhr
    Die beste Moderatorin weit und breit!

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