Bisher war der Name Programm: Wo Hauptstadt draufstand, war Hauptstadt drin. Das Berner Onlinemagazin berichtete hauptsächlich aus der Bundesstadt und ihrem Umland. Nun erweitert die Redaktion ihren Fokus und nimmt den Kanton stärker ins Visier. «Wir wollen eine gravierende Lücke schliessen», heisst es dazu in einem Newsletter in eigener Sache. Die mediale Berichterstattung vernachlässige die kantonale Ebene, obwohl dort viele Entscheide getroffen würden, welche sich auf die Bevölkerung im Alltag auswirkten, lautet die Begründung. Diesem Manko will die Hauptstadt «mit anschaulichem, kompetentem, unvoreingenommenem Journalismus» entgegenwirken – auch weil das Publikum dies in einer Leserumfrage wünschte. Dabei soll es nicht nur um Politik, sondern verstärkt auch um Wirtschaft gehen. Um dies zu leisten, hat das Medienunternehmen seine Redaktion ausgebaut (persoenlich.com berichtete). Inzwischen arbeiten 14 Personen für die Hauptstadt.
Abo kostet 240 statt 120 Franken
Wer das ausgebaute Angebot mit den neuen Bereichen Kanton und Wirtschaft in vollem Umfang nutzen möchte, muss doppelt so viel zahlen wie bisher. Am 28. Januar lanciert die Hauptstadt das Abo-Plus für 240 Franken. Damit hofft das Unternehmen einen doppelten Schritt vorwärts zu machen: Das breitere Angebot soll zusätzliche Kundschaft anziehen, die mehr zahlt. Seit zwei Jahren stagniert die Hauptstadt bei rund 2700 Abos.
Das heutige Jahresabo für Einzelpersonen zum Preis von 120 Franken wird als Basis-Abo weitergeführt. Dafür erhält man die Berichterstattung im bisherigen Umfang. Was für alle wegfällt, sind die Kolumnen.
«Im Zuge dieser Reorganisation haben wir entschieden, für den Moment auf Kolumnen zu verzichten», erklärt Marina Bolzli auf Anfrage. Als Grund nennt die Mitbegründerin und Co-Redaktionsleiterin der Hauptstadt, dass man auf der Website weiterhin die Übersichtlichkeit gewährleisten wolle. «Je mehr Artikel auf der Website sind, desto schwieriger ist das.» Der Entscheid sei aber nicht definitiv. Bolzli betont zudem: «Es ist kein Abbau und keine Sparmassnahme, sondern eine Fokussierung.» Das Budget für freie Mitarbeitende bleibe gleich gross wie bisher.
Hauptstadt ersetzt Tamedia
Während zwei Kolumnisten und eine Kolumnistin sowie deren Publikum zu den Verlierern der Reorganisation zählen, gibt es mit dem Bieler Tagblatt aus dem Verlag Gassmann Media auch einen externen Gewinner. Die Tageszeitung aus dem Berner Seeland profitiert insofern vom Ausbau der Kantons- und Wirtschaftsberichterstattung, als dass sie alle Beiträge der Hauptstadt übernehmen darf. Eine entsprechende Zusammenarbeit zwischen Bern und Biel gibt es schon seit 2025. Diese hat an Bedeutung gewonnen, weil das Bieler Tagblatt seit Anfang dieses Jahres keine Artikel mehr von den Berner Tamedia-Titeln Berner Zeitung/Bund bezieht. «Künftig wird das Medienhaus Gassmann vermehrt selbst recherchieren und erzählen. Zusammen mit Partnern wie dem Onlinemagazin Hauptstadt und anderen Redaktionen», schrieb Nicoletta Cimmino, Publizistische Leiterin Gassmann Media, in einer Hausmitteilung Ende Dezember 2025. Auch beim Druck hat sich der Verlag entschieden, nicht mehr mit Tamedia (respektive der TX Group) zusammenzuarbeiten. Seit Anfang Jahr druckt CH Media das Bieler Tagblatt.

