14.09.2010

"taz"

Auslandkorrespondenten treten in Tarifstreik

Chefredaktion kürzt Honorare und fordert "Flexibilsierung".

Aufruhr im Auslandsressort der deutschen Tageszeitung "taz": Die Auslandkorrespondenten des Blattes sollen in Zukunft bis zu einem Drittel weniger Geld bekommen. Nun treten sie deswegen in einen Mini-Streik. Die Chefredakteurin der linksalternativen Zeitung ficht das nicht an – sie spricht von "Flexibilisierung".

"Das sind Discounter-Methoden", kommentierte Nahost-Reporter Karim El-Gawhany die Massnahmen schimpfend gegenüber "Spiegel Online". Seit 19 Jahren berichtet der Journalist für die links-alternative "Tageszeitung" aus dem Nahen Osten. Jetzt hat die "taz" ihm seinen Pauschalisten-Vertrag gekündigt. Schreiben soll er weiterhin, allerdings für weniger Geld. Dabei zahlt die "taz" laut "Spiegel" bereits ohnehin schon unter dem Branchendurchschnitt.

So wie El-Gawhany geht es allen 14 Auslands-Pauschalisten der Zeitung. Sie bekommen, je nach Standort und Vertrag, eine bestimmte Textmengen abgenommen und bezahlt. Diese Menge wird nun vereinheitlicht und zum Teil deutlich reduziert. Das bedeutet Einbussen von bis zu einem Drittel. Weitere Zeilen müssen mit der Redaktion ausgehandelt werden. Aber selbst, wenn die Pauschalisten weiter so viel schreiben wie bisher, bekommen sie weniger Geld als vorher.

Deshalb wehren sich die Auslands-Pauschalisten gegen die Pläne der Chefredaktion – auch öffentlich. "Wir sind gegen dieses Rasenmäher-Prinzip", sagte Jürgen Gottschlich gegenüber "Spiegel Online". Er hat vor mehr als 30 Jahren die "taz" mitgegründet und ist mittlerweile Korrespondent in Istanbul. An diesem Wochenende wollen sie auf der Versammlung der "taz"-Genossenschaft in Berlin Unterstützer sammeln. Hinzu kommt ein Mini-Streik: Von Mittwoch bis Freitag wollen sie keine Texte abliefern.

Die derart angegriffene Chefredakteurin versteht den Unmut bei den altgedienten Korrespondenten, hält jedoch an den Plänen aber fest. "Wir sparen nicht beim Auslandsetat, unser grosses Ziel heisst aber: Flexibilisierung", sagt Ines Pohl. Weiterhin gehe ein Fünftel des gesamten Etats in die Auslandsberichterstattung.

Das Korrespondenten-Netz stamme "noch aus dem Kalten Krieg". Während Reporter an den ehemaligen Schauplätzen des Ost-West-Konflikts stationiert sind, werden Afrika und Asien immer wichtiger für die Berichterstattung. Es müsse die Möglichkeit geben, flexibel zu reagieren, sagt Pohl, um von dort aus zu berichten, wo gerade etwas passiert. Dass das zu Einsparungen bei einzelnen Mitarbeiten führt, sei bedauerlich – letztlich aber unvermeidlich. Ohnehin seien die Pauschalisten vergleichsweise komfortabel ausgestattet, der weit grössere Teil der Auslands-Berichterstatter der "taz" schreibt ohne Vertrag.

Wegen der Kündigung ihrer Verträge sind zwei Auslandskorrespondenten vor das Arbeitsgericht gezogen, Gerichtstermin ist Ende Oktober. (Quelle: "Spiegel Online")


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