24.03.2010

Super-Deal in Osteuropa

Axel Springer und Ringier fusionieren Boulevardgeschäft

Die Medienhäuser Ringier und Axel Springer spannen zusammen. Wie die beiden Unternehmen am späten Dienstagabend mitteilten, wolle man gemeinsam eine Holding-Gesellschaft mit Sitz in Zürich gründen, um die Auslandsaktivitäten in Osteuropa zu bündeln (100 Printtitel und über 70 Online-Angebote). Ziel sei es, die Marktführerschaft bei den Boulevardzeitungen zu erlangen und den Ausbau des "digitalen Zukunftsgeschäfts" voranzutreiben. Ein Börsengang ist ebenfalls geplant. Die Details:
Super-Deal in Osteuropa: Axel Springer und Ringier fusionieren Boulevardgeschäft

Osteuropa gilt unter Medienmanagern gemeinhin als hartes Pflaster. Vor allem im letzten Jahr hinterliess die Wirtschaftskrise und die schwache Währung in den Bilanzen Spuren. Offenbar so tiefe, dass die beiden Verlagshäuser Ringier und Axel Springer ihre Auslandsaktivitäten in Osteuropa nun bündeln wollen. Eine neue Gesellschaft soll gegründet werden, an der beide Unternehmen zu je 50 Prozent beteiligt sind. Axel Springer bringt das Geschäft seiner Tochtergesellschaften in Polen, Tschechien und Ungarn in das Gemeinschaftsunternehmen ein, Ringier das Geschäft in Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn.

Mit diesem Schritt bauen die beiden Medienunternehmen ihre Position mit mehr als 100 Printtiteln und über 70 Online-Angeboten deutlich aus. Genauer: Ringier bringt 21 Zeitungen, 25 Zeitschriften und 34 Online-Portale in die neue Firma, Springer wiederum 13 Zeitungen, 48 Zeitschriften und mehr als 40 Online-Portale. Das gemeinsame Unternehmen mit Sitz in Zürich werde mit einem Umsatz auf Pro-forma-Basis 2009 von rund 414 Millionen Euro (601 Millionen Franken) und einem EBITDA von 62 Millionen Euro (89 Millionen Franken) zu einem der grössten in Osteuropa tätigen Medienunternehmen, wie es in einer Mitteilung heisst, die am späten Dienstagabend verschickt wurde.

Rund 4'800 Mitarbeiter wird das gemeinsame Unternehmen beschäftigen und ist zugleich klarer Marktführer in der Gesamtregion bei den Boulevardzeitungen sowie zu einem der größten Zeitschriftenanbieter. Die Gesellschafter beabsichtigen zudem, das gemeinsame Unternehmen in drei bis fünf Jahren an die Börse zu bringen. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, sagt: "Für beide Unternehmen ist diese Partnerschaft eine hervorragende Basis, das publizistische Kerngeschäft mit fünf marktführenden Boulevardzeitungen in attraktiven Wachstumsmärkten deutlich auszubauen, und eine optimale Voraussetzung für eine weitere Expansion im digitalen Zukunftsgeschäft."

Ringier-CEO Christian Unger sagt: "Die Ringier AG als eigenständiges Unternehmen mit einer 177-jährigen Tradition, starken Marken und einer ausgeprägten Wertekultur trifft auf einen Partner auf Augenhöhe, der in einem hohen Grad zu uns passt. Zusammen sind wir in den einzelnen Märkten so stark positioniert, dass wir mit dem neuen Unternehmen gemeinsam den Gang an die Börse machen werden und die Zukunft der aufstrebenden Medienmärkte in Osteuropa prägend mitgestalten können."

Geleitet wird das gemeinsame Unternehmen von Florian Fels, seit 1. Februar CEO Central Europe der Ringier AG. Fels kennt beide Unternehmen sehr gut. Seit 1993 arbeitete Florian Fels in verschiedenen Positionen bei Axel Springer. Zuletzt war er als CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung der Axel Springer Polska verantwortlich, die zu den führenden Verlagen in Polen gehört und vier Tageszeitungen und elf Zeitschriften herausgibt und ausserdem zahlreiche Internetportale betreibt. In dieser Zeit hat er neue Zeitungen und Zeitschriften lanciert, sowie Axel Springer Polska unter den Top-20-Internetanbietern in Polen etabliert.

Der Verwaltungsrat unter dem Vorsitz von Ralph Büchi, President Axel Springer International, setzt sich paritätisch aus je zwei Vertretern der Ringier AG und der Axel Springer AG zusammen. Welche Konsequenzen die Zusammenlegung der Osteuropa-Geschäfte für die Mitarbeitenden der beiden Konzerne hat, geht aus dem Communiqué nicht hervor. Ringier und Axel Springer veranstalten um 10 Uhr eine Medienkonferenz zur Gründung der neuen Gesellschaft. (Communiqué/sda/per)

Notiz der Redaktion: Interviews und zusätzliche Informationen folgen.


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