04.10.2023

NZZ am Sonntag

Beat Balzli wird neuer Chefredaktor

Der 57-Jährige wird den Posten auf den 1. November übernehmen. Er folgt auf Jonas Projer. Balzli, bisher Chefredaktor der deutschen WirtschaftsWoche, wird die Aufgabe haben, NZZ am Sonntag und NZZ näher zusammenzubringen. Es dürfte zu einem Stellenabbau kommen.
NZZ am Sonntag: Beat Balzli wird neuer Chefredaktor
Wird Chefredaktor der NZZ am Sonntag: Beat Balzli. (Bild: zVg)

Beat Balzli sollte ursprünglich ein NZZ-Projekt in Deutschland übernehmen (persoenlich.com berichtete). Nun übernehme er aber die Position des Chefredaktors der NZZ am Sonntag, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

«Ich freue mich sehr, zusammen mit einem tollen Redaktionsteam einen so renommierten Titel wie die NZZ am Sonntag weiterentwickeln zu dürfen», lässt sich Beat Balzli zitieren. «Seit meinem Studium schätze ich als Leser den Qualitätsjournalismus aus dem Hause NZZ. Und in meiner Karriere als Medienmacher übte der Erscheinungstag Sonntag immer eine spezielle Faszination auf mich aus. Dass nun beide Leidenschaften in einer neuen Aufgabe zusammenkommen, macht diese neue Herausforderung für mich besonders reizvoll.»

Der 57-jährige Wirtschaftsjournalist Balzli übernimmt eine Redaktion im Umbruch. Seit Juni wurde die Zeitung von vier Interims-Leitenden geführt, die teilweise inzwischen selber die Kündigung einreichten. Zuvor wurde das Blatt von Ex-«Arena»-Moderator Jonas Projer geleitet. Im Juni wurde bekannt, dass Projer das Unternehmen verlässt.

Ressorts werden zusammengelegt

Die Aufgabe von Balzli wird sein, die NZZ am Sonntag und die NZZ näher zueinanderzubringen. Die beiden Redaktionen sollen gemäss Angaben der NZZ künftig enger zusammenarbeiten und Synergien nutzen.

Dafür werden mehrere Ressorts zusammengelegt: Wirtschaft, Wissen/Wissenschaft sowie Technologie und Mobilität werden künftig von vereinigten Abteilungen beider Blätter geschrieben. Hanna Henkel, Ressortleiterin Wissenschaft, Technologie & Mobilität der NZZ, wird das zusammengeführte Ressort Wissen/ Wissenschaft, Technologie & Mobilität leiten. Bei der Wirtschaft übernimmt Chanchal Biswas, Ressortleiter Wirtschaft der NZZ, die Führung.

Fusioniert werden auch Layout und Produktion, der Newsroom sowie Art Direction und Bild. Die Teams von Visuals, Video/TV und Podcast werden künftig für beide Redaktionen arbeiten.

Jonas Projers wohl wichtigstes Projekt, das NZZ Magazin, hat im neuen Konstrukt keine Chancen mehr. Das digitale Magazin der NZZ war im Februar 2022 gestartet. «Wir haben mit dem Digitalmagazin einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der NZZ am Sonntag geleistet. Das Produkt konnte sich am Markt jedoch nicht durchsetzen», so NZZ-Kommunikationschefin Karin Heim auf Anfrage von persoenlich.com. Deshalb werde das digitale NZZ Magazin in naher Zukunft eingestellt.

Stellenabbau zu erwarten

NZZ-CEO Felix Graf: «Mit dem neuen Modell werden wir effizienter arbeiten und die Stärken und das Potenzial beider Redaktionen noch besser nutzen. Die publizistischen Eigenständigkeiten bleiben gewahrt. Wir sind überzeugt, dass die Anpassungen sowohl die NZZ als auch die NZZ am Sonntag weiter stärken und uns helfen werden, publizistisch und wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.»

Die Details des neuen Zusammenarbeitsmodells würden in den kommenden Wochen ausgearbeitet, schreibt die NZZ. Dabei dürften Arbeitsplätze verloren gehen. «Wir gehen davon aus, dass es im Kontext der näheren Zusammenarbeit punktuell zu einem Stellenabbau kommen wird», so Karin Heim zu persoenlich.com.

Publizistisch neu dem NZZ-Chefredaktor unterstellt

Die publizistische Eigenständigkeit der beiden Blätter soll dabei nicht verloren gehen: «Uns ist wichtig, dass die eigenständige Positionierung der beiden Print-Titel, die zum Teil unterschiedliche Zielgruppen und Bedürfnisse abdecken, bestehen bleibt», wird Verwaltungsratspräsidentin Isabelle Welton zitiert.

Die Verantwortung für die Inhalte der beiden Zeitungen bleiben bei den beiden Chefredaktoren. Allerdings ist der neue NZZ-am-Sonntag-Chefredaktor Beat Balzli publizistisch neu dem langjährigen NZZ-Chefredaktor Eric Gujer unterstellt.

Balzli, geboren in Hamburg und aufgewachsen in Luzern, studierte Volks- und Betriebswirtschaft in Bern und Paris und wandte sich nach dem Studium dem Wirtschaftsjournalismus zu. Nach Stationen in der Schweiz – bei der Handelszeitung, der SonntagsZeitung und bei Facts – stiess Balzli 2001 als Redaktor zum Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Von 2010 bis 2013 war Balzli Chefredaktor bei der Schweizer Handelszeitung. Ab 2013 arbeitete er in der Chefredaktion der Welt-Gruppe und war als stellvertretender Chefredaktor für die Welt am Sonntag zuständig. 2016 wurde er zum Chefredaktor der WirtschaftsWoche ernannt, die er bis 2023 führte. (sda/pd/cbe)



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Kommentare

  • andreas Imhasly, 04.10.2023 18:15 Uhr
    ich hoffe, dass ich als Abonnent der NZZaS ausführlich über die sog. Neugestaltung dieser NZZ informiert werde, nicht einfach nur die Fakten zur Kenntnis nehmen darf nach Vollzug. Die Unterstellung des neuen CR unter den NZZ-CR Gujer halte ich für sehr bedenklich. Die AfD-Variante in der NZZ-Deutschland, auch ein Projekt des Zürcher CRs (und bekannten Deutschland-Basher) ist für mich ein negatives Vorzeichen für die NZZaS. Und zuletzt: wie der CR Pojer "abserviert" wurde empfand ich als der stolzen NZZ unwürdig. Immer stärker scheint mir die NZZ zum Flaggschiff einer liberalistischen Ideologie zu "erstarren". Schade um eine wirklich liberale Stimme, die die Verantwortung für die Menschen in unserer Gesellschaft praktiziert.
  • Peter Eberhard, 04.10.2023 15:27 Uhr
    Wenn ich mir das qualitativ zunehmende Auseinanderdriften von NZZ und NZZaS vergegenwärtige, bin ich ja gespannt, wie das Biswas und Henkel "managen"....
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