10.03.2016

Le rire

Berater merkten Diskrepanz zwischen Inhalt und Form nicht

Mitarbeiter von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann äussern sich zu seiner hölzernen Darbietung.
Le rire: Berater merkten Diskrepanz zwischen Inhalt und Form nicht

Die Aufnahme in dem Bundespräsident Johann Schneider-Amman darüber spricht, wie gesund lachen sei aber selbst keine Mine verzieht ist inzwischen um die Welt gegangen.

Publizist Peter Rothenbühler forderte daraufhin, dass Schneider-Ammanns Kommunikationsstab entlassen werden sollte (persoenlich.com berichtete).

Die Betroffenen haben sich nun gegenüber RTS zu dem kommunikativen Malheur geäussert, wie «20 Minuten» berichtet: «Wir hätten strenger sein müssen», sagt eine Mitarbeiterin. Offenbar war man sich aber bewusst, dass das von den Organisatoren vorgegebene Thema – das Lachen – heikel sein könnte: «Ich habe sehr wohl gespürt, dass es ein waghalsiges Unterfangen ist», sagt ein anderer Mitarbeiter.

Johann Schneider-Ammann habe sich bei den TV-Aufnahmen mehr auf den Text als dessen Interpretation konzentriert, weil ihm die französische Sprache etwas schwerer falle, heisst es weiter. Die Diskrepanz zwischen Inhalt und Form sei von seinen Beratern nicht aufgefallen. (lcv)


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KOMMENTARE

Peter M. Wettler
12.03.2016 15:44 Uhr
So wahnsinnig schlimm finde ich den Aufsehen erregenden Patzer auch wieder nicht, zumal viele Eidgenoss(inn)en insgeheim sagen: "Das hätte ich auch nicht besser gekonnt." Von einer Person in Führungsfunktion verlangt man soziale Kompetenz, zu der auch die kommunikative Kompetenz zählt. Für mich heisst das im Mündlichen: Nicht informieren, sondern gewinnen, überzeugen. Mir gefällt es, dass der Bundespräsident seinen ureigenen persönlichen Stil hat und nicht eine gestanzte, stromlinienförmige Kommunikation pflegt, die meistens überhaupt nicht glaubwürdig wirkt, sondern Argwohn weckt. Ich würde Schneider-Ammann jedenfalls ein Occasionsvelo abkaufen, ohne es vorher gesehen zu haben, weil er echt ist und authentisch. Warum soll er nicht durchblicken lassen, dass die französische Sprache nicht seine Stärke ist? Was mir umgekehrt grosse Sorge bereitet, sind die Heerscharen so genannter Kommunikationsfachleute. Schroff gesagt: Sie wissen viel, aber können nichts. Es handelt sich um professionelle Dilettanten! Es hätte Dutzende von guten Beispielen gegeben, die hätten erzählt werden können und die deutlich gemacht hätten, dass Lachen die beste Medizin ist. Die Ideenlosigkeit dieser Komunikator(inn)en, denen der Lohn am 22. des Monats wohl am wichtigsten ist, erschwert den politischen Diskurs ungemein. Kein Wunder, wird z.B., in der "Arena" nicht mehr debattiert, sondern rechthaberisch geschrieen. (Ich erinnere im übrigen an die hölzernen Auftritte von Dölf Ogi, dessen patriotische Pathetik ans Pathologische grenzte - es tat seiner Beliebtheit überhaupt keinen Abbruch. Er hatte wenigstens eine Ahnung, dass Symbolik in der Kommunikation ein äusserst wichtiges Element ist.) Peter M. Wettler, Komm-unikat-ionsberater
Luciano Gloor
11.03.2016 16:07 Uhr
Aber sicher müssen die gefeuert werden. Nicht nur die Diskrepanz zwischen Inhalt und Form hätte auffallen müssen, auch dass der Text unendlich viel zu lang ist für das mühsame Ablesen, zu dessen der Bundespräsident wohl nur fähig ist. Alternativ wäre ein intensive Sprach-coaching und Training mit zahlreichen Durchgängen notwendig gewesen, bis die Ansprache gesessen hätte. Da hat wohl tiefster Provinzialismus die kommunikative Professionalität ersetzt. Schlimmer kann man die Persönlichkeit des Bundesrates und die eidgenössische Institution des Bundespräsidenten nicht bloßstellen.
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