Die Berner Zeitung (BZ) ist am Dienstag erstmals ohne klassische Ressoreinteilung erschienen. Nur der Sport behält einen eigenen Zeitungsbund. Politik, Wirtschaft, Kultur und Vermischtes werden in ressortübergreifenden Bünden abgehandelt. Dies hat die NZZ zum Anlass genommen, um die neu gestaltete BZ genauer unter die Lupe zu nehmen.
Das auffälligste Resultat des "Frühlingsputz" der BZ ist gemäss der NZZ der Verzicht darauf, das Geschehen vom Vortag innerhalb der thematischen Kategorien abzubilden, "die zumindest hierzulande als geläufiges Hilfsmittel zur verständlichen Strukturierung der Nachrichten gelten." Alles, was ausserhalb des sogenannten Espace Mittelland stattfinde, werde nun unter dem begrenzt aussagekräftigen Titel "Heute" im ersten Bund versammelt.
Die Auswahl der Berichte in der Dienstagsausgabe unter "Heute" kritisiert die NZZ als "chaotisch". Die Auslandberichterstattung bleibe auf Hauptereignisse begrenzt, die regionale Optik werde gepflegt. Die BZ folge dem Trend, aus der Tageszeitung ein Tagesmagazin zu machen. Man blicke selektiver, punktueller in die Welt, wodurch die Chronisten fast arbeitslos würden.
Bemerkenswert findet die NZZ den mit der Neuausrichtung verbundenen Willen, die Zusammenarbeit mit den elektronischen Titeln des eigenen Hauses -- Tele Bärn und Radio Capital FM -- zu verstärken. Man dürfe damit rechnen, dass regionale Themen zusehends multimedial ausgeschlachtet werden. Die NZZ fragt sich: "Ob das zur Medienvielfalt beitragen wird, zur Aufrechterhaltung eines publizistischen Pluralismus innerhalb von Unternehmen mit monopolähnlichen Positionen?"
BZ und Bund jetzt komplementärer ausgerichtet
Laut NZZ können angesichts der Neugestaltung der BZ nun aber diejenigen aufatmen, die befürchten, dass der unter dem gleichen verlegerischen Dach erscheinenden Bund nicht mehr lange überlebt. Die beiden Blätter seien jetzt klar komplementär ausgerichtet: "Auf der einen Seite die klassische Tageszeitung mit städtischem Charakter, auf der anderen Seite das stärker aufs ländliche Publikum ausgerichtete Provinzblatt."

