Die Kommunikations- und Medienwissenschaft in der Schweiz stossen auf grosses Interesse, die finanziellen und personellen Mittel reichen aber nicht aus. Experten empfehlen nun eine stärkere Profilierung des Fachs und mehr Planungssicherheit. Eine neu gebildete Zukunftskommission wird sich mit der Frage befassen, wie sich die Kommunikations- und Medienwissenschaft weiterentwickeln soll. Ein wichtiges Anliegen sind klarere Profile der einzelnen Institute von Universitäten und Fachhochschulen.
Wissenschaftsbehörden gefordert
Die Bildung der Zukunftskommission ist ein Hauptergebnis aus zwei Evaluationensberichten von der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) sowie von einer Gruppe von Wissenschaftlern aus sieben europäischen Ländern. Die Kommission sei wichtig, um vorausschauend handeln zu können, erklärte Ioannis Papadopoulos (Universität Lausanne), bei der Präsentation der Berichte am Freitag in Zürich. Er präsidiert den Wissenschaftspolitischen Rat der Sozialwissenschaften Schweiz. Die Wissenschaftsbehörden müssten jetzt eine Diskussion über die Forschungskultur führen, etwa zu den Themen Professionalisierung, Spezialisierung und Internationalisierung des Fachs.
Die Sicht von aussen
Die internationale Expertengruppe war zum Schluss gekommen, dass die Kommunikations- und Medienwissenschaft in der Schweiz eine klarere Arbeitsteilung und vor allem mehr Planungssicherheit braucht, wie Klaus Schönbach (Universität Amsterdam) erklärte. Die Zuweisung von personellen und finanziellen Mitteln dürfe nicht von Zufällen oder guten Verbindungen abhängen. Es brauche eine präzise Feststellung der Defizite, welche dann auch den politischen Instanzen deutlich gemacht werden müssten. Denkbar sei ausserdem eine stärkere Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft.
Die Sicht von innen
Der Bericht der internationalen Experten ist eine Ergänzung zur Selbstevaluation der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM). Diese lieferte laut SGKM-Präsident Roger Blum (Universität Bern) sieben Schwächen. Zunächst sei das Fach personell unterdotiert, die Professoren kämen zu wenig zum Forschen. Im Weiteren sei die Forschung unausgeglichen, die Nachwuchsförderung unbefriedigend und die Zusammenarbeit innerhalb des Fachs und darüber hinaus ungenügend.

