16.07.2006

Berner Zeitung

Bezahlte redaktionelle Berichterstattung

Gesundheits-Dossier durch Spitäler "unterstützt".

Die Berner Zeitung lässt sich für ihre Berichterstattung über Gesundheitsthemen bezahlen, wie die NZZam Sonntag in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. So wird das jeden zweiten Montag erscheinende Gesundheits-Dossier vom Inselspital Bern, der Krankenkase Visana und der Privatklinik Meiringen "unterstützt", wie auf der Website des Kommunikationsberaters und früheren Inselspital-Pressesprechers Bernhard Kummer nachzulesen ist. Kummer soll das Geschäft mit der BZ auch eingefädelt haben.

In welcher Form die "Unterstützung" geschieht, konnte die NZZaS nicht in Erfahrung bringen -- trotz mehrmaligem Nachfragen. Ebenfalls wollte das Inselspital zur Medienpartnerschaft keine Stellung nehmen. Gemäss Aussagen von Kummer und BZ-Geschäftsführer Albert P.Stäheli sieht die Vereinbarung jedoch vor, dass die Partner der Zeitung Inserate und Publi-Reportagen in der BZ schalten, während ihnen die BZ mit dem Gesundheits-Dossier das dafür geeignete Umfeld zusichert.

Während BZ-Chefredaktor Michael Hug gegenüber der NZZaS nicht für eine Stellungnahme erreichbar war, sieht Stäheli kein Problem: "Wir sind völlig transparent." Inserate und Publi-Reportagen würden gekennzeichnet, die Unabhängigkeit der Redaktion bezüglich des Inhalts des Gesundheits-Dossiers bleibe gewahrt. Die Partner könnten zwar Themen vorschlagen, ob und wie sie aufgegriffen würden, entscheide allein die Redaktion.

Laut der NZZaS ist das Inselspital in den redaktionellen Beiträgen omnipräsent. Die Artikel würden sich wie Publi-Reportagen lesen. So zum Beispiel, wenn es zum Thema Hirnschlag heisse, dass im Inselspital die Patienten "nach modernsten Methoden therapiert" würden; oder wenn in einem Beitrag zum Thema Burnout stehe: "In der Privatklinik Meiringen lernte M.P. erstmals wieder, dass es neben der Arbeit und der diktierten und selbst auferlegten Pflicht noch etwas anderes gibt: Die Entspannung."


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