Als Betroffene sind sie befangen. Gleichzeitig wissen die Angestellten der SRG selbst am besten, was eine Reduktion der Mittel, wie sie die Halbierungsinitiative fordert, für das Unternehmen bedeuten würde. Vor diesem Dilemma mahnt die SRG das Personal zur Zurückhaltung bei öffentlichen Äusserungen auf Social Media. Als Vorsichtsmassnahme gilt gemäss Leitlinien das Vieraugenprinzip. Und grundsätzlich sollen Redaktionen auf SRG-kritische Voten reagieren und nicht Personen (persoenlich.com berichtete). Viele Mitarbeitende hält der umfassende Regelkatalog für die Kommunikation in eigener Sache davon ab, sich öffentlich zu äussern.
Nicht so Christof Franzen.
Der SRF-Journalist und Russland-Filmemacher veröffentlichte am Mittwoch einen vielbeachteten Beitrag auf LinkedIn, in dem er die SVP-Kampagne für die Halbierungsinitiative mit dem Satansmotiv kritisierte. «Das rote Teufelchen», schreibt Franzen, «ruft bei mir tatsächlich Erinnerungen und Assoziationen ans Fernsehen hervor.» Aber nicht an SRF, sondern an Länder, «wo die Oligarchen den Inhalt beeinflussen oder, oft noch schlimmer, wo die Machthaber über diese Kanäle die Menschen manipulieren», so der Russland-Kenner. Mit SRF habe das Teufelchen nichts zu tun, schliesst Franzen den Beitrag..jpg)
Das kommt offenbar gut an. Innert zwei Tagen erreichte Franzen gegen 1300 Reaktionen auf LinkedIn, fast 50 Kommentare und über 100-mal hat jemand das Posting geteilt. Was auffällt: Sehr viele SRF-Mitarbeitende reagierten in der einen oder anderen Form auf die Wortmeldung ihres Kollegen. Sogar Chefredaktor Tristan Brenn teilte den Beitrag. Gut möglich, dass man Franzen in der Rolle des Winkelried sieht, der sich stellvertretend in die Bresche wirft und mit seiner grossen Kenntnis der Mediensituation in Russland die Kampagne gegen die SRG kritisiert.
Doch: Hat sich der Journalist des Jahres 2025 an die Spielregeln gehalten oder geht er zu weit, wenn er die SVP-Kampagne kritisiert? Für SRF, Franzens Arbeitgeber, liegt diese Art von Kommunikation im grünen Bereich. Auf Anfrage schreibt die Medienstelle: «Christof Franzen schildert in seinem Beitrag persönliche Assoziationen und Erinnerungen aus seiner Zeit als Russland-Korrespondent, die er mit dem im Walliser Boten publizierten Bildmotiv verbindet. Er äussert sich dabei nicht zur Abstimmungsvorlage selbst und gibt keine Abstimmungsempfehlung ab. Der Beitrag ist somit mit den publizistischen Leitlinien vereinbar.»
Franzen selbst teilt mit, seinen LinkedIn-Beitrag in Kenntnis und unter Berücksichtigung der Leitlinien verfasst zu haben. Er habe ihn aber nicht offiziell absegnen lassen.
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16.02.2026 17:15 Uhr

