Die Coop-Mitgliederpresse umfasst drei Sprachausgaben (CoopZeitung, Coopération, Cooperazione) mit einer Gesamtauflage von über 2,5 Millionen Exemplaren. Gut ein Viertel davon, nämlich 900 000 Exemplare, druckt seit 2008 die Basler Zeitung Medien (BZM). Allerdings nur noch bis Ende Jahr, danach reduziert sich dass Volumen auf 500 000 Exemplare. 400 000 Exemplare werden neu von der NZZ in deren Druckzentrum in Schlieren gedruckt. Diese Information wurde sowohl von BZM-CEO Jürgen Hunscheidt als auch von NZZ-CEO Albert P. Stäheli bestätigt. Auf der Coop-Medienstelle wollte man diese Angaben hingegen nicht kommentieren, Sprecherin Sabine Vulic bestätigte aber, dass Coop seinen Druckauftrag Coop-Presse den grössten Druckauftrag der Schweiz neu ausgeschrieben und verteilt hat. Statt wie heute an fünf werde die Zeitung künftig an insgesamt sieben Standorte gedruckt, sagte Vulic. Noch seien aber die neuen Verträge nicht unterschrieben.
NZZ druckt nun total 700 000 Exemplare
Mit wöchentlich 400 000 Coop-Zeitungs-Exemplaren weniger ab 2011 ist die BZM wohl die Hauptverliererin unter Coops Auftragnehmern, während die NZZ die Hauptgewinnerin ist. Mehr noch: Die NZZ, die bisher schon in St. Gallen 330 000 Exemplare der CoopZeitung für die Ostschweiz gedruckt hatte, behält laut Stäheli diesen Auftrag und kommt somit ab nächstem Jahr auf ein Gesamtvolumen von über 700 000 Exemplaren. Fest steht ebenfalls, dass die BZM damit ihre traditionelle Rolle als Coops Leadingpartner unter den Druckern verliert dem Vernehmen nach ebenfalls an die NZZ.
Doch dies kann nicht definitiv gesagt werden, da die Verteilung der zweiten Hälfte des Coop-Druckauftrages letzte Woche nicht in Erfahrung zu bringen war. Und weil ja noch ein weiterer Standort (vermutlich Chur oder Aarau) hinzu kommt.
Aus Sorge um Umwelt und Klumpenrisiko
Bliebe es aber bei der heutigen Verteilung, wäre Tamedia der neue Hauptauftragnehmer mit der Tochter Espace Media Groupe in Bern, die aktuell 300 000 Exemplare druckt, und mit dem CIE Centre d'impression Edipresse SA in Bussigny, das die ganze französischsprachige Auflage der Coop Presse (550 000 Exemplare) produziert. Ein weiteres Druckvolumen besorgt derzeit auch Ringier Print in Adligenswil (200 000 deutschsprachige Exemplare für die Zentralschweiz und Zürich und gut 100 000 italienischsprachige Exemplare für das Tessin). Anzunehmen ist, dass auch Tamedias Druckereien einen Teil ihres Volumens an den siebten Anbieter abtreten werden.
Dass Coop den grössten Druckauftrag noch stärker aufsplittet als bisher hat unter anderem mit Transport- und Umweltschutzüberlegungen zu tun. Zweifellos spielen aber auch verlagspolitische und strategische Aspekte eine Rolle: In der aktuellen Konjunkturlage, in der niemand weiss, welches Medienhaus noch wie lange standhält, ist es ratsam, den Druckauftrag auf möglichst viele Standorte zu verteilen, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Beim gesamten Druckauftrag handelt es sich um einen grossen, zweistelligen Millionenbetrag es war schon von 50 Millionen Franken die Rede.
War die NZZ dank Due Diligence im Vorteil?
Dass man bei der BZM am Verlust von Druckvolumen keine Freude hat, ist nachvollziehbar. Umso mehr, als Verleger Martin Wagner noch vor Kurzem zu Protokoll gab, sein Unternehmen sei «auf Kurs» in die schwarzen Zahlen ("persoenlich.com" berichtete). Der Coop-Entscheid ist somit ein arger Rückschlag. Unterdessen ist denn auch aus BZM-Kreisen die Vermutung zu hören, die BZM sei von der NZZ preislich gezielt unterboten worden. Dies sei der NZZ möglich gewesen, weil sie im Rahmen der Verkaufsverhandlungen vom letzten Winter Einblick in die BZM-Bücher und damit angeblich auch in die Coop-Abrechnungen erhalten habe (Due Diligence).
Auf diesen happigen Vorwurf angesprochen, wehrt sich NZZ-CEO Albert P. Stäheli jedoch vehement: "Die Konditionen von Mitbewerbern waren und sind der NZZ zu keinem Zeitpunkt bekannt gewesen. Und ich betone, dass wir nachweisbar zu keinem Zeitpunkt Einsicht in Druckkonditionen der BZM hatten", schreibt er.
(Text: Markus Knöpfli)

