Am Tag nach dem Anschlag auf die Pariser Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten läuft die Fahndung auf Hochtouren. Die beiden flüchtigen Hauptverdächtigen wurden nach Angaben von Ermittlern in Nordfrankreich gesichtet, mehrere weitere Menschen wurden festgenommen. Die beiden Hauptverdächtigen - der 32-jährige Cherif Kouachi und sein 34-jähriger Bruder Said - seien schwer bewaffnet in einem grauen Clio gesichtet worden, hiess es am Donnerstagvormittag von Seiten der Ermittler. Der Betreiber einer Tankstelle in der Nähe der Gemeinde Villers-Cotterêt im Département Aisne habe die verdächtigen Männer eindeutig erkannt.
Beim schwersten Anschlag seit Jahrzehnten hatten am Mittwoch zwei schwer bewaffnete Männer die Redaktion von "Charlie Hebdo" überfallen und zwölf Menschen getötet. Unter den Todesopfern sind Chefredaktor Stéphane Charbonnier sowie mehrere weitere Zeichner des bekannten Satire-Magazins. Elf weitere Menschen wurden verletzt. Die Attentäter erschossen auch einen Mann im Eingangsbereich sowie auf ihrer Flucht einen Polizisten.
Die Macher von "Charlie Hebdo" wollen aber nicht aufgeben. Der Kolumnist des Magazins, Patrick Pelloux, kündigte an, die nächste Ausgabe von "Charlie Hebdo" solle in der kommenden Woche erscheinen. "Wir wissen noch nicht, in welcher Form, aber es wird etwas geben", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Mitarbeiter würden von zu Hause aus arbeiten, da die Redaktionsräume wegen der laufenden Ermittlungen nicht genutzt werden könnten.
Höchste Terrorwarnstufe
Premierminister Manuel Valls sagte dem französischen Radio, die beiden Hauptverdächtigen seien der Polizei bekannt. Chérif Kouachi war 2008 verurteilt worden, weil er geholfen hatte, dem Terrornetzwerk Al-Kaida Kämpfer in den Irak zu schicken. Von der dreijährigen Haftstrafe wurden anderthalb auf Bewährung ausgesetzt. Die beiden Gesuchten waren nach Angaben des Innenministers Bernard Cazeneuve überwacht worden. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben. Die Ermittler waren den Brüdern nach dem Anschlag vom Mittwoch auf die Spur gekommen, weil ein Ausweis von Said in einem von den Angreifern zurückgelassenen Auto entdeckt wurde.
Für den Grossraum Paris galt weiterhin die höchste Terrorwarnstufe. Ein möglicher Komplize der beiden Hauptverdächtigen, der 18-jährige Hamyd Mourad, stellte sich am späten Mittwochabend nach Angaben der Ermittler der Polizei. Es gab aber Zeugenaussagen, wonach er sich zum Tatzeitpunkt in seiner Schule befand.
Nach Angaben von Cazeneuve wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag sieben Verdächtige festgenommen. Aus Justizkreisen hiess es, es handle sich um Frauen und Männer, die den Attentätern nahe stünden.
Schweigeminute für Opfer
Mit einer Schweigeminute wurde am Donnerstag in ganz Frankreich der Opfer des Anschlags gedacht. Um Punkt zwölf Uhr mittags hielten die Menschen landesweit inne, um ihre Trauer um die zwölf Todesopfer zum Ausdruck zu bringen. Abgehalten wurde die Schweigeminute unter anderem in Behörden, Unternehmen und Schulen, Menschen versammelten sich zudem schweigend auf Plätzen und vor der Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris. Staatschef François Hollande nahm in der Pariser Polizeipräfektur an der Schweigeminute teil.
Auf vielen Balkons und Plätzen hielten Menschen - wie bereits am Mittwoch - als Zeichen der Solidarität Schilder mit der Aufschrift "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") hoch. Unterbrochen wurde die Stille nur von läutenden Kirchenglocken, etwa den Glocken der Pariser Kathedrale Notre-Dame. In Frankreich galt am Donnerstag offizielle Staatstrauer.
Polizistin getötet
Am Donnerstagmorgen sorgte ein weiterer Angriff in Frankreich für Aufregung. Im Vorort Montrouge am Südrand von Paris schoss ein Mann mit einem Schnellfeuergewehr auf Polizisten, wie es in einer Mitteilung hiess. Eine Polizistin und ein städtischer Angestellter wurden schwer verletzt, die Polizistin erlag kurz darauf ihren Verletzungen. Der Täter befand sich auf der Flucht. Von Seiten der Ermittler hiess es, es gebe derzeit keinen "eindeutigen Zusammenhang" mit der offenbar islamistischen Attacke auf "Charlie Hebdo".
In mehreren Gemeinden Frankreichs gab es Attacken auf muslimische Einrichtungen. Zwei Moscheen wurden in der Nacht beschossen, wie die Behörden mitteilten. Eine absichtlich ausgelöste Explosion ereignete sich nach Polizeiangaben am Donnerstagmorgen vor einem Kebab-Laden nahe einer Moschee im ostfranzösischen Villefranche-sur-Saône. Verletzt wurde bei den drei Angriffen niemand. (sda)
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