Herr Bachmann, das Schweizer Fernsehen zeigte vergangene Woche ein Eishockey-Playoff-Finalspiel nur im Internet. Wird SF in Zukunft vermehrt Beiträge exklusiv im Internet ausstrahlen?
SF zeigte nur Eishockeyspiele, die sowieso livemässig aufgezeichnet wurden und nicht auf SF zwei ausgestrahlt werden konnten, weil auf SF zwei bereits eine andere Sportübertragung lief. Solche punktuellen Ergänzung der TV-Verbreitung können auch künftig Sinn machen. Grundsätzlich streben wir aber zur Zeit keine Erstverbreitung der SF-Programme via IP-TV an.
Will SF künftig alle seine Beiträge auch Internet anbieten -- also auch Spielfilme und Serien?
Das Publikum will ausgestrahlte Sendungen mindestens während einer bestimmten Frist auch als VoD anschauen können. Dabei ist es dem Publikum egal, ob es sich um eine Eigenproduktion oder um einen eingekauften Film handelt. Deshalb verfolgen wir die Vision, grundsätzlich alle Sendungen mindestens während einer bestimmten Frist nach der Ausstrahlung auch als VoD anzubieten. Dafür müssen aber noch rechtliche und technische Voraussetzungen geschaffen werden.
Sie haben kürzlich gesagt, dass SF 2.2 Millionen VoD-Anfragen im Monat zählt. Das sind rund 70'000 Abfragen pro Tag. Wie setzt sich diese horrend hohe Zahl zusammen?
Wir haben jeden Tag rund drei Stunden neues Videomaterial, das wir online stellen. Besonders stark nachgefragt sind dabei die tagesaktuellen Sendungen, wie z.B. Sport aktuell, Tagesschau, 10vor10, Schweiz Aktuell oder Meteo. Aber auch wöchentliche Sendungen, wie z.B. Sportpanorama werden sehr gut genutzt.
Dürfte SF nach Ihrem Ermessen im Internet auch kostenpflichtige Premium-Services anbieten?
SF bietet die Inhalte seinen Endkunden grundsätzlich unentgeltlich an.
Wo hat SF Ihrer Ansicht nach im Internet noch am meisten Nachholbedarf?
Das VoD-Angebot von sf.tv richtet sich immer noch primär an den Computernutzer. Entsprechend reduziert ist die Übertragungsqualität. Wenn wir aber mit unserem Video-on-demand-Angebot via IP-TV auf den TV-Bildschirm wollen, müssen wir die Bild- und Tonqualität noch markant verbessern. SF will zudem verstärkt mit seinem Publikum kommunizieren. Stichworte dazu sind Interaktivität, Community, Newsletter, Blog etc. Auch in diesem Bereich setzen wir noch keine Massstäbe.
Welches sind die wichtigsten Projekte, an denen Sie gegenwärtig arbeiten?
Das Multimediaangebot zur Fussball WM 06 und zur dritten Staffel von MusicStar wird zur Zeit vorbereitet. Noch in diesem Jahr wollen wir zudem die Metadaten des Fernseharchivs via Web zugänglich machen.
Wen erachten Sie im Online-Bereich als stärkeren Konkurrenten: Medienhäuser wie Ringier oder Tamedia, oder Telekom-Unternehmen wie die Swisscom etc.?
Eine grosse Herausforderung bilden die international tätigen Portale, die finanzstark und technologisch führende Angebote lancieren werden.
Abschlussfrage: Im Rahmen des Projekts "Move" soll das Teletext-Team ins Multimediazentrum transferiert werden. Wann wird die Zügelaktion stattfinden und welche Vorteile erhoffen Sie sich davon?
Die deutschsprachige Teletextredaktion zügelt in den nächsten zwei Wochen nach Zürich. Durch die Zusammenlegung mit der SF-Onlineredaktion können Synergien genutzt werden, die den Kunden wieder zu Gute kommen.

